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Naturland International

Am 10. Mai besuchte eine tunesische Delegation von Direktoren und Mitarbeitern des Landwirtschaftsministeriums und angegliederter Behörden Naturland. Der Besuch war Teil einer von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH organisierten Delegationsreise zur nachhaltigen Landwirtschaft.

Finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist die GIZ gemeinsam mit dem tunesischen Landwirtschaftsministerium für die Umsetzung eines Programmes zur Förderung einer ökonomisch leistungsfähigen und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft in den Regionen Centre-Ouest und Nord-Ouest in Tunesien verantwortlich.

Die Tunesier zeigten sich sehr interessiert an der Entwicklung von Naturland und den verschiedenen Netzwerkorganisationen wie Verband, Fachberatung, Zeichen GmbH und Marktgesellschaft, deren Aufgaben Naturland in mehreren Kurzvorträgen präsentierte. Des Weiteren stand ein intensiver Austausch zu den Möglichkeiten, die eine Naturland Zertifizierung internationalen Mitgliedern bietet, auf der Agenda. Von beiden Seiten wurden Kooperationsabsichten für die nächste Zukunft geäußert. Im Rahmen des Besuches wurde auch der Naturland Betrieb der Seidlhof Stiftung besucht. Die Stiftung führt auf dem Gemischtbetrieb mit Acker- und Gartenbau Bildungsmaßnahmen für Kinder durch.

Hintergrund: Die Landwirtschaft hat zentrale Bedeutung für die Entwicklung Tunesiens. In den Regionen im Landesinneren arbeiten bis zu 50 Prozent aller Beschäftigten, davon 80 Prozent Frauen, im landwirtschaftlichen Sektor. Trotz ihrer Schlüsselfunktion wurde die Landwirtschaft in den vergangenen 30 Jahren nicht angemessen gefördert. Aufgrund mangelnder Produktivität und ungenügender Qualität und Vermarktung sind tunesische Produkte auf nationalen wie internationalen Märkten oft nicht wettbewerbsfähig. Eine nicht nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie der fortschreitende Klimawandel verstärken die Probleme weiter. Die Kleinbäuerinnen und -bauern im ländlichen Raum sind kaum organisiert; staatliche Beratungsleistungen sind nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten und Zugang zu Krediten auch problematisch. Landwirtschaftliche Berufe verlieren finanziell und gesellschaftlich an Attraktivität. Als Konsequenz wandern viele junge Tunesierinnen und Tunesier in die Küstenregionen ab.