Naturland e.V.

Wir Ackern für Öko: Johanna Mehringer vom Naturland Hof Mehringer in Bayern

Johanna Mehringer betreibt mit ihren Eltern in der Nähe von Geisenhausen einen Naturland Hof im Nebenerwerb. Hier gehen sie ihrer Leidenschaft nach: alte Haustierrassen vor dem Aussterben zu bewahren und Haselnüsse anzubauen. Warum diese Kombination ökologisch richtig gut ist und was gerade ansteht, erzählt sie uns im Interview – inklusive eines Gartentipps.

 

Naturland: Ihr habt Haselnüsse und Schafe – wie passt das zusammen?

Johanna Mehringer: Einfach perfekt! Die Schafe sind unsere natürlichen Rasenmäher und fressen unter den Haselnüssen das ganze Gras weg. Dabei ist die Düngung natürlich gleich inklusive und so haben wir einen richtig schönen ökologischen Kreislauf.

Naturland: Hattet ihr den von Anfang an?

Johanna Mehringer: Nein. Gestartet haben meine Eltern und ich mit den Haselnüssen. Wir kommen ursprünglich nicht aus der Landwirtschaft, aber meine Eltern wollten immer gerne eine Haselnussplantage. Als wir die dann hatten, haben wir uns gefragt wie wir das ganze Gras wegbekommen. Wegspritzen war für uns überhaupt keine Option und so kamen wir zu den Schafen.

Naturland: Das sind keine gewöhnlichen Schafe, stimmts?

Johanna Mehringer: Auf unserem Hof haben wir nur vorm Aussterben bedrohte Haustierrassen, das ist uns ganz wichtig und das haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Zuerst kam das Waldschaf, das ist eine handliche und extensive Rasse, der die magere Weide unter unseren Haselnüssen ausreicht. Dann haben wir noch das alpine Steinschaf. Diese Schafrassen sind viel nachhaltiger, widerstandsfähiger, wachsen langsamer und haben gesunde Klauen, wodurch wir weniger Klauenpflege machen müssen.

Naturland: Osterzeit ist Lämmerzeit und …

Johanna Mehringer: …. Zeit zum Scheren! Das steht zu Ostern immer bei uns auf dem Programm. Irgendwann ist den Schafen zu warm und dann kommt der Schafscherer zu uns und befreit sie von ihrem ganzen Wollkleid. Die Waldschafe werden einmal im Jahr geschoren, unsere alpinen Steinschafe sogar zweimal im Jahr.

Naturland: Tut ihnen das weh?

Johanna Mehringer: Weh tut es unseren Schafen zum Glück nicht, wir haben einen richtig guten Schafscherer, der auf die alle Acht gibt. Man muss Schafe einmal im Jahr scheren, dass ist natürlich ganz klar, weil die Wolle immer weiterwächst und irgendwann verfilzt. Jetzt sind sie auch wirklich froh, dass die Wolle wieder unten ist.

Naturland: Was macht ihr mit der Wolle?

Johanna Mehringer: Aus der schönen Wolle lassen wir Teppiche fertigen, die Schaffelle gibt es auch bei uns im Hofladen. Und aus der weniger schönen Wolle werden Düngepellets, z.B. für die Dachbegrünung. Wolle speichert unglaublich viel Wasser und ist ein idealer Dünger, da sie kontinuierlich Nährstoffe abgibt. Viele Gärtner oder Hobbygärtner holen sich die Wolle auch für ihre Hochbeete.

Naturland: Habt ihr auch noch andere wollige Gefährten auf dem Hof?

Johanna Mehringer: Auf dem Hof haben wir auch Wollschweine, das ist eine ganz alte Rasse aus Ungarn, da heißen sie auch Mangalica, das bedeutet walzenförmig. Und die Bezeichnung Wollschwein, weil sie genauso wie unsere Schafe so eine schöne lockige Wolle aufm Buckel haben. Da kommt der Schafscherer aber nicht.

Naturland: Hat sich bei Euch auf dem Hof durch Corona was verändert?

Johanna Mehringer: Nicht so viel. Nur dass bei uns jetzt gerade die ganze Familie auf dem Hof lebt und das der Hofladen richtig gut geht.

Naturland: Was kann man bei Euch im Hofladen denn alles kaufen?

Johanna Mehringer: Alles von den Tieren: also Salami, Grillwurst, Hackfleisch, Schafschinken, Lammfleisch, auf Vorbestellung auch Wollschweinfleisch und natürlich Schaffelle. Und ab September gibt es dann wieder Haselnüsse.

Naturland: Du bist ja eigentlich schon ganz gut beschäftigt – mit dem Hof und deiner Masterarbeit in Agrarmanagement – hast du da überhaupt Zeit für Pläne schmieden?

Johanna Mehringer: Ja klar! Es gibt noch einiges was ich aufbauen möchte. Die Direktvermarktung zum Beispiel, dann planen wir einen neuen Schweinestall und Fleischzerlegeraum zu bauen. Und ich möchte wieder mehr als Erlebnisbäuerin arbeiten.