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Naturland International

Produzentenrundreise im Rahmen der Fairen Woche 2016

Gruppenbild: Naturland Bäuerinnen aus Peru besuchen bayerischen KollegenArthur Stein mit Espirita Guerrero Romero (Mitte) und Yanet Giovana Garay Flores (2. v.r.). Außen: Agnes Bergmeister (l.) und Nora Taleb (r.) von Naturland Fair.Aus dem Mutterland der Kartoffel auf den Scharlhof in Röhrmoos: Am Montag (26.9.) besuchten zwei Vertreterinnen der peruanischen Naturland Kleinbauern-Kooperative Agropia den Naturland Bauern Arthur Stein auf dessen Betrieb im oberbayerischen Röhrmoos. „Naturland Bauern auf der ganzen Welt haben das Ziel, mit der Natur zu wirtschaften, Menschen mit hochwertigen Bio-Lebensmitteln zu versorgen und eine gesunde Lebensgrundlage für zukünftige Generationen zu erhalten“, sagte Stein bei der Begrüßung seiner beiden peruanischen Kolleginnen.

Bei einem Rundgang über den Scharlhof tauschten sich die Landwirte über die Praxis des ökologischen Kartoffelanbaus hierzulande und in den peruanischen Anden aus. Im Anschluss an den Hofrundgang besuchte die Gruppe dann die Sortier- und Waschanlage eines benachbarten Öko-Landwirts, bei dem Naturland Bauer Stein seine Kartoffeln einlagert und für den Einzelhandel abpacken lässt. Auf dem Weg dorthin hatten die beiden Gäste dann noch die Gelegenheit, einen Kartoffel-Vollernter in Aktion zu erleben.

Bei der Kleinbauern-Kooperative Agropia ist der Kartoffelanbau dagegen noch weitgehend Handarbeit. In den peruanischen Anden, bekannt als „Wiege der Ur-Kartoffeln“, bauen die 75 Kleinbauern in 4.000 Metern Höhe traditionelle Kartoffelsorten – die sogenannten „papas nativas“ an. Darunter sind auch fast ausgestorbenen Sorten mit klingenden Namen wie Pumapamaquin („Puma-Pfote“) oder Sumac Soncco („schönes Herz“). Die Kleinbauern tragen so auch zur Bewahrung der einzigartigen Sortenvielfalt bei, die zum kulturellen Erbe Perus zählt.

Fairer Handel schafft Zukunftsperspektiven

Im Rahmen der Fairen Woche sind die Geschäftsführerin der Kooperative, Yanet Giovana Garay Flores, und Kleinbäuerin Espirita Guerrero Romero, derzeit bundesweit unterwegs und berichten davon, wie Öko-Landbau und Fairer Handel zur Verbesserung ihrer Lebenssituation beitragen. Esperita Guerrero Romero baut in ihrer „chacra“, einem etwa 3 Hektar großen Feld, bis zu 80 verschiedene Kartoffelsorten an. „Der Faire Handel hat unsere wirtschaftliche Situation deutlich verbessert. So können immer mehr Mitglieder unserer Kooperative ihre Kinder zur Schule und auch auf weiterführende Schulen schicken. Meine Tochter lernt zum Beispiel Buchhaltung“, beschrieb Guerrero Romero die Wirkungen des Fairen Handels.Peruanische Bäuerinnen auf KartoffelernterYanet Giovana Garay Flores (links) und Espirita Guerrero Romero auf einem Kartoffel-Vollernter (Fotos: Naturland).

Die Kooperative ist gut aufgestellt für die Zukunft. Dank der Mittel aus der Fair Prämie konnte eine eigene Anlage aufgebaut werden, in der die Kartoffeln seit diesem Jahr vor Ort zu Chips verarbeitet werden. Agropia macht sich damit unabhängig von Preisschwankungen und ein größerer Teil der Wertschöpfung bleibt bei den Erzeugern. Die Naturland Fair zertifizierten roten und blauen Kartoffelchips werden in Deutschland durch die Fair-Handelskooperative dwp eG in den Weltläden vertrieben.

Absatz und Vermarktung als gemeinsame Herausforderung

So unterschiedlich die Voraussetzungen beim Anbau sein mögen – die Frage der Vermarktung und der Sicherung verschiedener Absatzwege beschäftigt den bayerischen Naturland Bauern nicht weniger als seine Kolleginnen aus Peru. Arthur Stein kann dank einer Kooperation mit anderen Öko-Bauern in der Region direkt an den Lebensmitteleinzelhandel liefern. Der Zusammenschluss ermöglicht ausreichende Liefermengen und die die Finanzierung der nötigen Infrastruktur zu finanzieren. Einen Teil seiner Ernte vermarktet Stein zudem direkt an Endverbraucher. Seit vergangener Woche steht in Röhrmoos auch ein so genannter „Regiomat“, ein gekühlter Automat, in dem Verbraucher rund um die Uhr Produkte der umliegenden Erzeuger beziehen können.

„Es ist spannend, wie andere Landwirte den Herausforderungen am Markt begegnen“, sagte Agropia-Geschäftsführerin Yanet Giovana Garay Flores: „Für Agropia sind Ökologischer Landbau und Fairer Handel die tragenden Säulen, um die Natur zu erhalten und die Lebensumstände unserer Mitglieder nachhaltig zu verbessern“, betonte sie.

Fairer Handel wirkt

Diese Rundreise findet im Rahmen der Fairen Woche statt, die in diesem Jahr unter dem Motto „Fairer Handel wirkt“ steht. Seit 15 Jahren rückt die Faire Woche Mitte September den Fairen Handel in den Fokus. Noch bis zum 30. September können Verbraucher, Händler und Politiker bei bundesweit über 2.000 Aktionen und Veranstaltungen den Fairen Handel und seine Akteure näher kennen lernen.

Veranstalter der Fairen Woche ist das Forum Fairer Handel in Kooperation mit TransFair und dem Weltladen-Dachverband. Naturland ist Mitglied im Forum Fairer Handel, das sich als die politische Stimme der Fair-Handels-Bewegung in Deutschland versteht.

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