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Naturland Fair

Von der Entwicklungshilfe zur Bio-Manufaktur

Bevor Gudrun und Werner Baensch 1996 die Ölmühle Solling eröffneten, waren sie lange Jahre als Entwicklungshelfer in Asien und Südamerika tätig. Dadurch hatten sie engen Bezug zum Ursprung ihrer Rohstoffe und wussten aus eigener Erfahrung: Nur faire Handelsbeziehungen geben den Kleinbauern Perspektiven. So gesehen war es lediglich eine Frage der Zeit, die familiengeführte Bio-Manufaktur nach den Naturland Fair Richtlinien weiterzuentwickeln.

 

familiebaensch large 350Mit Bio-Raps- und Bio-Sonnenblumenöl fing die Geschichte der Ölmühle Solling an. Dreimal mussten Gudrun und Werner Baensch seither umziehen und erweitern, um genügend Raum zu haben für das inzwischen rund 100 Ölspezialitäten, Aufstriche, Mehle, Essige und Kosmetikprodukte umfassende Sortiment, einen Schaugarten und einen Mühlenladen auf dem Gelände. An den Grundpfeilern des Unternehmens, dessen Geschäftsführung seit 2014 von Sohn Sebastian Baensch verstärkt wird, hat sich dennoch nichts geändert. Nach wie vor prägen Nachhaltigkeit und soziale Fairness das Handeln, und es gilt das klare Credo: Klasse statt Masse. Aus erntefrischen, ökologisch angebauten Nüssen und Ölsaaten entstehen pro Tag etwa 800 Liter natives Öl. Das ist – verglichen mit anderen Ölmühlen – nicht besonders viel. Doch die aufwändige handwerkliche Herstellung mit Hilfe kleiner Spindelpressen wollen Gudrun, Werner und Sebastian Baensch um keinen Preis aufgeben. Denn nur so erzielen sie die mühlenfrische Premiumqualität, die sie zu kulinarischen Botschaftern für Slow Food gemacht und ihnen unter anderem den ANUGA Taste15 Award für das native Kokosöl mit Naturland Fair Zeichen eingebracht hat.

Kokosöl wird Naturland Fair

Das preisgekrönte Kokosöl ist das erste Produkt der Ölmühle Solling, das seit 2015 mit dem Naturland Fair Zeichen im Boffzener Mühlenladen und über Naturkost- und Feinkostgeschäfte, Bio-Versandhandel und Lieferdienste vertrieben wird. Das kommt nicht von ungefähr. Denn als Entwicklungshelfer waren Gudrun und Werner Baensch lange Jahre in Ländern, in denen die Kokosnuss traditionell eine wichtige Rolle für Ernährung und Handel spielt. Geblieben sind aus dieser Zeit viele gute Kontakte – insbesondere zur Kooperative Serendipol in Sri Lanka, zu der rund 1.300 Farmer gehören. Sie bewirtschaften ihre Plantagen ökologisch und ernten Kokosnüsse, die noch vor Ort mitsamt ihrer Samenhaut zu einem besonders hochwertigen und geschmacksintensiven Kokosöl in Naturland Qualität verarbeitet werden. So erzielen sie eine höhere Wertschöpfung und haben zugleich einen zuverlässigen Partner, der ihnen angemessene Preise zahlt.

Neben der Zusammenarbeit mit Serendipol fördert und begleitet die Ölmühle ökologische Anbauprojekte in der Region und weltweit. Dazu gehören auch Raps und Leinsamen aus dem Weserbergland. Immer verbunden ist damit das Ziel, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen zu verbessern und ihnen Zugang zu einem fairen und zukunftsfähigen Markt zu verschaffen. Das tut die Ölmühle auch mit dem Vertrieb des Olivenöls aus Palästina.

Olivennöl gibt Hoffnung
Für die palästinensischen Bauern im Westjordanland bildet der Olivenbaum nicht nur eine wichtige Lebensgrundlage, sondern ist zugleich Symbol für Frieden und Hoffnung. Canaan Fair Trade hat in der von Konflikten gezeichneten Region ein Projekt aufgebaut, das für Tausende von Bauern und deren Familien eine Zukunft schafft. Die Produktion von Bio-Olivenöl und der Verkauf über den Fairen Handel, waren ein wichtiger Schritt um die dortige Lebenssituation zu verbessern und zum Aufbau des Fair-Handelsunternehmens Canaan Fair Trade. Von der Olive bis zum fertigen Produkt - dem Öl in der Flasche finden die Prozesse vor Ort statt und sorgen so für eine hohe Wertschöpfung in Palästina. Kontrolliert werden sowohl die hohen Sozial und Fair Standards, als auch die ökologischen Richtlinien und mit dem Naturland Fair Zeichen ausgezeichnet.

Sesamöl aus Paraguay
In der Region Cordilera, im Herzen Paraguays, wurde die Kooperative Manduvirá ins Leben gerufen. Sie liefert die Naturland fair zertifizierten Sesamsaaten für die Öle Sesamöl geröstet und nativ, als auch für die Würzöle Garam Masala und Tandoori genauso wie für Sesammehl.
Die Faire Bezahlung ermöglicht den Öko-Bauern der Naturland Kooperative Planungssicherheit. Die Fairtradeprämie, die zusätzlich gezahlt wird, ermöglicht darüber hinaus Investitionen in Infrastruktur. Die Teilhaber der Kooperative entscheiden selbstständig über deren Verwendung. Manduvirá gewährt den Bauern und ihren Familien in der Region Cordillera Kredite für Ihre Betriebe. Zudem werden Zugang zu medizinischer Versorgung und Angebote im Bildungs- und Kulturbereich bereitgestellt.

Einsatz für Bildung und Kultur

Neben ihrem Engagement für die kleinbäuerliche Öko-Landwirtschaft setzt sich Familie Baensch auch für internationale Bildungs- und Kulturprojekte ein. So fördert sie beispielsweise seit Jahren den „Esperanza heißt Hoffnung“ e.V. aus Höxter, der in den ärmsten Gegenden Perus wertvolle Hilfe leistet, und die Menschenrechtsorganisation Target mit ihrer „Karawane der Hoffnung“ für Mädchen in Afrika. Auch die Integration junger Flüchtlinge in Deutschland gehört seit einer Weile dazu. Hier unterstützt die Ölmühle Solling das schulanaloge Bildungsangebot SchlaU!, das der Trägerkreis Junge Flüchtlinge e.V. in München ins Leben gerufen hat. Durch die Präsenz auf regionalen Veranstaltungen wie „Veganes Hannover“, das Angebot von Gesundheits- und Ernährungsseminaren und Gruppenführungen sowie durch den alljährlichen Tag der offenen Tür trägt die Ölmühle Solling ihre Überzeugung weiter: Ökologische Landwirtschaft ist für sie nicht nur der Weg zu besseren und genussvolleren Lebensmitteln, sondern auch der beste Garant dafür, dass künftige Generationen ein gutes Leben führen können.