Verbraucher

Man würde nicht vermuten, dass der Naturlandhof Heinzler einer der größten Bio-Geflügelbetriebe Baden-Württembergs ist. Geradezu idyllisch sieht das Freiland aus, in dem die Puten im Schatten des Holunders dösen.

Ursprünglich wurden die Sträucher zur artgerechten Gestaltung angepflanzt. Seit kurzem aber liefern sie den Rohstoff für neue Produkte und sind zum zweiten Standbein geworden.

Fünf Hektar misst die Fläche, auf der sich die Öko-Puten der Rasse B.U.T. Big 6 so frei und natürlich wie möglich bewegen können. Bewusst haben Josef und Sheila Heinzler hier Kulturholunder zur Bepflanzung gewählt, weil er den Steppentieren durch raschen und stark verzweigten Wuchs geradezu ideale Lebensbedingungen bietet. „Der Bereich unter den Stöcken wird gerne zum Sandbaden genutzt“, erklärt Sheila Heinzler. „Und der Strauch selbst spendet einerseits Schatten, andererseits Schutz vor natürlichen Feinden wie dem Habicht. Außerdem sind Puten äußerst neugierige Tiere, hinter jedem Busch vermuten sie etwas Neues. So wird der Auslauf bis in den entferntesten Winkel erkundet.“ Ihr Mann Josef, der den Geflügelhof bereits im Alter von 22 Jahren gegründet hat, bringt viel Erfahrung aus dem elterlichen Mastbetrieb mit. Freilandhaltung und ökologische Bewirtschaftung jedoch sind Themen, in die er sich nach und nach selbst eingearbeitet hat. „Wir haben uns nach einer nachhaltigeren Landwirtschaft gesehnt und uns – gerade auch in Anbetracht der vielen Geflügelskandale – entschieden, den Hof umzustellen und zu Naturland zu gehen“, erzählt Sheila Heinzler, die seit fünf Jahren mit Josef verheiratet ist und nun mit ihm zusammen den Betrieb führt.

 

heinzler holunder 350Inzwischen wird der Holunder genutzt, um eine neue Produktlinie aufzubauen. (Foto: Geflügelhof Josef Heinzler)

Alle Herausforderungen gemeistert
Als sie den Beschluss gefasst hatten, waren viele zunächst skeptisch. Dass Gänse im Freiland gut gedeihen, ist bekannt. Aber Puten, die eigentlich in wärmeren Gefilden zu Hause sind? Sheila und Josef Heinzler haben die Zweifler eines Besseren belehrt und gezeigt, dass man den Steppentieren auch in Deutschland mit entsprechend angelegten Freiflächen und Wintergärten artgerechte Lebensräume schaffen kann. Viel schwieriger ist dagegen noch immer das Thema Fütterung. „Es ist ein bisschen so, als würde man einen Rennwagen mit Normalbenzin betreiben wollen“, meint Sheila Heinzler. „B.U.T. Big 6 ist ein Hochleistungshybridvogel, der eine genau ausgewogene Mischung an Proteinen und Nährstoffen benötigt.“ Gemeinsam mit  der Lebensmittelhändler Feneberg, die das Geflügel der Heinzlers unter der Marke „Von Hier“ im großen Stil vermarktet, wurde im Endmastbereich eine gute Lösung gefunden. Aus dem Raiffeisenkraftfutterwerk Kehl kommt die Grundmischung, die mit eigenem, ökologisch angebautem Getreide ergänzt wird. Beim Starterfutter gibt es allerdings noch Optimierungsbedarf, denn hier muss die Proteinmenge besonders genau auf den Bedarf der Jungtiere abgestimmt sein. „Ich denke, für einen Betrieb dieser Größe arbeiten wir ziemlich gut“, meint Sheila Heinzler. „Aber natürlich gibt es immer wieder auch kranke oder verletzte Tiere, für die wir eine Krankenstation eingerichtet haben.“

heinzler pute 350Puten sind eigentlich Steppenvögel, die besondere Lebensbedingungen brauchen. (Foto: Geflügelhof Josef Heinzler)

 

Wirtschaftlichkeit auf ökologische Art
Durch die Partnerschaft mit Feneberg haben die Heinzlers Planungssicherheit gewonnen. Ganzjährig können sie über die regional strukturierte Lebensmittel-Gesellschaft ihre Puten vermarkten. In der Wintersaison bringen die Gänse, die sonst als „Weidepfleger“ unterwegs sind, zusätzlichen Umsatz. Dar-über hinaus gibt es weitere Naturkost Groß- und Einzelhändler sowie Gaststätten, zu denen Lieferbeziehungen bestehen. „Mit unseren Puten und Gänsen haben wir im Geflügelbereich das Maximum er-reicht“, findet Sheila Heinzler. „Was wir aber auf- und ausbauen wollen, ist unsere neue Holunderlinie.“ Vor zwei Jahren wurden die Blüten der Sträucher erstmals mit Wasser, Öko-Rübenzucker und Öko-Zitronensaft zum Holunderblütensirup „Heinzler´s Holly“ verarbeitet. Im Herbst folgte dann die Ernte der Beeren von Hand, die auf handwerkliche Weise zum immunstärkenden Holundermuttersaft „Heinzler´s Holder“ gepresst werden. Dazu haben die Heinzlers direkt vor Ort einen Verarbeitungspartner gefunden. Seit einem Jahr sind beide Produkte nach den Naturland Richtlinien zertifiziert und sollen nun im größeren Stil im Naturkostfachhandel Einzug halten.  Der Verkauf der Halbliter-Flaschen bringt neue Umsatzmöglichkeiten – vor allem aber trägt er indirekt zur artgerechten Tierhaltung bei. Auf diese Weise verbinden sich beide Standbeine zu einem stimmigen, nachhaltigen Konzept.

 

Weitere Infos unter www.naturlandhof-heinzler.de