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Bio auf besonders hohem Niveau


Tanja Luhn-Ullbrich bedient mit ihrem Mann Thorsten Ullbrich eine anspruchsvolle Zielgruppe: In erster Linie sind es Hersteller ökologischer Säuglings- und Kindernahrung, die sie mit streng kontrolliertem Bio-Gemüse versorgen. Seit 2010 arbeitet das Lüneburger Familienunternehmen mit Naturland Bauern zusammen, die inzwischen rund 10 Prozent der benötigten Rohstoffe erzeugen. Die beiden Geschäftsführer bringen Angebot und Nachfrage in Einklang und beteiligen sich aktiv am Anbau.

Babynahrung ist eines der sensibelsten Lebensmittel überhaupt. Kaum ein Bereich wird derart streng auf Rückstände geprüft. Was für Säuglinge und Kleinkinder auf den Markt kommt, muss garantiert frei von Schwermetallen, Nitrat und anderen Schadstoffen sein. Um das zu gewährleisten, verlässt das Geschäftsführer-Duo häufig den Schreibtisch und hat „immer einen Fuß auf dem Feld“, wie Tanja Ullbrich es nennt. Für sie ist diese Nähe zu den Bauern ein Schritt zurück zu den eigenen Wurzeln. Denn sie kommt aus einer Familie, in der seit drei Generationen Gemüse angebaut und vertrieben wird. „Mein Großvater hat noch konventionell gearbeitet, aber schon mein Vater stellte den eigenen Betrieb damals um“, erzählt sie. „Ein echter Bio-Vermarkter wurden wir dann im Jahr 1990, als die Ökohof Gemüsehandel GmbH gegründet wurde und sich auf Öko-Rohstoffe für die weiterverarbeitende Industrie spezialisierte.“ Damit stieß Familie Luhn auf das rege Interesse der Babynahrungshersteller, die eine besonders hohe und zuverlässige Öko-Qualität suchten und in ihrer gläsernen Wertschöpfungskette fanden. „Bei den Landwirten, mit denen wir meist schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten, sind immer komplette Felder für uns reserviert“, erklärt Tanja Luhn-Ullbrich. „Jedes davon wird zum Ursprung einer Charge, die wir mit hohem analytischen Aufwand untersuchen und bis zum Samenkorn zurückverfolgen können.“

Immer ein Fuß auf dem Feld
Für das Ökohof Team beginnt das Erntejahr zunächst mit intensiven Gesprächen. Da wird eruiert, welche Sorten und Mengen die Kunden für ihre Produkte brauchen. Und es wird mit den Landwirten überlegt, welche Flächen und Preise dafür angemessen sind. Die Hauptkulturen, die nachgefragt werden, sind in der Regel Möhren, Sellerie, Blumenkohl, Fenchel, Bohnen und Kartoffeln. Von Naturland Bauern kommen vor allem Zwiebeln, Pastinaken, Rote Bete und Lauch hinzu. Das benötigte Saatgut besorgen Tanja Luhn-Ullbrich und Thorsten Ullbrich grundsätzlich selbst. Denn sie müssen bei ihren Kunden den Nachweis erbringen, dass es sich um keine CMS-Gemüsesorten handelt, die per Zellfusionstechnik gezüchtet wurden. Zwar verbieten die Öko-Verbände Naturland, Bioland und Demeter das Verfahren, weil die Übertragung von Erbinformationen zwischen verschiedenen Pflanzen nicht mit den Prinzipien des Öko-Landbaus vereinbar ist. Die EU-Öko-Verordnung ist in diesem Punkt jedoch deutlich weniger streng, handelt es sich doch nicht um Gentechnik im eigentlichen Sinn. Auch wenn das Saatgut ausgebracht ist, ist das Ehepaar immer wieder vor Ort bei den Bauern, um den Wachstumsfortschritt bis zur Ernte zu begleiten. „Pro Jahr fahren wir zwischen 11.000 und 13.000 Tonnen Bio-Gemüse ein, das wir vor allem im gefrorenen Zustand vermarkten“, erklärt Tanja Luhn-Ullbrich. „Das Frosten können wir mit insgesamt sechs Mitarbeitern allerdings nicht selber übernehmen. Sondern wir arbeiten dazu mit Vertragspartnern zusammen, die unsere hohen Qualitätsansprüche erfüllen – und natürlich die der Kunden.“ Zu denen gehören neben Babynahrungsherstellern auch Naturland Partner wie Frosta oder Wagner Pizza.

