Naturland e.V.

Berlin muss die Bremse lösen
Vorstand Naturland BaWue kleinHerrenberg – Naturland fordert die Bundesregierung auf, in Sachen Öko-Landbau endlich mit den Ländern an einem Strang zu ziehen. „Die Verbraucher wollen mehr heimisches Bio. Die Bundesländer wollen es auch und haben ihre Förderrichtlinien entsprechend angepasst. Nur Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt steht weiter auf der Bremse“, sagte der Naturland Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, Hans Bartelme, auf der Mitgliederversammlung der Naturland Bauern im Ländle am Donnerstag in Herrenberg. Bartelme verwies in diesem Zusammenhang auf Schmidts halbherzige Haltung beim Gentech-Anbauverbot sowie auf die geplante Düngeverordnung, bei der die Leistungen des Öko-Landbaus für den Grundwasserschutz bislang schlichtweg ignoriert werden.
Auf Landesebene hingegen sind die Rahmenbedingungen für eine positive Entwicklung des Öko-Landbaus Bartelme zufolge derzeit so gut wie lange nicht. Dies liege zum einen an der positiven Markt-entwicklung, zum anderen aber auch an der kontinuierlichen Unterstützung durch die Landespolitik. So hat die grün-rote Landesregierung in Stuttgart die Öko-Prämien von 2015 an deutlich erhöht. Mit 350 Euro pro Hektar für Betriebe in der Umstellungsphase und 230 Euro pro Hektar Beibehaltungsprämie für etablierte Öko-Betriebe liegt Baden-Württemberg im Ländervergleich im oberen Drittel.
Positive Entwicklung im Land wird vom Bund konterkariert
„Dieses klare Signal der Landesregierung verfehlt seine Wirkung nicht. Immer mehr konventionelle Betriebe signalisieren ihre Bereitschaft, auf Öko-Landbau umzustellen“, sagte der Naturland Landesvorsitzende. „Aber die Bundesregierung muss endlich mit am gleichen Strang ziehen. Bloße Lippenbekenntnisse reichen nicht. Sonst könnte ein Teil des Schwungs gleich wieder verloren gehen“, warnte Bartelme.
Vor allem durch den Versuch von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt, sich um ein konsequentes nationales Anbauverbot für gentechnisch manipulierte Pflanzen zu drücken, droht ein massives Problem für den Öko-Landbau. „Wenn der Bund die Verantwortung für das Verbot auf die Länder abwälzt, droht ein Gentechnik-Flickenteppich in Deutschland. Jede neue Sorte müsste künftig 16 Mal verboten werden – und Monsanto & Co hätten jedes Mal 16 Möglichkeiten zur Klage“, warnte Bartelme. Ganz abgesehen davon, dass Gen-Pollen natürlich nicht an Ländergrenzen halt macht.
Ein weiteres Problem ist die geplante Überarbeitung der Düngeverordnung. „Der Entwurf, so wie er bislang aussieht, benachteiligt durch neue Regeln etwa für Festmist ausgerechnet die Öko-Bauern. Dabei sind sie es, die durch ihren Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel schon heute den größten Beitrag zum Gewässerschutz leisten“, sagte der Naturland Landesvorsitzende.
In Baden-Württemberg gibt es derzeit 170 Naturland Betriebe, die zusammen über 7.500 Hektar bewirtschaften. Insgesamt werden rund 7,5 Prozent der Agrarfläche des Bundeslandes ökologisch bewirtschaftet.

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