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Naturland International

Am 22.02. besuchte Elizabeth C. Mondejar, Marketingbeauftragte der Alter Trade Corporation (ATC) aus den Philippinen, die Geschäftsstelle des Naturland Verbandes in Gräfelfing. Die Vertreterin der Zuckerrohrgenossenschaft wurde von Naturland Geschäftsführer Steffen Reese und Friedrun Sachs von der Internationalen Abteilung herzlich empfangen. Alter Trade Corporation und Naturland verbindet eine über 20 jährige Kooperation. Der Kontakt zwischen Alter Trade und Naturland kam in den 90er-Jahren über das Fairhandelshaus GEPA zustande. Naturland stand den Zuckerrohrbauern bei der Umstellung auf ökologischen Landbau beratend zur Seite. 1997 war es dann soweit. Die GEPA brachte den ersten Naturland zertifizierten Bio-Mascobado-Vollrohrzucker auf den deutschen Markt.

Nach ersten Gesprächen und einem Rundgang durch die Geschäftsstelle hielt Frau Mondejar einen Vortrag über die verschiedenen Programme von Alter Trade Corporation, sowie über den Zuckerrohr- und Bananenanbau. Rund 25 Naturland Mitarbeiter ließen es sich nicht nehmen, in ihrer Mittagspause Informationen aus erster Hand über den Partner aus den Philippinen zu erfahren. Den Nachmittag verbrachte Elisabeth Mondejar in Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern aus den verschiedenen Abteilungen von Naturland.

Zuckerrohrarbeitern eine Stimme geben

Alter Trade wurde 1988 gegründet, als nach der Zuckerkrise in den Philippinen und insbesondere auf der Insel Negros, der viertgrößten Insel der Philippinen, Hunderttausende Arbeiter und Arbeiterinnen von einem Tag auf den anderen auf der Straße standen, weil es für die Plantagenbesitzer plötzlich nicht mehr rentabel war, Zuckerrohr schlagen zu lassen. Viele der Arbeiter erhielten zwar im Zuge der Agrarreform kleinere Landflächen, waren aber keine Bauern. Das Ziel von Alter Trade war es, den Produzenten alternative Vermarktungswege zu bieten und sie mit Ausbildung und Beratung in der ökologischen Bewirtschaftung zu unterstützen. Heute sind rund 442 Zuckerrohrproduzenten, zusammengeschlossen in 12 Organisationen, in ATC organisiert. Sie bewirtschaften eine Fläche von rund 402 ha, 107 ha davon wurden 2015 nach Naturland Richtlinien ökologisch bewirtschaftet. ATC und der faire Handel haben es den Mitgliedern der Kooperativen ermöglicht, von Landarbeitern ohne Stimme zu Kleinbauern mit eigenen Rechten zu werden.

Insgesamt produziert Alter Trade in ihrer eigenen Mühle knapp 1.000 Tonnen schmackhaften Mascobado Vollrohrzucker im Jahr. 80 % des Zuckers exportiert ATC, der Hauptimporteur ist die GEPA in Deutschland. Die restlichen 20 % des Mascobado Vollrohrzuckers gehen in den heimischen Markt. Bisher ist die Nachfrage nach ökologischen Produkten auf den Philippinen noch gering, weshalb ATC über Aufklärungsarbeit und Werbeaktionen versucht, das Bewusstsein der Bevölkerung für eine gesunde Ernährung und nachhaltige Bewirtschaftung zu wecken.

Beratung in Diversifizierung und Organisation

Neben der Beratung zur Umstellung auf Öko-Landbau unterstützt ATC die Produzenten auch durch Kredite und berät ihre Mitglieder im Umgang mit Finanzen und in Organisationsfragen. Sie kümmert sich um die Gesundheit ihrer Mitglieder und will vor allem die Abhängigkeit der heimischen Farmer von billigen Lebensmittelimporten aus Nachbarländern brechen. Mit dem Projekt SAVE (Sustainable Agro-ecological VillagEs) fördert Alter Trade die nachhaltige Landbewirtschaftung und insbesondere die Anbaudiversität und ermöglicht es den Farmern auf Negros, ihre eigenen Lebensmittel zu produzieren und unabhängig zu werden. Das Ziel der Alter Trade Corporation ist es, das Versorgungssystem von Lebensmitteln auf der Insel Negros zu verändern.

Ein weiteres wichtiges Produkt von ATC sind Balangon Bananen, eine einheimische Bananenart, produziert von knapp 3.050 Balangon Produzenten, verteilt über verschiedene Inseln der Philippinen. Diese exportiert ATC mit hohem logistischem Aufwand vor allem in alternative Vermarktungswege nach Japan und Korea.

Herausforderungen und Bedrohungen
ATC hat in den fast 30 Jahren seines Wirkens viel bewegen können, aber die Arbeit wird auch von verschiedenen Entwicklungen gefährdet und erschwert. Zum einen kam Elizabeth Mondejar immer wieder auf die Bedrohungen durch den Klimawandel zu sprechen. Trockenzeiten werden immer häufiger und immer heftigere Taifune bedrohen die Mitglieder in immer kürzer werdenden Abständen.

Der Druck auf Landflächen durch multinationale Konzerne macht auch vor den Philippinen nicht Halt: Ananas-, Bananen- und Gummiplantagen im großen Stil sind die Folge. Eine weitere Bedrohung der Arbeit ist der Import von billigen Lebensmitteln schlechter Qualität. Da die Philippinen Mitglied in der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) sind, welche die Handelsbeschränkungen zwischen den Mitgliedsländern abbauen will, überschwemmen immer mehr billige Importe von Lebensmitteln v.a. aus Thailand den heimischen Markt. Mit dem Wegfall der Zölle ab 2017 wird sich auch der Preisdruck auf Zuckerrohr von den Philippinen weiter erhöhen. Im Gegensatz zu den anderen ASEAN-Mitgliedsländern gibt es auf den Philippinen keine staatlichen Subventionen für den Anbau von Zuckerrohr und die Produktionskosten sind deutlich höher als in den restlichen ASEAN-Mitgliedsstaaten.