Naturland e.V.

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Berlin, 14.07.2021 - Naturland und das Forum Fairer Handel (FFH) fordern ein Verbot von Dumping-Preisen für Lebensmittel. Das im Mai vom Bundestag verabschiedete Lieferkettengesetz sei zwar ein Fortschritt, aber ein Verbot von Dumping-Preisen fehle darin noch, sagte Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des FFH, auf der Jahrespressekonferenz des Fairhandelsverbands am 14. Juli in Berlin.

Die künftige Bundesregierung müsse deshalb "ein Verbot schnellstmöglich umsetzen, um den regelmäßigen Preiskämpfen der großen Lebensmitteleinzelhändler entgegenzuwirken", forderte Fütterer. Obwohl auf dem konventionellen Kaffee-, Bananen und Kakaomarkt Milliardenbeträge erwirtschaftet würden, seien die Einkommen der Erzeuger:innen nicht existenzsichernd. Wenn sich dann die großen Einzelhandelsketten auch noch Rabattschlachten mit Preisen unterhalb der Produktionskosten leisteten, habe das fatale Folgen. "Wenn die Menschen glauben, man könne die Produkte wirklich zu solchen Preisen erzeugen, wird es auch für uns im Fairen Handel immer schwieriger, faire Preise durchzusetzen", sagte die FFH-Vorsitzende.

Infolge der Corona-Pandemie musste das FFH erstmals seit Jahren insgesamt einen Umsatzrückgang bei fair gehandelten Lebensmitteln und Handwerksprodukten vermelden (minus 2,9 Prozent). Ein wesentlicher Grund hierfür waren die erheblich geringeren Verkäufe in den Weltläden (minus 13,3 Prozent), den Fachgeschäften des Fairen Handels, die aufgrund der Pandemie lange geschlossen waren. Auch im Außer-Haus-Bereich, der sich in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Pfeiler für den Absatz fair gehandelter Lebensmittel entwickelt hat, kam es pandemiebedingt zu Umsatzeinbrüchen.

Aber es gab auch positive Ausnahmen: So legte der Absatz von fair gehandeltem Kaffe um 4,6 Prozent zu. Und auch der Faire Handel im Norden mit Produkten aus Europa setzte seinenlogo fair2 Erfolgskurs fort (plus 13 Prozent). Diese positive Entwicklung hänge vor allem mit dem in der Pandemie sprunghaft gestiegenen Absatz von Bio-Lebensmitteln zusammen, erläuterte Naturland Geschäftsführer Steffen Reese. "Fair-Produkte müssen im Supermarkt noch deutlich sichtbarer werden, so wie wir das bei Bio zum Teil schon erreicht haben. Alle Handelsketten kommunizieren Bio-Themen, wie etwa aktuell das Thema einer Tierwohlkennzeichnung, bei dem die Bundesregierung so eklatant versagt hat. Wir müssen erreichen, dass auch die Themen Fairer Handel und soziale Verantwortung hier noch mehr Aufmerksamkeit bekommen", sagte der Naturland Geschäftsführer.

Naturland - mit der Zusatzzertifizierung Naturland Fair selbst Pionier der Verbindung von Öko-Landbau und fairem Handel - ist als einziger Öko-Verband Mitglied im Forum Fairer Handel, der politische Stimme des Fairen Handels in Deutschland.

file ico Die Pressemitteilung des FFH zum Download.