Naturland e.V.

Niedersächsische Agrarwende ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit

3PM 250Verden – Der stellvertretende niedersächsische Naturland Landesvorsitzende Everhard Hüseman fordert die konventionellen Bauernvertreter auf, ihre Verweigerungshaltung gegen die „sanfte Agrarwende“ der Landesregierung endlich aufzugeben und zu einer konstruktiven Haltung zurückzufinden. „Wer das Kupieren von Schweineschwänzen oder das Kürzen von Hühnerschnäbeln allen Ernstes als Tierschutz bezeichnet, der möchte offenbar weiterhin die Tiere für bestehende Haltungssysteme und Größenordnungen ‚passend‘ zurechtstutzen. Die Gesellschaft ist zu Recht nicht länger bereit, solche Praktiken zu tolerieren“, sagte Hüseman auf der Landesmitgliederversammlung der niedersächsischen Naturland Bauern in Verden. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, hatte unlängst bei einer Veranstaltung vor Bauern in Niedersachsen massiv gegen den Öko-Landbau und die Reformpolitik der grünen Länderagrarminister polemisiert.

Parallel dazu hatte der niedersächsische Landvolk-Präsident Werner Hilse in einem Zeitungsinterview sogar einen Boykott des ab 2017 in Niedersachsen auch für konventionelle Geflügelhalter geltenden Verbots des Schnäbelkürzens angedroht. Mit dieser Verweigerungshaltung stellen sich Rukwied und Hilse selbst ins gesellschaftliche und politische Abseits. „Die sanfte Agrarwende hin zu einem Mindestmaß an wirklichem Tierschutz, die Landwirtschaftsminister Christian Meyer vorantreibt, ist eben keine fixe Idee der Grünen, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Dies hatte schon die frühere schwarz-gelbe Landesregierung erkannt und erste Arbeitsgruppen zum Thema eingerichtet“, erinnerte der Naturland Landesvize.

Diffamierung des Öko-Landbaus schadet allen Bauern

„Die Zeit für mehr Tierschutz auch in der konventionellen Landwirtschaft ist reif. Die Öko-Betriebe im Land machen schon lange erfolgreich vor, wie das geht“, fügte der Naturland Landesvorsitzende Rennig Söffker hinzu. Doch statt die Erfahrungen der Öko-Bauern für Verbesserungen auch im konventionellen Bereich zu nutzen, setzten Rukwied und Hilse alles daran, einen Keil zwischen die Öko-Bauern und ihre konventionellen Kollegen zu treiben. „Wer den Öko-Landbau diffamiert und Reformen konsequent verweigert, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und schadet letztlich den Interessen aller Bauern“, sagte Söffker. An der Mitgliederversammlung der niedersächsischen Naturland Bauern in Verden nahm auch Dr. Stefan Dreesmann, Öko-Referent des Agrarministeriums in Hannover, als Gastreferent teil. In seinem Vortrag erläuterte Dreesmann unter anderem den aktuellen Stand der Verhandlungen in Brüssel über die von der EU-Kommission geplante Reform der EU-Öko-Verordnung In Niedersachsen gibt es derzeit 110 Naturland Betriebe, die zusammen rund 6.800 Hektar bewirtschaften. Insgesamt werden 2,9 Prozent der Agrarfläche des Bundeslandes ökologisch bewirtschaftet.

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