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Soziales Engagement trägt Früchte

Jetzt ist Pflanzzeit in Coesfeld. Die Plantage der Werkstätten Haus Hall wird von 10 auf über 16 Hektar erweitert. Wo gerade noch Gründüngung den Boden fruchtbar machte, sollen bald vor allem Holunder und Beerensträucher den wachsenden Rohstoffbedarf decken. Denn die Marke BioPur zieht seit ihrer Einführung 2012 immer größere Kreise im regionalen Handel.

Die Marienburg ist weit über Coesfeld hinaus bekannt. „Da gibt´s guten Saft“, heißt es. Aber auch: „Da arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen.“ Insgesamt 30 haben auf der Obstplantage und in der nur 100 Meter entfernten Mosterei eine Aufgabe gefunden, die zu ihren Fähigkeiten passt. Während sich die einen um Pflanzen, Pflegen oder Ernten kümmern, arbeiten die anderen an der Presse, sind für das Abfüllen zuständig, prüfen Chargennummern oder kümmern sich um eine reibungslose Logistik. „Bei uns sind vor allem Menschen mit geistigen Behinderungen tätig“, erklärt Theo Heenen, der die Werkstätten in Coesfeld – und damit einen von fünf Standorten der Werkstätten Haus Hall im westlichen Münsterland – leitet. Ab Mitte Dezember, wenn die letzten Pflegearbeiten beendet sind, verstärkt das Plantagenteam die Verpackungsabteilung, um sich dann spätestens im März wieder Obstbäumen, Beerensträuchern und Rhabarberstauden zu widmen.

Öko als kirchlicher Auftrag
Für eine kirchliche Einrichtung ist der verantwortungsbewusste Umgang mit der Schöpfung fast eine Verpflichtung. Insofern wurden die Plantagen, die bereits seit 30 Jahren zur bischöflichen Stiftung Haus Hall gehören, immer schon naturnah bestellt. 1985 begann man, die Ernte in den Werkstätten zu Saft und später auch zu Fruchtaufstrichen zu verarbeiten. Die Entscheidung, sich nach den Naturland Richtlinien zertifizieren zu lassen, fiel jedoch erst viel später und nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. „Wenn wir am Markt Erfolg haben wollen, müssen wir uns auf unsere Alleinstellungsmerkmale konzentrieren“, meint Theo Heenen. „Deshalb ist es uns wichtig, unseren Mehrwert mit dem Naturland Zeichen zu zeigen: das ökologische und soziale Engagement ebenso wie den besonders hohen Qualitätsanspruch.“ Die Umstellung der Plantage war keine große Hürde, musste doch lediglich auf Pflanzenschutzmittel, die vorher noch üblich waren, verzichtet und eine genaue Dokumentation eingeführt werden. Weitaus schwieriger war die Aufgabe, die Verarbeitung nach den Naturland Richtlinien zu gestalten, geeignete Zutaten wie beispielsweise zertifizierten Zucker zu bekommen, passende Rezepturen zu entwickeln, das Ergebnis zu prüfen und neue Verfahrenswege zu finden. „Apfelsaft zum Beispiel gibt es seither nur noch naturtrüb, denn die Klärung mit konventionellen Mitteln ist bei Öko-Produkten nicht erlaubt.“

Regionalität kommt an
Parallel zur Umstellung von Anbau und Verarbeitung wurde die Marke BioPur entwickelt und der Marktstart vorbereitet. 2012 war es schließlich soweit: Die erste Ernte stand als Saft, Nektar, Gelee, Konfitüre und Fruchtaufstrich in den Warenregalen des Coesfelder Werkstattladens, aber zunehmend auch im regionalen Einzelhandel, bei Hof- und Naturkostläden. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist groß, handelt es sich doch um ein regionales Sortiment, das geschmacklich durchweg überzeugt und auch mit außergewöhnlichen Fruchtkombinationen überrascht. Mit dem Absatz ist entsprechend der Rohstoffbedarf in der Mosterei stark gewachsen. Was die eigene Plantage nicht mehr decken kann, wird zum einen über die Marktgesellschaft der Naturland Betriebe, zum anderen auch über direkte Lieferpartnerschaften ausgeglichen. „Äpfel sind eigentlich nie ein Problem, da gibt es viele zertifizierte Bauern in der Region“, erzählt Theo Heenen. „Bei Himbeeren zum Beispiel ist das schon schwieriger.“ Insofern kam es gerade recht, dass die Stadt die benachbarten sechseinhalb Hektar nicht mehr als Optionsfläche benötigt. Die Obstbäume und Beerensträucher, die dort nun gepflanzt werden können, werden ab 2016 die Erntemenge erheblich steigern.

Wachsen mit Maß und Ziel
„Bei all diesen Entwicklungen wollen wir allerdings nicht aus den Augen verlieren, was wir sind und immer bleiben wollen: ein besonderer Betrieb, in dem auf handwerkliche Weise besondere Produkte entstehen“, gibt Theo Heenen zu bedenken. Insofern streben die Werkstätten mit BioPur kein Wachstum um jeden Preis an, sondern eine Steigerung, die den hohen Qualitätsmaßstäben auch weiterhin gerecht wird. Die Mosterei ist dafür bereits bestens gerüstet: Presse und Abfüllanlage beruhen auf moderner Technik, und die Tanks zur Zwischenlagerung fassen rund 60.000 Liter Fruchtsaft. Derzeit entsteht eine neue Küche zur Zubereitung von Fruchtaufstrichen, in der zu Beginn des neuen Jahres weitere fünf Menschen mit Behinderungen und ein Ausbilder ihre Arbeit aufnehmen werden.

Näheres erfahren Sie unter www.werkstaetten-haushall.de