Milchviehhaltung
Moderne ökologische Milchproduktion
Aktuell bewirtschaften mehr als 865 Milchviehbetriebe in Deutschland ihren Betrieb nach den Naturland Richtlinien und produzieren damit ca. 159 Mio. Liter Ökomilch. Die Betriebsgrößen repräsentieren je nach Bundesland die dortigen strukturellen Verhältnisse.
Die zwei Eckpfeiler während der Umstellung sind die im Folgenden erläuterten Haltungsbedingungen und das Fütterungsmanagement. Über alle weiteren produktionstechnischen Inhalte wie auch Fragen zur Milchlieferung und zu Richtlinien informieren Sie gerne und unverbindlich die jeweiligen Fach- und Regionalberater.
Haltung
Das Ideal in der ökologischen Milchviehhaltung ist ein geräumiger Laufstall mit Ausläufen und direktem Zugang zur hofnahen Weide. In einigen Fällen lässt sich dieses Ideal aus unterschiedlichen Gründen aber auch im Ökobetrieb nicht verwirklichen. Alle größeren Naturland-Betriebe verfügen heute über Laufställe, mit eingestreuten Liegeboxen und einem großzügigem Platzangebot von 7 – 11 m² je Kuh. Dort wo ein Zugang zur Weide möglich ist, haben die Kühe zusätzlich Weidegang. Ist dies nicht möglich, müssen die Betriebe den Kühen Auslaufmöglichkeiten zur Verfügung stellen – mindestens 4,5 m² je Kuh. Bis Ende 2013 läuft für kleinere Altbetriebe (je nach Bundesland zwischen 25 und 35 GV) noch die Übergangszeit mit mindestens halbjährigen Weidegang die Rinder in den Wintermonaten bei artgemäßer Aufstallung und unter intensiver Tierbetreuung noch ständig in Anbindung zu halten (Ausnahmeregelung 95.1). Zunehmend mehr dieser kleinen Betriebe entscheiden sich aus freien Stücken, die Verhältnisse für ihre Kühe zu verbessern und damit der Forderung nach größtmöglichem Kuhkomfort Rechnung zu tragen. Das können einfache Winterausläufe sein oder Umbaulösungen unter weitgehender Nutzung der Altgebäude hin zu Laufställen, ohne die hohen Kosten eines Neubaus aufbringen zu müssen (näheres siehe PDF Anhang „Stallumbau“).
Stallbau-Übersicht Bautypen (pdf-Datei 218 KB)
Artikel Stallumbau (pdf-Datei 104 KB)
Betriebsportrait (pdf-Datei 122 KB)
Anbindehaltung - Wege zur einzelbetrieblichen Lösungen
Ende 2013 laufen jedoch die o.g. Ausnahmeregelungen zur Anbindehaltung aus. Dann können nur noch kleine Rinderbetriebe im Rahmen der sogenannten "Kleinbetriebsregelung" Anbindehaltung in Verbindung mit Auflagen betreiben. Zu diesen Auflagen zählen nach wie vor der mindestens halbjährige Weidegang, jedoch muss auch in den Wintermonaten mindestens 2x pro Woche Auslauf gewährleistet werden. Für Neubetriebe mit Anbindehaltung gilt seit 1.1.2011 die Kleinbetriebsregelung nur noch in Kombination Sommerweidegang und Winterauslauf.
http://www.lfl.bayern.de/publikationen/daten/informationen/P_37433.pdf
Fütterung
Ziel eines jeden Betriebes sollte es sein, stets gleichmäßige Nährstoffverhältnisse im Pansen der Wiederkäuer zu schaffen. Das gelingt am ehesten über eine regelmäßige und angepasste Futtervorlage in der Stallperiode und ein auf den Betrieb abgestimmtes Weidemanagement in Sommerhalbjahr. Eine dem Leistungsvermögen des Einzeltieres angepasste Fütterung ist bis zu einem gewissen Bereich im besten Sinn ökologisch, weil nachhaltig.
Aus wirtschaftlichen Gründen steht ein Aspekt für jeden Betrieb immer im Vordergrund: Eine möglichst hohe Grundfutterleistung zu erzielen!
Im Sommer ist dies überwiegend Frischgras, idealerweise und kostengünstig über Weidegang – im Winter besteht die Futtergrundlage aus guten Silagen (Gras, GPS, Mais) und Heu. Eigenes oder zugekauftes ökologisches Kraftfutter (Milchleistungsfutter, Getreide, Körnerleguminosen und Körnermais) sollte andererseits eingesetzt werden, wo dies sinnvoll ist und, wie oben bereits angedeutet, nicht nur einer guten Leistung sondern vor allem auch der Tiergesundheit dient. Je nach Laktationsstadium kann die Höhe der Zufütterung daher sehr unterschiedlich ausfallen. In jedem Fall besteht sie immer zu 100 % aus ökologischen Komponenten, egal ob diese vom eigenen Betrieb stammen oder durch den reglementierten Zukauf in den Betriebskreislauf kommen. Dabei kann es auch sinnvoll sein, trockenstehende Kühe sparsam mit hohen Strohanteilen zu füttern und auf deren Körperkondition (BCS) zu achten. Flächenstarke Betriebe haben die Chance mit Low-Input-Systemen (z.B. Kurzrasenweide – siehe PDF Anhang) zu arbeiten und weitgehend auf Kraftfutter zu verzichten, was dem ökologischen Gedanken am ehesten entspricht und die Kosten im Zaum hält.
Kurzrasenweide - Aufwuchshöhenraster (pdf-Datei 49KB)
Kurzrasenweide - Rückblick nach vorn (pdf-Datei 1188 KB)
Merkblatt Kurzrasenweide der Naturland Fachberatung (pdf-Datei 759 KB)
Milchpreis
Im Hinblick auf die Ergebnisse der Fallstudie des Bundeskartellamtes (AZ B2-118/10) können wir leider den monatlichen Milchpreisvergleich nicht mehr auf unserer Internetseite und in den Naturland Nachrichten veröffentlichen. Wir würden uns der Gefahr von Bußgeldern aussetzen. Bei Fragen zu den Milchpreisen wenden Sie sich bitte an Ihren zuständigen Berater.
