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Naturland International

Tropische Früchte werden im deutschen Einzelhandel immer häufiger mit verschiedenen konventionellen Nachhaltigkeitssiegeln beworben. Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation Oxfam ist das jedoch meist nichts anderes als „Etikettenschwindel im Supermarkt“. In der Studie „Süße Früchte, bittere Wahrheit“ kritisiert Oxfam die Produktionsbedingungen und den Pestizideinsatz auf Bananen- und Ananasplantagen in Costa Rica und Ecuador, die das Siegel der Rainforest Alliance tragen.

Naturland sieht sich durch die Oxfam-Studie einmal mehr darin bestätigt, dass nur Öko wirklich nachhaltig ist. Diese Einschätzung war erst kürzlich auch von den Prüfern der Stiftung Warentest bestätigt worden, die insgesamt sechs verschiedene Nachhaltigkeitssiegel bewertet hatten. „Den höchsten Standard setzt das Siegel Naturland Fair“, so das klare Fazit der Tester. Rainforest Alliance hingegen wurde von den Prüfern als das Siegel mit den geringsten Ansprüchen beurteilt: Es setze vor allem auf Produktionssteigerung, garantiere den Kleinbauern aber beispielsweise keine Mindestpreise oder Prämien.

Bio-Bananen machen viel Arbeit

Bananen ökologisch anzubauen ist aufwändig. Im ökologischen Bananenbau dürfen keine Pestizide eingesetzt werden. Stattdessen setzt der Öko-Anbau auf gesundes, resistentes Pflanzmaterial, geringe Bestandsdichten, Mischkultur und vorbeugende Kulturmaßnahmen. Dass es sich für die Kleinbauern trotzdem lohnt Öko-Bananen anzubauen, liegt an dem Mehrpreis, den sie durch die Öko-Zertifizierung erzielen. Bio-faire Bananen erzielen zudem über den Fairen Handel gesicherte Preise. In deutschen Supermärkten kostet heute ein Kilogramm konventioneller Bananen genauso wenig wie vor 20 Jahren. Bananen sind sogar billiger als heimische Äpfel. Die Folge dieser niedrigen Preise ist allzu häufig eine Verschlechterung der Lohn-Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern.

Bio-Faire Bananen aus Kleinbauernhand – ein Beispiel, dass es auch anders geht

Wie Urwald muten die Flächen an, auf denen die ­Naturland Bauern in der Küstenregion im Süden von Ecuador Bananen produzieren. Die Bananenstauden wachsen in Mischkultur zwischen Kakao, Bäumen zur Holzgewinnung, Papaya und anderen Obstbäumen. Dieser diversifizierte Anbau sorgt für eine langfristig hohe Bodenfruchtbarkeit und trägt zudem zur Verbesserung der Ernährungssituation und Einkommenssicherheit der Familien bei. Die tragenden Säulen des bewährten Anbausystems sind Stärkung der Pflanzen durch Mulchen und Mischkultur, organische Düngung und mechanische Unkrautbekämpfung. Der Mischanbau verringert den Krankheitsdruck und sorgt für eine hohe Zufuhr an organischem Material, das zusammen mit Gesteinsmehlen, effektiven Mikroorganismen und anderen Stoffen zu konzentrierten organischen Düngern umgewandelt wird. Diese düngen nicht nur die Böden, sondern machen die Bananenstauden auch widerstandsfähiger.

Internes Kontrollsystem sichert Öko-Qualität

Die Bauern sind in kleinbäuerlichen Genossenschaften unter dem Dachverband UROCAL organisiert. UROCAL war die erste Bauernorganisation in Ecuador, die eine biologische Bananenproduktion in Angriff nahm und damit erfolgreich war. Mithilfe von ­Naturland konnte die Genossenschaft ihr internes Kontrollsystem ausbauen und festigen. Die Bananen werden in Deutschland über die Fair-Handelsorganisation BanaFair vertrieben. BanaFair setzt sich seit Jahren für eine Verbesserung der ökologischen und sozialen Bedingungen in der Bananenwirtschaft ein. UROCAL, im Zuge der Agrarreform in Ecuador Anfang der 1970er Jahre entstanden, ist sehr engagiert in Alphabetisierungs- und Bildungsprogrammen und besonders auch in Frauenprojekten. Auch die Verbesserung der Ernährungssituation ist seit langem ein Programmschwerpunkt. 2014 wurde in der Provinzhauptstadt Machala ein kleiner Laden mit frischem Obst und Gemüse im Thekenverkauf und einem Lieferservice für Früchte und Gemüsekisten eröffnet. Weltweit stammen mehr als 80 Prozent der für den Export bestimmten Bananen von großen Plantagen. Kleinbauern profitieren nur in den seltensten Fällen von diesem Geschäft.

Zur Oxfam-Studie "Süße Früchte, bittere Wahrheit“