Naturland e.V.

Interview mit Naturland Nachhaltigkeitsexperte Alexander Koch zum Weltwassertag am 22. März 2020

Agroforst Uganda ACPCU 350

Wasserknappheit und Starkregen - Der Klimawandel stellt Bäuerinnen und Bauern weltweit weiterhin vor massive Probleme. Nachhaltige Anbausysteme wie das Agroforstsystem können vor solchen Wetterextremen nicht schützen, sie aber zu mindestens abpuffern.

Alexander Koch, im Team International zuständig für das Thema Nachhaltigkeit, kennt sich aus mit Wasser. Er unterstützt u.a. die Naturland Mitgliedsbetriebe beim nachhaltigen Wassermanagement. Wie er die aktuelle Lage von Bäuerinnen und Bauern weltweit einschätzt und welche Maßnahmen in der Landwirtschaft Wasserknappheit vermindern können, erzählt er im Interview.

Naturland: Eine aktuelle Erhebung des Deutschen Wetterdienst prognostiziert für Deutschland in den nächsten fünf Jahren Trockenheit. In den Ländern des Südens ist das schon länger ein Problem – wie schätzt du die Lage für Bäuerinnen und Bauern weltweit ein? 

Alexander Koch: Die Lage ist leider sehr kritisch. Das Produktionsrisiko für die Landwirte steigt mit zunehmenden Wetterextremen. Es ist nicht nur die Trockenheit, es sind auch die sintflutartige Regenfälle und Starkregenereignisse. Zuviel oder zu wenig Wasser und/oder die schlechte Verteilung der Niederschläge, beides ist eine Herausforderung für die Landwirtschaft. Es steigt nicht nur das Risiko von Ernteausfällen, auch die Zunahme teils neuer Krankheiten und Schädlingen sind eine Folge des Klimawandels. 

Naturland: Wie gehen die Naturland Bäuerinnen und Bauern mit möglicher Wasserknappheit um? 

Alexander Koch: Wasser ist eng mit dem Boden verbunden und hier ist der Ökolandbau Teil der Lösung. Ökolandwirte legen besonders großen Wert auf den Erhalt und den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit. Ein humoser Boden mit guter Struktur kann mehr Wasser aufnehmen und mehr Wasser speichern. Das heißt, in einem fruchtbaren Boden ist das Wasser länger für die Pflanzen verfügbar und bei Starkregenereignissen wirkt so ein Boden wie ein Schwamm und kann viel Wasser aufnehmen. Das ist gleichzeitig auch ein guter Hochwasserschutz. 

Naturland: Welche Maßnahmen gibt es neben dem Humusaufbau? 

Alexander Koch: Neben dem Aufbau der Bodenfruchtbarkeit ist das sogenannte 'water harvesting' von Bedeutung. Das sind kleinere oder größere technische Maßnahmen, wie Erosionsschutzwälle, Infiltrationsgräben, Deiche, Kanäle oder Staubecken, die das Regenwasser im Gelände halten, speichern und nutzen. 

Naturland: Welche Anbausysteme sind vorteilhaft um Austrocknung zu vermeiden? 

Alexander Koch: Grundsätzlich alle Systeme, die den Boden bedecken und damit in gewissem Maße vor Austrocknung schützen, wie zum Beispiel Agroforstsysteme. Wichtig ist die Diversifizierung der Anbausysteme, um Risiken zu streuen, z.B. Mischkulturen sind besser als Monokulturen, Anbau verschiedener Arten und Sorten und zeitlich gestaffelte Saat- und Pflanzzeiten um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. 

Naturland: Wie schützt das Agroforstsystem konkret vor Austrocknung? 

Alexander Koch: Agroforstsysteme können in einem gewissen Maße Austrockung  abpuffern. Geh mal in den Tropen 15 Minuten auf´s freie Feld oder unter einen Baum, dann wird schnell klar, dass auch eine mäßige Beschattung vor Temperaturextremen schützen kann. Hinzu kommt eine Mulchschicht durch herabfallende Laubstreu, die den Boden zusätzlich vor Austrocknung schützt. 

Naturland: Für welche Kulturen sind bei Naturland Agroforstsysteme vorgeschrieben? 

Alexander Koch: Kaffee und Kakao sind Kulturen, die in vielen Ländern traditionell in Agroforstsystemen angebaut werden. Beide Kulturen eignen sich gut für Agroforstsysteme, d.h. sie vertragen nicht nur eine mäßige Beschattung, sondern diese hat auch Vorteile. Daher ist für Naturland der Anbau von Kaffee und Kakao in Agroforstsystemen Leitbild für den ökologischen und nachhaltigen Anbau und deshalb haben wir das vor vielen Jahren in Konsultation und Abstimmung mit Betrieben und Fachleuten so in den Naturland Richtlinien verankert.

 

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