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IFOAM EU-Kongress in Tallinn stellt Fahrplan für Umsetzung seiner Vision vor

IFOAM bubbles 350Vor zwei Jahren hat der europäische Dachverband der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft (IFOAM EU) seine „Organic Vision“ veröffentlicht. Darin wurde als Ziel festgelegt, dass bis 2030 die Hälfte der EU-Landwirtschaftsfläche ökologisch bewirtschaftet sein soll. Auf dem 11. Kongress der IFOAM EU, der von 5. Bis 6. September in Estlands Hauptstadt Tallinn stattfand, wurde nun ein Fahrplan vorgestellt, wie dieses Ziel zu erreichen sei.

Auf der Konferenz waren sich die Akteure der Öko- und Umweltbranche einig: Innovationen müssen vorangetrieben werden und die GAP muss diejenigen Landwirte fördern, die ökologisch oder umweltfreundlich wirtschaften. Das Potential des Öko-Landbaus sollte künftig zudem nicht nur in der GAP, sondern auch generell in der EU-Politik eine stärkere Rolle spielen.

Die Grundlage der Konferenz-Workshops bildete die Umsetzung der 2015 von der IFOAM EU veröffentlichten „Organic Vision 2030“. Sie beschreibt die Zukunftsvisionen einer Öko-Branche, die schon jetzt die Nische verlassen hat und zu einem expandierenden Markt geworden ist. „Bio“ gilt als Vorzeigemodel und steht für ein nachhaltiges, umweltbewusstes und gesundes Landwirtschaft- und Ernährungssystem. Ziel ist es, 50 Prozent der EU-Landwirtschaftsfläche bis 2030 ökologisch zu bewirtschaften.

Um diese Vision nun wahr werden zu lassen, hat die IFOAM EU auf dem Kongress eine Roadmap präsentiert, die sich in die drei Bereiche „Organic on Every Table“, „Improve – Inspire- Deliver“, „Fair Play – fair Pay“ gliedert.

Unter dem Bereich „Organic on Every Table“ (Bio für alle) werden Strategien und Maßnahmen zusammengefasst, Biolebensmittel breitflächig, unter anderem in privaten Haushalten und Kantinen, verfügbar zu machen, ökologische und agrarökologische Praktiken in der EU und der GAP in der Breite zu implementieren, die Produktionskapazität zu steigern und die positiven Leistungen des ökologischen Landbaus im Bewusstsein von Gesellschaft und Politik zu verankern.

Der Schwerpunkt „Improve – Inspire - Deliver“ (Verbessern – Inspirieren – Liefern) umfasst das Ziel, einen Wandel unserer Lebensmittel- und Landwirtschaftssysteme, sowie einen Paradigmenwechsel im Bildungssystem herbeizuführen. Es muss wieder eine Verbindung zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft geschaffen werden, so dass künftig Umwelt- und Sozialkriterien bei der Lebensmittelwahl eine entscheidende Rolle spielen. Außerdem müssen der Wissenstransfer und der Austausch zwischen und mit Öko-Bauerinnen und Bauern verbessert werden.

„Fair Play – Fair Pay“ (Faires Spiel – Faire Entlohnung) steht für mehr Transparenz und Fairness über die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittelproduktion. Die Erbringung von öffentlichen Gütern und eine nachhaltige Produktion müssen sich im Preis landwirtschaftlicher Erzeugnisse wiederspiegeln. Aber auch die Politik wird aufgefordert, den Wert von Öko-Lebensmitteln und deren Anbau zu honorieren, z.B. über Dünger- und Pestizidsteuern oder Prämien bei besonders nachhaltiger Bewirtschaftung. Die Öko-Branche soll zudem mehr Transparenz bei den Produktionsmethoden schaffen.

Diese Roadmap bildete auch die drei Workshop-Schwerpunkt, in denen Konzepte und Ideen zu zahlreichen Bio-Initiativen von privaten und politischen Organisationen gesammelt wurden, wie z. B. den Bio-Städten oder auch die Verbindung von Öko und Fair, wie sie bei Naturland umgesetzt wird. Diese Initiativen sollen den Fahrplan ausgestalten und als Inspiration für weitere Aktionen dienen. Kooperationen und Netzwerke innerhalb und mit der Lebensmittelbranche gelten als entscheidende Maßnahmen, um Bio zu stärken. Denn nur durch gemeinsame Anstrengungen wird es möglich sein die Organic Vision 2030 zu erreichen.

Mehr zur Organic Vision 2030, der Roadmap, sowie zu den Initiativen, die auch durch eigen Projekte ergänzt werden können, finden Sie hier.

Mehr Informationen zum 11th European Organic Congress finden Siehier.