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Naturland International

Podiumsdiskussion auf der Woche der Umwelt im Schloss Bellevue

Mango Preda 350Steffen Reese (re.) und dwp-Chef Thomas Hoyer (li.) mit Pater Shay Cullen, Leiter der Hilfsorganisation Preda, auf den PhilippinenDie Pläne der EU-Kommission für eine neue Regelung der Importe von Öko-Produkten aus Nicht-EU-Staaten gefährden erfolgreiche Öko-Kooperationen. „Öko-Exporte in die EU sind für viele unserer Bauern in den Partnerorganisationen des Südens eine wichtige Einkommensquelle im täglichen Kampf ums Überleben. Dahinter stehen vielerorts erfolgreiche Modelle partnerschaftlicher und sozialer Entwicklung, die jetzt von den Plänen der EU Kommission bedroht sind,“ sagte Naturland Geschäftsführer Steffen Reese auf einer Podiumsdiskussion zum Thema nachhaltiger Liefer- und Absatzketten.

Die Diskussion fand im Rahmen der Woche der Umwelt statt, zu der Bundespräsident Joachim Gauck zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) vom 07.-08. Juni 2016 in den Park von Schloss Bellevue eingeladen hatte. Am Beispiel von vier öko-fairen Projekten und Partnerschaften in Burundi, auf den Philippinen, in Costa Rica sowie Ägypten wurden dabei innovative Modelle internationaler und regionaler, sozial fördernder Zusammenarbeit aufgezeigt, die weit über gängige Zertifizierungs- und Labelling-Praktiken hinausgehen.

Die größte Gefahr für solche erfolgreichen Projekte sieht Reese in der geplanten „1:1-Umsetzung des EU-Bio-Rechts auf Entwicklungs- und Schwellenländer, wo die Bauern unter völlig anderen klimatischen und geographischen Bedingungen als in Europa produzieren. Diese von der EU-Kommission vorgeschlagene Neuregelung der Anerkennung von Öko-Ware aus Drittstatten würde nach Einschätzung des Naturland Geschäftsführers einen Rückschritt in Bezug auf Nachhaltigkeit und einer weltweiten Ökologisierung der Landwirtschaft in Verbindung mit zusätzlichen Sozialstandards bzw. dem Fairen Handel bedeuten. Den unterschiedlichen geografischen und klimatischen, aber auch administrativen und kulturellen Bedingungen in vielen Drittländern könne man auch über den geplanten Ausnahmekatalog nicht gerecht werden. Es drohe deshalb die Gefahr, dass Öko außerhalb der EU blockiert werde, warnte Reese.

Naturland Zertifizierung schafft neue Absatzwege

Ein konkretes Beispiel von vielen für eine gelungene Kooperation zwischen Partnern aus dem Norden und Süden ist die öko-faire Mango aus den Philippinen, ein Projekt das der Naturland Geschäftsführer auf dem Forum vorstellte und bei dem es um viel mehr geht als um ökologische Landwirtschaft. Seit über 40 Jahren setzt sich die Menschen- und Kinderrechtsorganisation Preda für eine sozial gerechte Entwicklung auf den Philippinen ein. Sie kümmert sich vor allem um benachteiligte Kinder und Jugendliche, Kinder, die auf der Straße leben, drogenabhängig sind oder sexuell ausgebeutet werden. Die erfolgreiche faire Vermarktung über den Fairhandelspartner dwp eG verschafft nicht nur den Bauern wirtschaftliche Vorteile. Ein Teil der zusätzlichen Einnahmen geht an die Preda Stiftung zur Unterstützung deren sozialer Aktivitäten. So werden die Gelder zum Beispiel für den Schutz und die Ausbildung von inhaftierten Straßenkindern und Mädchen, die von Preda Sozialarbeitern aus Bordellen gerettet werden, eingesetzt.

Die Mangos, die über Preda vermarktet werden, sind seit April dieses Jahres Naturland zertifiziert. Die 274 Naturland Mango-Bauern kommen aus 14 Gemeinden aus dem zum Teil schwer zugänglichen nördlichen Teil der Insel Luzon und gehören zum Volk der Aeta. Die Aeta leben sehr naturverbunden und ihre traditionelle Wirtschaftsweise ist ökologisch. Die Naturland Zertifizierung bietet den Bauern bessere Preise und sichert langfristig neue Absatzwege. So ist zum Beispiel zusätzlich zur Vermarktung über die Weltläden eine weitere Absatzschiene über die Verarbeitung des Mango-Pürees in Milchprodukten angedacht.

Neue Werte-Allianzen: Podiumsdiskusson stellt beispielhafte Projekte vor

Neben dem Mango-Projekt auf den Philippinen wurden noch drei weitere öko-faire Projekte und Partnerschaften – in Burundi, Costa Rica und Ägypten – im Rahmen der Podiumsdiskussion auf der Woche der Umwelt vorgestellt. In der Diskussion stellen sich die Panel-Teilnehmer der zentralen Frage: Wie können wir durch echte Werte-Allianzen gleich mehrfach gewinnen – und nachhaltige Produkte, bessere Lebensbedingungen, gelungene Beziehungen sowie zukunftsfähige Business-Modelle gestalten?

Weitere Teilnehmer der Veranstaltung waren Thomas Hoyer (Geschäftsführer Dritte Welt Partner e.G.), Leo Pröstler (Vorstand PuroVerde e.G.) und Ulrich Walter (Geschäftsführender Gesellschafter, Lebensbaum Ulrich Walter GmbH) Moderiert wurde die Diskussion von Jürgen Schmidt (terra institute / terra academy e.V., München).