Kundgebung am Brandenburger Tor: NABU und Naturland fordern gemeinsam neue Agrarpolitik

WHES PotsdamerPlatzAuftaktkundgebung auf dem Potsdamer Platz18.000 Menschen haben am Samstag in Berlin für eine umfassende Agrarwende demonstriert. Dabei forderten Naturland und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeinsam eine neue Agrarpolitik, die konsequent an den Leistungen der Bauern für Umwelt- und Tierschutz ausgerichtet ist.

„Es gibt eine Alternative zur Ausbeutung unserer Böden und Tiere. Wir Öko-Bauern machen tagtäglich erfolgreich vor, dass landwirtschaftliche Praxis, Umwelt- und Tierschutz keine Gegensätze sind, sondern einander ergänzen“, sagte Naturland Präsidiumsmitglied Hans Bartelme bei der Abschlusskundgebung auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor.

Umsteller brauchen Rechtssicherheit: EU-Öko-Verordnung sinnvoll weiterentwickeln
Naturland Geschäftsführer Steffen ReeseNaturland verzeichnet im zweiten Jahr in Folge deutliche Zuwächse bei Mitgliedsbetrieben und Fläche. Neben einem erneut starken Wachstum in Deutschland konnte der Öko-Verband in 2016 auch international zulegen, wobei vor allem die Entwicklung in Europa überdurchschnittlich positiv ausfiel. Insgesamt bewirtschaften aktuell 43.000 Naturland Bäuerinnen und Bauern in 46 Ländern der Erde eine Fläche von über 277.000 Hektar. Das sind rund 5.000 Bäuerinnen und Bauern mehr als vor einem Jahr. Die Fläche legte um 4,7 Prozent zu.

In Deutschland fielen die Zuwächse mit einem Flächenwachstum um 9,4 Prozent auf rund 165.000 Hektar erneut überdurchschnittlich gut aus. Dazu kommen noch rund 54.000 Hektar nach Naturland Richtlinien bewirtschaftete Waldfläche. Die Zahl der deutschen Naturland Betriebe stieg um 213 auf nun 3.127 (plus 7,3 Prozent).

Naturland auf der Internationalen Grünen Woche Berlin – Attraktives Schülerprogramm

IGW 250Auf der Internationalen Grünen Woche vom 20. bis 29. Januar in Berlin können sich die Messebesucher bei Naturland in der Biohalle (1.2b) über alle Fragen rund um Öko-Landbau und Fairen Handel informieren. Auf der Aktionsfläche von Naturland e.V. wird vor allem für Kinder und Jugendliche wieder viel geboten. Am Gemeinschaftsstand „Naturland & Partner“ zeigen derweil verschiedene Unternehmen, wie aus öko-sozialem Engagement genussvolle Bio-Produkte werden.

Viele der am Stand vertretenen Partner sind dabei zusätzlich Naturland Fair zertifiziert. Darin spiegelt sich die große Bedeutung von sozialer Verantwortung, verlässlichen Handelsbeziehungen und fairen Erzeugerpreisen für Bäuerinnen und Bauern in Deutschland und weltweit.

Herausragende Führungspersönlichkeit des Öko-Landbaus

hans hohenester sw 250Der Öko-Landbau war sein Beruf und seine Berufung. Seit 26 Jahren Öko-Bauer und Naturland Mitglied, hat Hans Hohenester den Verband als Präsidiumsvorsitzender und in zahlreichen weiteren Ämtern entscheidend geprägt. Auch die Entwicklung des ökologischen Landbaus insgesamt hat er, vor allem in Bayern, wesentlich mit vorangebracht. Nach schwerer Krankheit ist Hans Hohenester am Sonntag im Alter von 59 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und 16 Jahre lang gemeinsam mit Hans Hohenester Mitglied im Naturland Präsidium, würdigte den Verstorbenen als herausragende Führungspersönlichkeit des ökologischen Landbaus. „Als praktischer Landwirt hat er in hohem Maße Authentizität und Glaubwürdigkeit unserer Bewegung verkörpert“, sagte Löwenstein.

Der am 21. Dezemer von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) bleibt weit hinter den Erwartungen der Fair-Handels-Organisationen und von 83 Prozent der deutschen Bevölkerung zurück. Deutsche Unternehmen können damit weiter von Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten profitieren, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

„Der Nationale Aktionsplan ist eine Enttäuschung. Die Interessen großer Unternehmen sind der Bundesregierung offensichtlich wichtiger, als das Wohlergehen von Menschen in anderen Teilen der Welt, die unsere Alltagsgüter produzieren“, so Armin Massing, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel. Im Aktionsplan hat die Bundesregierung die Unternehmen nicht per Gesetz dazu verpflichtet, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen, sondern sie drückt lediglich eine entsprechende Erwartung aus. Nicht einmal die Unternehmen im Eigentum des Bundes werden zu menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht verpflichtet.

Saatgutverteilung 250Anfang Oktober traf Hurrikan Matthew das Land Haiti schwer. Mit der vernichteten Ernten, ist auch das Saatgut verloren gegangen, das traditionell für die kommende Aussaat zurückgelegt wird. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) und Naturland haben daher die Spendeninitiative „Saatgut Hilfe für Haiti“ ins Leben gerufen, die erfolgreich angelaufen ist.

Bisher sind schon 35.160 Euro zusammengekommen. Einige Tonnen Saatgut konnten dadurch ausgehändigt und damit eine erste Lebensgrundlage für viele Menschen geschaffen werden. Für die anstehende Aussaat wird noch weiteres Saatgut benötigt, weshalb weiterhin Spenden gesammelt werden.