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Forschung und Praxis Hand in Hand

Burundi grossSeit 2014 unterstützt Naturland den Kaffeegenossenschaftsverband COCOCA in der Umstellung auf ökologischen Kaffee. Jetzt wird das Pilotprojekt das in enger Kooperation mit WeltPartner eG läuft und vom Land Baden-Württemberg finanziell gefördert wird, auf 17 Basisgenossenschaften ausgeweitet und wissenschaftlich begleitet.

Die Naturland Arbeit der letzten Jahre konzentrierte sich auf die Basisgenossenschaften Mboneramiryango und Nyarunazi. Der erste Naturland Beratungseinsatz war 2014. Die vorherrschenden Anbaubedingungen damals waren weit entfernt von einem diversifizierten Agroforstsystem nach Naturland Richtlinien, denn über Jahre war der Anbau von Bäumen im Kaffee in Burundi verboten. Auch wenn mittlerweile der Mischanbau in den Kaffeeplantagen wieder erlaubt ist, ist doch viel traditionelles Wissen über die Jahre verloren gegangen. Daher erfordert die Umstellung auf Naturland zertifizierten Kaffeeanbau unter Schattenbäumen einen großen Einsatz an Beratungsleistung und einen langen Atem aller Akteure, insbesondere auch der kleinbäuerlichen Familien vor Ort. Neben der fachlichen Beratung der beiden Kooperativen hat Naturland über die Jahre COCOCA auch beim Aufbau eines internen Kontrollsystems unterstützt. Des Weiteren wurden im Laufe der Jahre gute Beziehung zu wichtigen nationalen Akteuren des burundischen Kaffeesektors aufgebaut, um sie für das Öko-Vorhaben zu gewinnen.

 

Forschung und Praxis Hand in Hand

In dem neuen Projekt, dass von 2019 bis voraussichtlich Juni 2021 läuft, sind nun erstmals die Hochschule für Forst in Rottenburg sowie die Landwirtschaftsfakultät der burundischen Universität im Boot. In dem angewandtem Forschungsprojekt, werden sie vor allem den Auf- und Ausbau von Agroforstsystemen begleiten und beraten. Die gewonnenen Öko-Erfahrungen aus der Kooperation mit den beiden Basisgenossenschaften sollen nun auf 15 weitere Genossenschaften von COCOCA übertragen werden. Darüber hinaus wird die landwirtschaftlichen Beratung von COCOCA ausgebaut, mit Schwerpunkt auf partizipative Beratungsmethoden, farmer field schools, Demoflächen und anderen. Dazu sollen weitere 10 Agrarberater eingestellt werden.

 

Mischanbau in Agroforstsystemen bringt den BäuerInnen höhere Flächenproduktivität

Naturland unterstützt im Projekt weiter die Umstellungsberatung, um den Kaffeeanbau weg von der Monokultur zu einem nachhaltigen, vielseitigen Mischanbau in Agroforstsystemen zu bringen. Dabei wird der Kaffee in Mischkultur mit Bäumen wie Bananen, Zitrus und andere Obstbäume, oder Nutzholzbäumen kultiviert. Das erhört die Flächenproduktivität der kleinen Betriebe. Die Bäuerinnen ernten nicht nur Kaffee, sondern auch Obst und andere Produkte wie Bau- und Brennholz, die dem Eigenkonsum dienen oder auf lokalen Märkten verkauft werden. Das trägt zur Ernährungssicherung bei und schafft zusätzliches Einkommen. Die Vielfalt an Pflanzen und Bäumen trägt zum Bodenschutz bei, erhöht die Bodenfruchtbarkeit durch vermehrte Humusbildung, verringert die Bodenerosion und speichert Nährstoffe und Wasser besser im Boden. So ausgeklügelte Anbausysteme verringern auch den Schädlings- und Krankheitsdruck und diese vielseitigen Leistungen sind in Zeiten von Klimaextremen immer wichtiger. Eine weitere Herausforderung in der Umstellung auf ökologischen Anbau ist die Kontrolle der Kaffeewanze, die die Kaffeekirschen mit einem Bakterium infiziert. Das hat nicht nur zur Folge, dass die Ernteerträge sinken, sondern eine einzige schlechte Bohne kann später einer ganzen Charge Kaffee die Qualität rauben. COCOCA und ihre Bauern experimentieren gemeinsam mit fachlicher Unterstützung von Naturland mit verschiedenen Pflanzenauszügen, um die Kaffeewanze in Schach zu halten.
Die neu hinzugekommene wissenschaftliche Begleitung und Beratung des Projekts ist ein großes Plus. Bislang liegen nur wenig umfassende wissenschaftliche Forschungen vor, die diese generellen Aussagen mit konkreten empirischen Daten belegen könnten. Hierzu bietet die wissenschaftliche Begleitforschung eine einmalige Chance, da der Aufbau eines Agroforstsystems von Beginn an wissenschaftlich evaluiert werden kann. Auch die Forschungsinhalte der Universität sind viel versprechend und für COCOCA, die BäuerInnen und auch allgemein für Naturland nützlich. Es wird Forschung dahingehend betrieben, wie sich Kaffeeanbau in Agroforstsystemen auf die Bodenfruchtbarkeit, den Wasserhaushalt, den Schädlingsbefall und die Bauernfamilien auswirkt.
Dies ermöglicht auch Aussagen zu den Effekten eines solchen Projektes auf die Ernährungssicherheit der beteiligten Kleinbauernfamilien sowie die regionalökonomische Wertschöpfung und mögliche Sekundäreffekte. Darüber hinaus können die Naturland Anbauempfehlungen so auch erweitert und konsolidiert werden.

 

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