Naturland e.V.

Naturland Mitarbeiter Koch zum Düngemittelskandal in Spanien - Naturland nicht betroffen

alexander koch 350Alexander Koch, Naturland InternationalGerade im Winter kommen Obst und Gemüse häufig aus Spanien. Das gilt auch für Bio. Nun gibt es in der Presse aktuell Berichte darüber, das Bio-Betriebe in Spanien zum Teil auch konventionelle Düngemittel einsetzen.

Alexander Koch, bei Naturland unter anderem zuständig für die spanischen Mitgliedsbetriebe, kennt die Situation vor Ort. Gemeinsam mit Naturland Kollegen in Andalusien sorgt er durch enge Betreuung der Betriebe und konsequente Qualitätssicherung dafür, dass Naturland zertifiziertes Obst und Gemüse aus Spanien wirklich rundum bio ist.

Frage: Viele VerbraucherInnen und viele Bio-Händler in Deutschland sind jetzt verunsichert, ob ihr spanisches Bio-Gemüse überhaupt wirklich bio ist. Du kennst die Situation in Spanien. Was kannst Du ihnen sagen?

Koch: Es gibt in Spanien leider die Situation, dass einige der regionalen Kontrollstellen bei der Zertifizierung von Betriebsmitteln wie Dünger zum Teil sehr lasche Kriterien anlegen. Da werden Dünger als öko-konform bescheinigt, die es eigentlich unmöglich sein können. Wir wissen das und haben diese Thematik deshalb besonders im Auge. Für die Naturland zertifizierten Betriebe in Spanien kann ich deshalb mit Sicherheit sagen, dass die nun in Frage stehenden, nicht öko-konformen Düngemittel dort nicht eingesetzt werden. Das hat eine Überprüfung aus Anlass der aktuellen Berichterstattung noch einmal explizit bestätigt.

Frage: Um was genau geht es eigentlich?

Koch: Es geht vor allem um Kalidünger und hochprozentige Stickstoffdünger. Im Öko-Landbau sind nur organische Dünger erlaubt – entweder aus pflanzlichem oder aus tierischem Ursprung. Pflanzlichen Dünger haben einen Stickstoffanteil von unter 10 Prozent, bei tierischem Ursprung können es bis zu 15 Prozent sein. Aber dann ist Schluss. Einige spanische Kontrollstellen akzeptieren trotzdem auch Dünger mit deutlich höheren Stickstoffgehalten als angeblich organisch. Da weiß jeder Fachmann eigentlich sofort, dass da etwas nicht stimmen kann.

Frage: Was tut Naturland dagegen?

Koch: Wir schauen besonders genau hin! Das beginnt schon, wenn ein Betrieb neu zu Naturland kommen will. Da prüfen wir bereits vorab eingehend, welche Dünger und sonstigen Betriebsmittel der Betrieb bislang einsetzt. Das hat schon einige Male dazu geführt, dass Betriebe gar nicht erst bei Naturland aufgenommen wurden. Auf den zertifizierten Betrieben machen wir dann regelmäßige Betriebsbesuche, zum Teil auch unangekündigt. Unser Naturland Mitarbeiter vor Ort ist eigentlich ständig unterwegs, um mit den Landwirten zu reden und sie für das Thema zu sensibilisieren.

Außerdem arbeitet Naturland nur mit ausgewählten Kontrollstellen in Spanien zusammen. Inspektoren werden regelmäßig geschult, es gibt regelmäßige Kommunikation und Arbeitstreffen mit den beauftragten Kontrollstellen. Speziell wegen der Düngemittelthematik hatte ich auch durchaus schon Auseinandersetzungen mit einzelnen Kontrollstellen. Mit der Kontrollstelle Sohiscert, die in der Berichterstattung jetzt besonders kritisiert wird, arbeiten wir gar nicht zusammen.

Den Bericht der "taz" über die Düngemittel-Thematik in Spanien finden Sie hier.