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Naturland International

Im April trafen sich ein Netzwerk (Leading Organic Alliance; AG Soziale Verantwortung) verschiedener europäischer Öko-Verbände, Kontrollstellen und Zertifizierer in Sant’Onofrio, Kalabrien um gemeinsam zum Thema Sozialrichtlinien und Sozialaudits zu arbeiten.

Das Treffen war Teil eines inzwischen zweijährigen Arbeitsprozesses zu der Thematik. Naturland bringt dabei seine mittlerweile über zehnjährige Erfahrung in der Abprüfung von Sozialkriterien ein.

Am Beispiel zweier Testaudits bei zwei kalabrischen Betrieben wurden vor allem die Punkte Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsverträge evaluiert. Auf die Thematik Diskriminierung wurde ein weiterer Augenmerk gelegt. Eine der Organisationen die beispielhaft überprüft wurde, war das Naturland Mitglied Carpe Naturam, eine Firma spezialisiert auf Gemüse- und Obstproduktion. Die Zulieferer sind einzelne Gemüsebauern und die Genossenschaft Biosybaris mit mehr als 80 Mitgliedern. Mit Carpe Naturam wurde ein sehr komplexer Partner ausgesucht, der Erzeuger, Verarbeiter und Packstelle von Obst und Gemüse ist. Die andere Organisation war die auf Zitrusproduktion und Olivenöl spezialisierte Genossenschaft GOEL. Die gemeinsam durchgeführten Audits dienten den Organisationen im Netzwerk, die gerade erst dabei sind Sozialrichtlinien zu implementieren, als Demonstration wie die Kontrolle in der Praxis abläuft. Mit dabei war der Inspektor der italienischen Kontrollstelle ICEA, der die Kontrollen auf den Naturland Betriebe in Kalabrien durchführt.

Auf der Tagesordnung stand auch ein Treffen mit der Menschenrechtsorganisation SOS Rosarno, die sich für die Rechte der Einwanderer aus Schwarzafrika einsetzt. In Südkalabrien (Gebiet um Rosarno) und Apulien (Region um Foggia) ist immer noch das System der „Caporali“ weit verbreitet. Der „Caporale“ bringt Arbeiter und Arbeitgeber illegal zusammen. Er bringt die Arbeiter meist direkt auf die Felder, oft überwacht er sie dort auch bei der Arbeit und nicht selten wird auch Gewalt angewendet. Der Arbeitsvermittler behält einen großen Teil vom Lohn für Transport, Essen, Wasser und Unterkunft ein. Oft werden illegale Arbeiter, vor allem Migranten, beschäftigt, die der Willkür besonders ausgesetzt sind. Das Gespräch mit der NGO war besonders wichtig um die Situation vor Ort besser einschätzen zu können.

Seit 2005 gelten bei Naturland Sozialrichtlinien. Damit werden auch die sozialen Bedingungen auf Naturland zertifizierten Betrieben im Rahmen der Öko-Kontrolle abgeprüft. Die Sozialrichtlinien geben detaillierte Vorgaben zu Arbeitsbedingungen und sozialer Absicherung aller Arbeiter. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz gelegt.