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Ein Grünlandbetrieb für zwei Generationen

Wachsen oder weichen ist eine Frage, die sich viele kleine Landwirte heute stellen müssen. Sepp Grundbacher hat die Zukunft seines Naturland Betriebes anders geregelt: Statt den Bestand von 35 Kühen zu erhöhen, hat er eine Käserei als zweites Standbein aufgebaut. Dadurch können heute zwei Generationen von den Erträgen leben.

 

Das Anwesen der Familie Grundbacher liegt idyllisch im bayerischen Oberland zwischen Irschenberg und Miesbach. Vor der Tür blüht der üppige Kräutergarten, auf der weitläufigen Weide grasen die Milchkühe. Lange bevor Sepp Grundbacher überhaupt über eine Naturland Mitgliedschaft nachdachte, wandte er sich ab von der intensiven Bewirtschaftung des Grünlandes, verzichtete auf Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel und begann, seine Tiere möglichst homöopathisch zu behandeln. Nach diesem Konzept hat er den Hof mit Ehefrau Josefa jahrelang alleine geführt und damit seine siebenköpfige Familie ernährt. Inzwischen ist Sepp jun., der zweitälteste Sohn, bereits 27 und zusammen mit seiner Frau Theresa in die Landwirtschaft eingestiegen. Damit stellte sich für den Vater auf einmal die Frage, wie sich der Betrieb so gestalten lässt, dass er beiden Generationen dauerhaft ein vernünftiges Auskommen ermöglicht. Milchproduktion alleine ist dafür zu wenig.

Von der Milch zum eigenen Käse

Zusammen mit der versierten Käserin Vevi Fischer unternahm Sepp Grundbacher 2004 erstmals den Versuch, einen kleinen Teil der eigenen Milch zu Käse zu verarbeiten. Das Ergebnis war überzeugend, und in den folgenden Jahren stieg die Produktionsmenge stetig an. „Damals kam Naturland Fachberater Stephan Scholz noch mit seiner mobilen Käserei auf unseren Hof“, erzählt er. „Doch nach einiger Zeit wurde uns klar: Bei einer Milchmenge von nur 30.000 bis 50.000 Litern rechnet sich der Aufwand einfach nicht. Wenn wir auf wirtschaftliche Weise Käse herstellen wollen, müssen wir das Thema im größeren Stil angehen.“ Damit war der Startschuss für die heutige Obermooser Bio-Hofkäserei gefallen. Ermutigt von den positiven Rückmeldungen der Kunden und unterstützt durch den Verband für handwerkliche Milchverarbeitung VHM begann Sepp Grundbacher mit der Planung und Umsetzung. Gleichzeitig stellte er den Betrieb nach den Naturland Richtlinien um, damit er seine Produkte mit dem Verbandszeichen vermarkten konnte. Im Februar 2007 war es schließlich soweit: Die Zertifizierung war geschafft, und die neu errichteten Räumlichkeiten wurden eröffnet. Seither können dort 120.000 Liter Milch pro Jahr verarbeitet werden. Dabei handelt es sich um rund die Hälfte der Gesamtmilchmenge des Hofes.

Kunden schätzen die Transparenz

Inzwischen ist die Produktpalette auf elf Hart- und Weichkäsesorten angewachsen. Die Produktion dieser Menge bewerkstelligt Sepp Grundbacher alleine, nur beim Konfektionieren und Verpacken wird er von den Familienmitgliedern unterstützt. Regionale Lebensmittelläden, Metzgereien oder Gasthöfe sind seine Hauptvertriebsschiene. Wichtig ist aber auch die Direktvermarktung im eigenen Hofladen, der durch ein Fenster Einblick in die Käseküche gewährt. In der warmen Jahreszeit kaufen die Kunden zwei Sorten ganz besonders gerne: Dazu gehört der Irschenberger Almerer, ein nussiger Schnittkäse mit Rotschmiere, der 2014 bei der Käseprüfung des VHM den Publikumspreis als bester Hofkäse Bayerns gewonnen hat. Das andere ist der Josefi-Kas, eine Art Appenzeller aus Rohmilch. Im Winter ist dagegen Hauptsaison für Weichkäse wie den Oberlandler mit mediterranen Kräutern oder den Obermooser Brie. Neben hofeigenen Käsesorten bietet Familie Grundbacher auch andere Spezialitäten aus eigener Herstellung an. Schwiegertochter Theresa beispielsweise rührt aus saisonalen Früchten Marmeladen und Gelees. „Gerade dieses Hausgemachte ist es, was bei unseren Kunden so gut ankommt“, meint Sepp Grundbacher. „Kürzere Wege oder mehr Transparenz kann man gar nicht bieten.“ Beliebt sind auch die Wild- und Heilkräuterführungen, die Kräuterpädagogin Josefa Grundmacher für interessierte Gruppen durchführt.

Das Zukunftskonzept bewährt sich

Wenn Sepp Grundbacher heute auf die Entwicklungen der letzten Jahre zurückblickt, ist er sehr zufrieden. „Die Grundidee ist aufgegangen“, findet er. „Die Landwirtschaft ist und bleibt unser Kerngeschäft, und durch die Käserei haben wir Produkte, die uns unabhängig vom schwankenden Milchpreis machen. Genau so soll es sein.“ Das endgültige Ziel liegt trotzdem noch in einiger Ferne. Mittelfristig sollen bis zu 150.000 Liter Milch pro Jahr verarbeitet werden. „Mehr ist ohne Investitionen nicht drin, und das ist ja auch gar nicht nötig“, erklärt der Käsemeister. „Schließlich will ich die Käserei in etwa zehn Jahren mit gutem Gewissen übergeben und mich zur Ruhe setzen.“ Ob eines seiner Kinder diese Aufgabe übernehmen wird, ist noch unklar. Sohn Sepp jun. ist mit den Landwirtschaft bereits ausgelastet, und die anderen sollen für sich beurteilen, ob sie in der Milchverarbeitung ihre Berufung sehen. „Ich finde es ausgesprochen wichtig, über die Zukunft selbst zu entscheiden“, betont er. „Das wird mir umso mehr bewusst, weil ich mich heute als Unternehmer fühlen kann und nicht länger als Lieferant, der von staatlichen Programmen und Zuschüssen abhängig ist.“