Partner

Eigentlich wollte der Bruder das elterliche Weingut in Rheinhessen übernehmen – bis er sich anders entschied. Für Axel Seck, der damals Informatik und BWL studierte, änderte sich der Lebensweg damit spontan. Nach dem Motto „learning by doing“ tauschte er 1998 Hörsaal gegen Weinberg und schlug ganz neue Wege ein: Unter seiner Führung wurde das kleine Familienunternehmen zum Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau und zum ersten Naturland Fair Partner im Weinbau.

Seck Familie01klein


„Mein Vater hatte schon die ersten Weichen gestellt und mit der Begrünung unserer Rebgassen begonnen“, erinnert sich Axel Seck. „Damals war er allerdings noch skeptisch, ob die Koexistenz von Beikräutern und Weinstöcken in der Praxis wirklich funktioniert.“ Weinbau hat in Dolgesheim zwar mehr als 1.200 Jahre Tradition. Die Abkehr von Herbiziden und die Umstellung auf natürliche Pflanzenschutzmaßnahmen wie Backpulver, Kupfer und Schwefel oder die rein handwerkliche Bodenbearbeitung mit der Hacke sind allerdings Methoden, die dort längst in Vergessenheit geraten waren. Auch an der Weinbauschule, wo Axel Seck seine Ausbildung machte, war Bio ein Fremdwort. Heute, fast 16 Jahre später, gibt es dort zwar einen Unterrichtsblock Öko-Weinbau – doch die meisten jungen Leute gehen am Ende doch wieder in die konventionelle Richtung. In seinen Anfängen suchte sich Axel Seck daher Kollegen, die bereits Erfahrung in ökologischem Anbau und Kelterei gesammelt hatten, und verfolgte sein Ziel unbeirrt weiter. „Drei Jahre nach Beginn der Umstellung konnten wir den ersten Öko-Jahrgang abfüllen und mit dem Naturland Zeichen vermarkten“, erzählt er. „Als dann die freiwillige Naturland Fair Zertifizierung eingeführt wurde, war für uns alle klar: Das ist die logische Fortsetzung, zumal wir als Familienbetrieb einige der geforderten Kriterien aus dem Stand erfüllen konnten.“

Seck WeingutWeinbau wird Naturland Fair

Vieles, was größere Unternehmen erst Schritt für Schritt verinnerlichen müssen, gehört auf dem Weingut Seck längst zum Alltag. Neben Praktikanten, einem Auszubildenden und zwei bis drei Saisonkräften sind zwei feste Mitarbeiter im Betrieb beschäftigt, bei allen anderen handelt es sich um Familienmitglieder. Da sind faire Umgangsformen, partnerschaftliche Zusammenarbeit und konstruktive Verbesserungsvorschläge quasi selbstverständlich. Auch der Lieferantenkreis ist in einem Weinbaubetrieb recht klein, und langfristige Handelsbeziehungen innerhalb der Region sind im Interesse gleichbleibender Qualität immer das Ziel. Wenn in einem knappen Erntejahr die eigenen Trauben mal nicht ausreichen, kann Axel Seck die Lücke über einen Öko-Winzer aus dem Nachbardorf decken. Insgesamt hat die Naturland Fair Zertifizierung zwar mehr „Papierkram“, aber keine unüberwindbaren Herausforderungen mit sich gebracht. Natürlich kostet es Zeit, die eigene Unternehmensphilosophie ausführlich zu Papier zu bringen. Für Axel Seck war dies aber eine durchaus positive Erfahrung: „Man sieht auf einmal, was man schon alles tut und wo man noch besser werden kann.“ Da die Naturland Fair Richtlinien ökologisches und soziales Engagement vorschreiben, entstand zum Beispiel die Idee, den Verkauf des Seck Pur mit sozialem Engagement zu verbinden. Seither geht von jeder verkauften Flasche ein Euro an ein Kinderheim mit angegliederter Schule und Selbstversorger-Landwirtschaft, das der Juntos e.V. in der Nähe der chilenischen Stadt San Pedro betreibt. Auch das Qualitätssicherungssystem, das in kleinen Familienbetrieben oft eher stiefmütterlich geführt wird, wurde grundlegend überarbeitet und seither noch konsequenter in die Tat umgesetzt.

Seck FlaschenEine Frage der Konsequenz

Auch wenn er der erste Winzer mit Naturland Fair Zertifizierung ist und sein gesammeltes Wissen heute als Sprecher der Naturland Fachversammlung Wein weitergibt: Als Pionier sieht sich Axel Seck eigentlich nicht. Eher als jemand, der andere Menschen zum Mitmachen inspirieren möchte und dem halbherzige Lösungen ein Dorn im Auge sind. „Richtig ärgern kann ich mich über Initiativen, die unter dem Deckmantel des nachhaltigen Engagements eigentlich nichts anderes zu bieten haben als Greenwashing“, meint der Winzermeister. „Das hat nichts mit der ökologischen und sozialen Konsequenz zu tun, für die das Naturland und das Naturland Fair Zeichen stehen.“ Ob Fair bei Wein tatsächlich schon ein Kaufkriterium ist? „Sicher noch nicht so sehr wie Öko“, räumt er ein. „Aber es wächst auf jeden Fall das Bewusstsein der Verbraucher, dass faire Handelsbeziehungen auch für unsere heimische Landwirtschaft überlebenswichtig sind.“ Um diesen Perspektivenwechsel zu fördern, wurde das Weingut vor einigen Jahren um Vermarktungs- und Veranstaltungsräume erweitert, wo nun – zusätzlich zu Weinbergsrundfahrten und Führungen – regelmäßig Weinpräsentationen, Verkostungen und Vernissagen stattfinden.


Wein wächst langsam

Wie schon Axel Seck, wachsen auch seine Kinder Alicia, Jakob und Georg mit dem Weinbau auf. Erst kürzlich war der Älteste dabei, um das Familienunternehmen zum ersten Mal auf dem Münchner Heldenmarkt zu präsentieren. „Gerade in Süddeutschland müssen wir noch Aufklärungsarbeit leisten, denn hier sind die Leute doch sehr am österreichischen und italienischen Weinangebot orientiert“, erklärt Axel Seck. „Schön wäre außerdem, wenn wir Fachhandel und Gastronomie mehr für unsere Weine begeistern könnten, denn da gibt es schon noch Vermarktungspotenzial.“ Ansonsten ist der Winzermeister zufrieden mit der Entwicklung und zuversichtlich, dass öko + fairer Wein langsam, aber stetig an Marktbedeutung gewinnen wird. Im Mai erwartet er Besuch von einem Weltladen, der die Seck Weine kennenlernen möchte. So öffnet die Naturland Fair Zertifizierung auf einmal den Weg zu ganz neuen Zielgruppen.

 Biographie Seck

Weitere Informationen unter www.weingut-seck.de