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Ökologische Aquakultur

Karpfen 350Der Karpfen stammt ursprünglich aus Asien. Die Römer brachten ihn nach Europa. Im Mittelalter wurde der Karpfen gezielt als Nahrungsquelle in Teichen gehalten. Er hat also schon eine lange Tradition in Europa.

Heute wird er regional gezüchtet und steht damit für kurze Transportwege. An seine Fütterung stellt er keine großen Ansprüche. Er kommt ohne tierischen Nahrungsquellen wie Fischmehl oder Fischöl aus und lässt sich mit anderen Fischen zusammen halten.

Diese Kombination aus geringem Input, gute Futterverwertung und naturnahen Teichanlagen macht den Karpfen - wie andere sogenannte Weißfische - zu einem ökologisch wertvollen Lebensmittel mit hochwertigen Inhaltsstoffen.

Der Karpfen ernährt sich omnivor (ein Allesfresser) und das zu einem Großteil durch die im Teich vorhandene Naturnahrung. In der Teichwirtschaft wird der Karpfen auch mit Getreide zugefüttert – im Frühjahr auch mit proteinreicher Nahrung wie beispielsweise Lupinen für die Konditionierung. In der ökologischen Fischzucht findet gut verfügbares Öko-Getreide, wie Triticale oder Roggen Verwendung. Der Öko-Karpfen unterstützt so die Ökologische Landwirtschaft.
In der sogenannten Polykultur, der Zucht mit anderen Fischarten verträgt sich der Karpfen prächtig mit Beifischen, wie Schleien, Zander, Hecht, Wels und Weißfischen, was die Artenvielfalt im Teich und die Produktvielfalt für den Teichwirt erhöht.

 

Teichanlagen sind ökologisch wertvolle Biotope

Die extensive Karpfenteichwirtschaft ist ein naturnahes Haltungssystem, in dem sich der Karpfen nicht wohler fühlen könnte. Karpfenteichlandschaften gehören zu unserem kulturellen und landschaftshistorischen Erbe. Vor allem aber bilden sie wichtige Naturschutzgebiete und Hotspots biologischer Artenvielfalt und dienen als Ersatzbiotope für verlorengegangene Auenlandschaften und andere Feuchtgebiete.

 

Klares Wasser für reinen Geschmack

Haeltern 250Immer noch haftet dem Karpfen das Image des gräten- und fettreichen, leicht modrigen Fischs an. Dies lässt sich jedoch durch die richtige Haltung und Verarbeitung leicht ausräumen.
Ein Karpfen nimmt seine Nahrung vom Teichboden im Schlamm auf, den er durchwühlt und filtert. Eine ausreichende Hälterung, d.h. Aufbewahrung im klaren Wasser vor dem Schlachten, reinigt den Karpfen und beseitigt einen unangenehmen Beigeschmack. Der Fettgehalt eines Karpfens kann zwischen 1% und 26% liegen und hängt hauptsächlich vom Proteinanteil des Futters ab. Untersuchungen des Landesamt für Landwirtschaft (LfL) in Starnberg zeigen, dass ein Fettgehalt unter 10 % im Filet (mit Haut) beim gebackenen Karpfen sehr gute sensorische Bewertungen der Konsumenten erhalten hat. Dieses Kriterium wird bei einer extensiven Zucht gemäß den Naturland Richtlinien eingehalten. Somit gehören die Karpfen in die Kategorie mittelfette Fische – im Gegensatz zu beispielsweise Lachs und Hering, mit einem Fettgehalt von mehr als 13,3% bzw. 15%.

Auch das mühsame Aussortieren der sehr feinen Gräten, während des Essens, ist dank des Grätenschneiders, Geschichte. Hier werden - nachdem das Filet von den groben Gräten (der Karkasse) gelöst ist - die feinen Gräten in so kleine Stücke geschnitten, dass sie beim Verzehr nicht mehr bemerkt werden. Somit lassen sich Köstlichkeiten wie frisches oder geräuchertes Karpfenfilet, Chips, Salate und mehr zubereiten.

 

Herausforderung Absatz

Damit die Umstellung auf ökologische Karpfenteichwirtschaft zum Erfolg wird, müssen die Mehrkosten durch ökologische Fütterung und die geringe Besatzdichte ausgeglichen werden können. Hier können Verarbeiter und Handel eine Schlüsselrolle einnehmen. Diese müssen bereit sein, für ein qualitatives und regionales Produkt mehr zu bezahlen und die Vorzüge der ökologischen Wirtschaftweise den Verbrauchern zu vermitteln. Dies kann z.B. durch Verköstigungen und Aufklärung am Point of Sales verfolgt werden.

Am Anfang jedoch steht der Teichwirt selbst und auch er ist angehalten den Mehrwert seiner Fische an die Abnehmer zu kommunizieren und Marketingmaterial zur Verfügung zu stellen. Auf der Suche nach neuen Absatzwegen schafft die Veredelung des Karpfens zu neuen modernen Produkten einen enormen Vorteil.
Mittlerweile hat auch die Spitzengastronomie den Karpfen für sich neu entdeckt und ist von der Qualität des Fisches überzeugt. Naturland Karpfen werden regelmäßig stark nachgefragt. Von wegen Karpfen ist nichts für Gourmets – es kommt eben auf die Zucht und die Verarbeitung an. Passt alles zusammen, kann der Karpfen in vielen Gegenden zu einer regionalen Delikatesse werden.