Planungssicherheit für Bauern
Das Geschäft mit Bio-Gemüse für die weiterverarbeitende Industrie hat sich von 1990 bis heute stabil entwickelt. Allerdings spüren Tanja Luhn-Ullbrich und Thorsten Ullbrich die deutliche gestiegene Nachfrage im Frischebereich von Naturkostläden, Bio-Supermärkten und Lebensmitteleinzelhandel. „Für Bauern ist es inzwischen oft attraktiver, den Groß- und Einzelhandel zu beliefern, weil sie hier bessere Preise erzielen können“, erklärt die Geschäftsführerin. „Dafür können sie mit uns genau planen und den benötigten Aufwand einschätzen. Das erleichtert die Abläufe erheblich und gibt ökonomische Sicherheit.“ Außerdem – und auch das ist ein entscheidender Vorteil – kommt es bei den Ökohof Kunden weniger auf die perfekte Optik an. Sondern es geht vielmehr um Qualitätskriterien wie Geschmack, Nährwert und natürlich um absolute Schadstofffreiheit. Viele ihrer Bio-Bauern kennt sie schon seit Jahren, und darauf ist Tanja Luhn-Ullbrich sehr stolz. Gleichzeitig freut sie sich über die steigende Umstellungsbereitschaft, die den Pool der potenziellen Anbaupartner weiter wachsen lässt. „Erfahrung im Gemüseanbau ist uns ein wichtiges Kriterium bei der Zusammenarbeit“, meint sie. „Aber natürlich sollten die Anbauflächen auch eine gewisse Größe haben, denn wir müssen ja jede Charge – und damit die Ernte jedes Feldes – aufwändigen analytischen Untersuchungen unterziehen. Der zeitliche und finanzielle Aufwand würde sonst viel zu groß werden.“

Mit Obst zu neuen Zielgruppen
Klein sind dagegen die Betriebe, mit denen sie in Polen zusammenarbeiten. Viele von ihnen haben schon immer traditionell gewirtschaftet und dabei kaum Spritz- und Düngemittel eingesetzt. Seitdem Tanja Luhn-Ullbrich und Thorsten Ullbrich in Lublin ihr Partnerunternehmen Bio Berry gegründet haben, ist eine Agrartechnikerin vor Ort, die interessierte Landwirte bei der Öko-Umstellung betreut und berät. Auf diese Weise ist die Zahl der Anbaupartner auf mehr als 300 Erzeuger gewachsen und ermöglicht pro Jahr eine Erntemenge von rund 3.000 Tonnen Obst. Dazu gehören Beerensorten wie Himbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Blaubeeren, aber auch Äpfel, Pflaumen, Kirschen und Rhabarber. Im Ganzen, halbiert oder geschnitten, als Püree oder Konzentrat, gekühlt oder gefroren: Den Wünschen der Kunden sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. Babygläschen entstehen daraus ebenso wie Fruchtjoghurt, Marmelade oder Müsli. Ein wichtiger Abnehmer ist inzwischen auch die Ökoservice GmbH, die von Bio Berry die Beeren für das Tiefkühlsortiment verschiedener deutscher Lebensmitteldiscounter bezieht. In Kürze soll aber auch eine Produktlinie unter der Eigenmarke Bio Berry auf den Markt kommen. „Wir haben gerade die Entwicklungen für leckere Smoothie Mischungen abgeschlossen und starten in wenigen Tagen den ersten Produktionslauf“, verrät Thorsten Ullbrich. „Die meisten Inhaltsstoffe, die wir dafür verwenden, sind schon jetzt in Naturland Qualität. Ab 2019 sollen auch aber auch unsere Smoothies zertifiziert sein und das Naturland Zeichen tragen.“