Naturland e.V.

Hohenester 2015 350Hans Hohenester (Foto: C. Assmann)Verantwortung nicht auf die Verbraucher abwälzen

Naturland fordert von der Politik in Bund und Ländern endlich eine klare Linie auf dem Weg zu einer nachhaltigen und tiergerechten Landwirtschaft. „Wir brauchen eine ganzheitliche Agrarwende, keine Teillösungen mit immer neuen Siegeln für verschiedene Einzelaspekte“, sagte Hans Hohenester, Öko-Bauer und Naturland Präsidiumsvorsitzender, auf der Delegierten-versammlung des Öko-Verbands in Gräfelfing. „Denn tatsächlich wird damit immer nur die Verantwortung auf den Verbraucher abgewälzt, während sich am System selbst nicht wirklich etwas ändert“, kritisierte Hohenester.

Als Beispiel für eine solche Teillösung nannte Hohenester den Vorschlag des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik der Bundesregierung (WBA) für ein mehrstufiges staatliches Tierschutzlabel. „Die Leitlinien für eine verbesserte Tierhaltung, die der WBA vorgeschlagen hat, gehen zwar in die richtige Richtung, bleiben dabei aber auf halbem Weg stehen“, sagte der Naturland Präsidiumsvorsitzende. Wo das Futter für die Tiere herkommt, wie es produziert wird und welche Folgen ein zu hoher Tierbesatz für unser Grundwasser hat – solche für eine wirklich nachhaltige Tierhaltung zentralen Fragen werden bei einem reinen Tierschutzlabel ausgespart.

Nur Öko-Landbau bietet ganzheitlichen Lösungsansatz

Genau hier liegt aus Sicht von Naturland das Problem aller Initiativen, die – anders als der Öko-Landbau mit seinem ganzheitlichen Systemansatz – nur isolierte Lösungen für einzelne Teilaspekte der Landwirtschaft anbieten. „Ob Tierschutzlabel, Initiative Tierwohl oder die verschiedenen Nachhaltigkeitssiegel – immer wird nur an einzelnen Symptomen herumgedoktert, während der eigentlich notwendige, grundlegende Systemwechsel steckenbleibt“, kritisierte Hohenester.

Der Naturland Präsidiumsvorsitzende appellierte deshalb an die Politik, sich nicht länger aus der Verantwortung zu stehlen, sondern die lange überfällige ganzheitliche Agrarwende endlich aktiv einzuleiten. „Wir brauchen keine neuen Siegel oder Initiativen, sondern wir brauchen ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Öko-Landbau als Leitbild einer nachhaltigen, umwelt- und tiergerechten Landwirtschaft. Und wir brauchen politische Rahmenbedingungen, unter denen die gesellschaftlichen Mehrleistungen des Öko-Landbaus für Umwelt-, Klima- und Tierschutz vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsvorteil werden.“

Auf der Versammlung am 25. und 26. November verabschiedeten die Delegierten unter anderem den Haushaltsentwurf des Naturland e.V. für 2016. Felix Prinz zu Löwenstein berichtete in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft vom aktuellen Stand der Verhandlungen über die Reform der EU-Öko-Verordnung. Anschließend wurde Löwenstein vom Naturland Präsidium für sein langjähriges Engagement im Verband geehrt.

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