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Naturland Fair

Im Land wo Milch und Honig fließen

Als der Kulturanthropologe Dr. Nasser Abufarha während eines Studienaufenthalts im nordamerikanischen Wisconsin zum ersten Mal mit dem Fairen Handel in Berührung kam, wusste er: Genau diese Idee musste er in seiner Heimat Palästina umsetzen, um den Menschen dort wieder neues Selbstwertgefühl und die Chance auf ein eigenbestimmtes Leben zu geben. So wurde er zum Gründer von Canaan Fair Trade und zum Hoffnungsbringer für das krisengebeutelte Land.

Kanaan wird in der Bibel als „Land, wo Milch und Honig fließen“ beschrieben. Fruchtbare Böden schenken den Menschen Palästinas seit vielen Generationen reiche Ernten. Im Westjordanland jedoch, das zusammen mit dem Gazastreifen die von Israel besetzten Gebiete bildet, fehlte lange Zeit der Markt für den Verkauf der Produkte. Meist war die Arbeit in Israel gerade für junge Menschen die einzige Chance, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In der Folge gaben viele Farmer auf und ließen ihre Olivenhaine, die rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen, brachliegen. Dr. Nasser Abufarha, der die außergewöhnliche Qualität des palästinensischen Olivenöls von klein auf kannte, wollte sich mit dieser Entwicklung nicht abfinden. Er glaubte weiter an die Wurzeln, die der Nahostkonflikt in seinem Land nur verschüttet hatte, und verhalf der traditionellen nachhaltigen Landwirtschaft in der benachteiligten Region zu neuem Leben.

Neuer Markt durch Fairen Handel

Durch die Gründung von Palestine Fair Trade Association (PFTA) und Canaan Fair Trade schuf er in der Nähe von Jenin zwei starke Partner, die sich seit 2005 gegenseitig befruchten und ergänzen: PFTA berät, schult und unterstützt die Kleinbauern insbesondere bei der Umstellung auf ökologischen Anbau. Canaan Fair Trade dagegen kümmert sich mit rund 40 Mitarbeitern um die Verarbeitung, Verpackung, Vermarktung und den Export ihrer Rohwaren und Fertigprodukte. Zunächst wurden für Olivenöl eigene Fair Standards entwickelt und ein Markt geschaffen, auf dem Canaan Fair Trade bis heute führend ist. Dann kamen nach und nach weitere Olivenprodukte, Aufstriche, getrocknete Tomaten, Kapern, Mandeln und landestypische Spezialitäten wie die Gewürzmischung Za´atar oder der geröstete grüne Weizen Freekeh hinzu. In Deutschland spielt die Fairhandelsgenossenschaft dwp aus Ravensburg eine besondere Rolle als Vertriebspartner. Auf ihr Bestreben hin sind zahlreiche Produkte nach den Naturland Fair Richtlinien zertifiziert worden. Dazu gehört neben Olivenöl, eingelegten Oliven und Tapenaden auch handgerollter Couscous, der in Palästina Maftoul genannt wird. Durch den Stellenwert, den Fair derzeit im Naturkosmetikbereich gewinnt, entwickeln sich neue Chancen für Canaan Fair Trade: Einige Hersteller nutzen die hochwertigen Oliven- und Mandelöle aus dem Westjordanland bereits für ihre Pflegeprodukte und lassen die Kleinbauern dadurch am florierenden Wachstumsmarkt teilhaben.

Frauen werden zu Unternehmerinnen

Der kosmetische Einsatz von Olivenöl hat in Palästina eine lange Geschichte: Schon seit dem 7. Jahrhundert werden daraus hochwertige Seifen hergestellt. Heute knüpfen Frauenkooperativen an die alte Tradition an und haben mit Hilfe von Canaan Fair Trade ökonomische Unabhängigkeit gewonnen. Dafür vergibt die palästinensische Fairhandelsorganisation Mikrokredite und profitiert umgekehrt vom ständigen Wachstum ihres Sortiments. Auch Za´atar, Maftoul und Freekeh sind Produkte, die aus der Idee und dem kulinarischen Wissen von Frauen hervorgegangen sind, die sich früher nie hätten vorstellen können, einmal einen so wichtigen Teil zum Familieneinkommen beizutragen. Die Förderung solcher Startups wäre nicht möglich ohne die finanziellen Spielräume, die der Faire Handel durch angemessene Preise und zusätzliche Fair Prämien erlaubt. Das gilt auch für die Stipendien, die jedes Jahr an Kinder aus Kleinbauernfamilien vergeben werden, oder für das „Trees for Life“ Programm, das 2006 ins Leben gerufen wurde. Fast 60.000 Olivenbäume wurden seither gepflanzt, um Jungbauern den Einstieg in den Ölmarkt zu ermöglichen, durch den Nahostkonflikt zerstörte Haine wiederaufzuforsten und eine wirtschaftliche Basis für die nächste Generation zu schaffen. 15 Jahre nach dem Setzen der Schösslinge werden sie die ersten Früchte ernten, verarbeiten und hoffentlich – wie ihre Eltern – über den Fairen Handel vermarkten können. Die Brücke zwischen alter Tradition und neuen Märkten ist auf jeden Fall gebaut.