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In der Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau arbeiten jugendliche Strafgefangene im Naturland Betrieb, versorgen Tiere, pflegen Naturschutzflächen und lernen den Umgang mit Maschinen.

Durch die regelmäßige und auch anstrengende Arbeit üben sie Durchhaltevermögen, Zuverlässigkeit und Respekt vor anderen Lebewesen.

Peter Forster, Leiter der Landwirtschaft, arbeitet seit fast dreißig Jahren im landwirtschaftlichen Betrieb der Jugend-Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau. Er ist gelernter Agrarbetriebswirt und hatjva forsterZwei Gefangene mähen mit dem Freischneider, Peter Forster leitet an und beaufsichtigt. Foto: Carolin Pieringer anschließend eine zweijährige Ausbildung zum „Justizvollzugsbeamten im Werkdienst“ absolviert. Das ist Pflicht für alle, die mit den Vollzugsteilnehmern, kurz „Gefangenen“, arbeiten. Es erklärt auch die Uniform und die damit verbundene Verantwortung, die Peter Forster und seine zwei Kollegen in der Landwirtschaft haben: Sie kümmern sich nicht nur um den Betrieb und leiten die Gefangenen an, sondern sie müssen diese auch beaufsichtigen und bewachen. Denn die Landwirtschaft ist „draußen“, also nicht hinter Schloss und Riegel wie die meisten anderen Betriebe der JVA. Einer der beiden Beamten ist dann beispielsweise mit dem Traktor auf den Feldern unterwegs, der andere bleibt immer bei den Gefangenen. für die Hollands ein wichtiges Thema, ebenso wie der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.

Die Kraft der Rinder flößt den Gefangenen Respekt ein
Seit 2006 ist der Betrieb Mitglied bei Naturland – auf Betreiben des engagierten Landwirts. Persönliches Interesse und die Suche nach der höchsten Wertschöpfung für die Landwirtschaft waren seine Motivation. Die zuvor betriebene Bullenmast war mit Wegfall der Prämie unrentabel geworden. Heute gibt es im Betrieb eine kleine Mutterkuhherde mit Stier, einige Ochsen und Färsen, eine Mutterschafherde der vom Aussterben bedrohten Hausstierrasse „Deutsches Waldschaf“ sowie 121 Legehennen. „Tiere sind für die Gefangenen besonders gut als Beschäftigungsfeld geeignet“, erläutert Peter Forster, „die Jugendlichen sind jva kueheDie Mutterkuhherde. Foto: Carolin Pieringervor allem von der Kraft der Tiere beeindruckt.“ Auch das tägliche Versorgen der Tiere, das Erleben von Geburt und Wachstum bis hin zur Schlachtung wirken therapeutisch. Hier wird die besondere Zielsetzung des Betriebes deutlich: es geht in erster Linie nicht um Gewinnmaximierung, sondern vor allem darum, den Gefangenen geeignete Arbeitsfelder zu bieten.

Die alte Sorte „Laufener Landweizen“ ist bei regionalen Bäckern beliebt
Die Arbeit auf den Feldern bleibt dagegen den Beamten überlassen. Fast alle Feldfrüchte wie Kleegras, Mais, Sojabohne, Weizen, Gerste und Hafer werden für die Fütterung verwendet – ein Teil davon verkauft der Betrieb an andere Öko-Bauern. Seit einigen Jahren baut Peter Forster außerdem die alte Speisesorte „Laufener Landweizen“ an und vermarktet sie über regionale Bäcker. Besonders am Herzen liegt dem Landwirt die regelmäßige Teilnahme an den Bayerischen Öko-Erlebnistagen mit der Aktion „Erdäpfel selber klauben“. Dabei können Kinder und Erwachsene auf dem Acker Kartoffeln selbst ausgraben, abwiegen lassen und bezahlen. „Das Kind vergisst das nie mehr“, so die Erfahrung des Beamten. Jedes Jahr im September gibt es einen Riesenansturm und so mancher deckt sich dabei mit dem Jahresbedarf ein. Leider fand die Aktion in diesem Jahr nicht statt, da die Kartoffelernte witterungsbedingt sehr schlecht ausfiel. Ein weiteres Arbeitsfeld, vor allem für die Gefangenen, sind Landschaftspflegearbeiten auf benachbarten Naturschutzflächen und dem Salzachdamm – das Mähgut wird als Einstreu verwendet und wirkt sich positiv auf die Nährstoffbilanz des Betriebes aus. Eine bewährte Winterarbeit ist es zudem, Pappelstecklinge für den Energiewald zu schneiden und zu bündeln. Im eigenen Wald wird Brennholz geerntet, aufbereitet und dann verkauft.jva legehennenDer Legehennenstall. Foto: Carolin Pieringer

Alle JVAs sollen auf Öko umgestellt werden
2016 Jahr hat der Bayerische Landtag – auf Antrag der Grünen Fraktion – beschlossen, die Landwirtschaftsbetriebe der Bayerischen Justizvollzugsanstalten nach Möglichkeit ökologisch zu bewirtschaften, um der Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln gerecht zu werden. Eine gute Entscheidung! Einige der verbliebenen acht Betriebe haben bereits umgestellt oder befinden sich soweit möglich in der Umstellung. Die JVA Laufen-Lebenau hat diesen Schritt schon vor zehn Jahren getan und parallel dazu ihren Landwirtschaftsbetrieb optimal auf die Arbeit mit Gefangenen ausgerichtet. Darüber hinaus leistet Peter Forster mit seinem Team wertvolle Naturschutzarbeit, erhält alte Tierrassen und Pflanzensorten und engagiert sich in der Umweltpädagogik!

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Einmal jährlich findet im Rahmen der Öko-Erlebnistage ein Tag der offenen Tür statt, bei dem die Besucher eingeladen werden, selber Kartoffeln zu ernten. Mehr Informationen unter www.oekoerlebnistage.de

 
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Ansprechpartner und Kontakt

Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau

Peter Forster

Forstgarten 11
83410 Laufen
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Telefon: 08682 897 152
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