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Naturland International

Am 11. April jährt sich der Gründungstag der ILO zum 100. Mal

Herr Wu 350 233Für Naturland gehörte die soziale Verantwortung von Anfang an zum ökologischen Landbau dazu. 2005 goß Naturland dieses Selbstverständnis in Sozialrichtlinien, die die Einhaltung sozialer Standards entlang der ganzen Wertschöpfungskette abprüfbar machen.

Die Sozialrichtlinien von Naturland basieren unter anderem auf den UN-Konventionen für Menschen- und Kinderrechte sowie den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO). Diese nahm heute vor 100 Jahren ihre Arbeit mit dem Ziel auf, durch soziale Gerechtigkeit weltweiten Frieden herbeizuführen. Ein gutes, aber auch sehr hochgestecktes Ziel.

Kernarbeitsnormen der ILO setzten wichtige Impulse
Die ILO hat in ihrem 100-jährigen Bestehen mit den Kernarbeitsnormen Vereinigungsfreiheit und -recht, Beseitigung der Zwangsarbeit, Abschaffung der Kinderarbeit, Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf und weiteren 189 Übereinkommen sowie 204 Empfehlungen wichtige Impulse gesetzt. Die Ratifikation der ILO-Normen ist jedoch immer noch völlig freiwillig. Zwar bekannten sich 1998 alle damals 138 Mitgliedsstaaten zu den Kernarbeitsnormen doch an der Lage von Kleinbauern und Landarbeitern hat das in vielen Ländern nichts geändert. Kinder- und Zwangsarbeit, gefährliche Arbeitsbedingungen und Löhne unterhalb des existenzsichernden Niveaus sind keine Seltenheit und treiben die Armut weltweit weiter an. Auch ist die Einhaltung der grundlegenden Menschenrechte gerade in landwirtschaftlichen Lieferketten oft nicht gewährleistet.

Naturland Sozialrichtlinien fördern gute Arbeitsbedingungen weltweit
Naturland hat das schon früh erkannt und 2005 die Öko-Richtlinien um die Aspekte der Sozialen Verantwortung erweitert, so dass die sozialen Bedingungen bei allen Naturland zertifizierten Betrieben und Verarbeitern weltweit im Rahmen der Öko-Kontrolle geprüft werden. Die Sozialrichtlinien geben detaillierte Vorgaben zu Arbeitsbedingungen und sozialer Absicherung aller Arbeiter vor. Dazu gehört das Verbot jeglicher Zwangsarbeit sowie die Stärkung demokratischer Strukturen durch Zusicherung von Versammlungsfreiheit und Zugang zu Gewerkschaften. Weitere Schwerpunkte sind Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Angebote zur Weiterbildung. Die Richtlinien geben auch klare Vorgaben was die Arbeit von Kindern betrifft. Kinderarbeit ist eine Realität für Millionen von Kindern. Naturland kann sie nicht abschaffen, aber den notwendigen Rahmen vorgeben, der ausbeuterische Formen von Kinderarbeit ausschließt und sicherstellt, dass die Kinder in die Schule gehen können und sie die Arbeit in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung nicht beeinträchtigt.

Jedes Land hat seine institutionellen, ökonomischen und kulturellen Besonderheiten, die weltweit zu starken Unterschiede der Arbeitsbedingungen von Kleinbauern und Landarbeitern führen. Als internationaler Verband gehört es zur täglichen Arbeit von Naturland sich mit diesen auseinanderzusetzen und durch Betriebsbesuche weltweit die speziellen Bedürfnisse und sozialen Bedingungen der Arbeiter zu erfassen. Zudem investiert Naturland viel Zeit in die Schulung von Inspektoren, die die Einhaltung der Sozialstandards vor Ort überprüfen. Denn eine Sozial-Kontrolle braucht Feingefühl und ein geschultes Auge.

Nur verpflichtende Gesetze können Kleinbauern und Landarbeiter weltweit schützen
Klar ist, nur wenn die Kernarbeitsnormen der ILO auch rechtlich bindend sind und eine Infrastruktur aufgebaut wird, die die Überprüfung dieser gewährleistet, können sich die Arbeitsbedingungen von Arbeitern weltweit verbessern. Zudem müssen auch global agierende Unternehmen in die Verantwortung gezogen werden, damit sie ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Großbritannien, Frankreich und Australien sind hier schon einen wichtigen Schritt vorangegangen. Sie verpflichten Unternehmen gesetzlich zur Achtung der Menschenrechte entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Deutschland lässt mit einem solchen Gesetz noch auf sich warten. Zwar hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller einen Vorschlag für ein Wertschöpfungskettengesetz vorgelegt, jedoch bremst die Koalition das Gesetz momentan noch aus. Naturland ist schon weiter und setzt darauf, dass alle – vom Erzeuger bis zum Verarbeiter - in die Öko- und Sozialkontrolle mit eingebunden werden. Somit stehen Naturland zertifizierte Produkte für die Einhaltung sozialer Standards entlang der ganzen Wertschöpfungskette.

Ein Jahrhundert nach der Gründung der ILO gibt es noch viel zu tun. Mit dem Klimawandel kommen neue Herausforderungen wie die Migration für die ILO dazu. Aber auch Living Wages gehören zu den Themen der Zukunft mit denen sich die ILO aber auch Naturland verstärkt beschäftigen werden.

 

Mehr zu unseren Sozialrichtlinien, lesen Sie hier: Naturland Soziale Verantwortung