Naturland e.V.

Wir Ackern für Öko: Bio-Winzer Axel Seck

Wieviel Arbeit steckt eigentlich in den Öko-Lebensmitteln, die wir im Laden kaufen? Und welche Arbeiten liegen grade an: auf Acker, Weide und im Stall oder auch in der Backstube, Käserei oder Metzgerei? Unter dem Motto "Wir ackern für Öko - So kommt Gutes auf den Tisch" fragen wir nach und lassen die Öko-PraktikerInnen im Naturland selbst von ihrer Arbeit erzählen.

Axel Seck vom Weingut Seck in Rheinhessen hat bei seiner Arbeit vieles im Blick: die Reben im Weinberg, den Wein in den Fässern, das Wohl seiner Kunden und der Belegschaft – und natürlich das Ökosystem in dem er wirtschaftet sowie die Gesellschaft, für die er das tut.

Naturland: Für Winzer gibt’s im Winter nicht viel zu tun – oder?

Axel Seck: Oh doch! Bei uns hört die Arbeit niemals auf… Im Januar beginnen wir damit, die Reben zurück zu schneiden. Die alten Triebe werden entfernt bis auf eine Rute, die festgebunden wird. Während wir dann im Keller und Büro beschäftigt sind, geht’s im April oder Mai weiter mit den Außenarbeiten im Rebberg. Rund drei Wochen nach Austrieb der ersten Blätter, müssen die Wasserschosse entfernt werden. Dabei werden alle Treibe am Stamm von Hand ausgebrochen. Dadurch wächst der Rebstock oben besser und die Pflanze kann später ihre Kräfte in die Trauben geben.

Naturland: In den letzten beiden Jahren war es sehr trocken. Leiden die Reben darunter?

Axel Seck: Reben wurzeln sehr tief, daher können sie vergleichsweise gut mit Trockenheit umgehen. Aber den Jungpflanzen macht das doch zu schaffen. So haben wir bei der Anlage eines neuen Rebberges im vergangenen Jahr in eine Tröpfchenbewässerung investiert, damit die Pflanzen auch unter Extremwetterbedingungen ausreichend mit Wasser versorgt werden können. Das zeigt sich heute an der Entwicklung der Pflanzen, die ohne diese zusätzliche Wasserzufuhr nicht so gut dastehen würden.

Naturland: Insbesondere Weine aus heißen, südlichen Ländern sind ja sehr aromatisch. Wirkt sich die Klimaveränderung hierzulande womöglich positiv auf den Weinbau aus?

Axel Seck: Die Hitze in einem heißen Jahr ist einerseits sehr gut, um kräftige Rotweine zu produzieren. Aber für Weißweine, für die Deutschland ja sehr bekannt ist, ist eine zu starke Hitze nicht ideal. Denn wenn es zu heiß wird, steigt der Alkoholgehalt zu sehr an. Dann müssen wir uns bemühen, die weißen Trauben rechtzeitig zu ernten, so dass bei der Vergärung der Alkoholgehalt nicht zu hoch wird und das Aroma des Weines leidet.

Naturland: Lässt sich schon sagen wie der Jahrgang 2019 geworden ist?

Axel Seck: Bei uns liegen die Weine noch lange im Fass, bevor sie in die Flasche kommen. Die Füllung der Weißweine aus 2019 haben wir tatsächlich gerade abgeschlossen, sie werden ab Sommer in die Vermarktung kommen. Die Rotweine hingegen werden noch das ganze nächste Jahr im Fass reifen und erst im Sommer 2021 abgefüllt. 2019 ist ein Jahrgang, der für uns nur ganz wenig Trauben gebracht hat – eben wegen der Trockenheit am Anfang des Jahres. Das heißt, die Weine sind sehr konzentriert, die Weißweine haben angenehm wenig Weinsäure und sind sehr aromatisch. Und auch die Rotweine werden vermutlich sehr kräftig werden. Die ersten Proben aus dem Fass sind sehr vielversprechend, wir gehen davon aus, dass wir einen spannenden Jahrgang erhalten werden.

Naturland: Du wirtschaftest nicht nur ökologisch sondern deine Weine tragen auch das Naturland Fair Zeichen. Warum hast du dich für diese zusätzliche Zertifizierung entschieden?

Axel Seck: Ich finde es sehr sinnvoll, die Kriterien des fairen Handels auch auf der Nordhalbkugel zu leben. Wir haben uns die Richtlinien vor einigen Jahren sehr aufmerksam durchgelesen und halten sie für eine sehr gute Erweiterung zu den Richtlinien für Bio-Produktion. Jeder Betrieb hat auch eine soziale und gesellschaftliche Verantwortung. Dieser möchten wir durch die Fair Zertifizierung Ausdruck verleihen.