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Starke Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Öko-Landbaus. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie gehen ihren Weg mit sehr viel Idealismus und lassen sich von ihren Zielen auch durch anfängliche Rückschläge niemals abbringen. Zu diesen erfolgreichen Pionierinnen gehört Gudrun Baensch, die gemeinsam mit ihrem Mann Werner 1996 die Ölmühle Solling gründete. Die Idee dazu entstand während eines Auslandseinsatzes im fernen China.


 Baensch SriLanka„Wenn ich so zurückdenke, muss ich sagen: Wir waren schon ziemlich mutig“, meint Gudrun Baensch. „Mit zwei kleinen Kindern im Gepäck kehrten wir aus dem Ausland zurück in unsere Heimat und machten uns ohne finanzielle Sicherheit selbständig auf einem völlig neuen Gebiet.“ Sohn Sebastian kam bereits in der Dominikanischen Republik zur Welt, wo das Ehepaar fünf Jahre lang Kakaobauern bei der Umstellung auf ökologischen Anbau und der Verbesserung ihrer Rohstoffqualität unterstützte. Als sie nach kurzem Zwischenstopp daheim für zweieinhalb Jahre nach China gingen, war auch Tochter Sarah schon mit dabei. Doch irgendwann wurde klar: Die Kinder sollten ihre Wurzeln kennen lernen und in Deutschland zur Schule gehen. Das hieß jedoch auch, die spannende Arbeit in der Entwicklungshilfe zu beenden und die Weichen zu stellen für ein ganz neues Kapitel. So warfen Gudrun und Werner Baensch das in die Waagschale, was sie dafür zu bieten hatten: Er das Studium als Lebensmitteltechnologe und das entsprechende Fachwissen. Sie die organisatorische Begabung und die Flexibilität, die ihren Werdegang seit jeher bestimmten. „Schon früher, als ich noch im Freizeit- und Behindertensport unterrichtet habe, konnte ich mir niemals ein Angestelltenverhältnis vorstellen“, erzählt Gudrun Baensch. „Ich wollte immer schon selbständig sein, eigene Entscheidungen treffen und auf faire Weise mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Das alles konnte ich nur mit einem eigenen Betrieb verwirklichen.“

Baench ÖlNeustart mit Hand und Fuß

Der erste Impuls für die Neuorientierung kam im chinesischen Berufsausbildungszentrum, in dem sich das Ehepaar damals engagierte. Dort stand unter anderem eine Ölpresse, an der junge Lehrlinge geschult wurden. „Diese manuelle Art der Ölherstellung hat uns beide begeistert“, erinnert sich Gudrun Baensch. „Genau das wollten wir zu Hause in die Tat umsetzen, bevorzugt mit regionalen Rohstoffen und vor allem in zertifizierter Bio-Qualität.“ Noch während die Idee heranreifte und die Suche nach dem passenden Standort abgeschlossen war, fiel die Entscheidung, Naturland in den Prozess einzubeziehen. Denn der Öko-Verband erleichterte zum einen die Suche nach den passenden Rohstoffpartnern für heimische Ölsaaten, Nüsse und Kerne. Zum anderen erlaubte er durch seine internationale Ausrichtung die Einbindung jener Kleinbauern, zu denen die Öko-Pioniere während ihrer Zeit als Entwicklungshelfer bereits gute und vertrauensvolle Kontakte aufgebaut hatten. „Noch heute reisen wir alle zwei Jahre zu Serendipol nach Sri Lanka. Die Kooperative, zu der 280 Kleinbauernfamilien gehören, baut für uns Kokosnüsse an und arbeitet inzwischen auch nach den Naturland Richtlinien“, erzählt Gudrun Baensch. „Durch die enge Zusammenarbeit haben wir heute eine besondere Kompetenz in der Herstellung von Kokosölen, die gerade so sehr am Markt gefragt sind. Mit unserem nativen Kokosöl konnten wir sogar den ANUGA Taste2015 Award gewinnen.“

Baensch BiofachFair als Teil der Philosophie
Das preisgekrönte Produkt ist das erste der Ölmühle Solling, das 2015 nach den Naturland Fair Richtlinien zertifiziert wurde. Für Gudrun Baensch war diese Entwicklung nur eine Frage der Zeit. „Wenn man einmal so eng mit Bauern zusammengearbeitet hat, kennt man die Herausforderungen, vor denen die stehen, und hat ein ganz anderes Verständnis für ihre Bedürfnisse. Partnerschaftliche Zusammenarbeit, faire Preisgestaltung und gemeinsame Qualitätssicherung sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein.“ Diese Einstellung teilen auch ihre Kinder Sebastian und Sarah Baensch. Während der Sohn bereits im Jahr 2014 in die Geschäftsführung eingestiegen ist, wird die Tochter noch ihr betriebswirtschaftliches Studium abschließen und dann ebenfalls diesen Weg einschlagen. Durch die neue Generation verändert sich der Blickwinkel für die Bedürfnisse des Familienbetriebes und des Marktes. Das bringt natürlich auch mal Reibung mit sich, wie die Mutter eingesteht, hat aber vor allem positive Effekte. „Frischer Wind in Kommunikation und Vermarktung ist für uns manchmal gewöhnungsbedürftig, aber gleichzeitig bereichernd“, meint sie. „Und vor allem ist es schön zu sehen, dass unser Lebenswerk mitsamt seiner besonderen Philosophie weiterleben und im nachhaltigen Sinne wachsen wird.“ Wie die Eltern, legen auch die Kinder größten Wert auf besondere Öko-Qualität und Fairness gegenüber allen, die Teil der handwerklichen Herstellungskette sind. Dass sie dabei neue Partner einbinden und andere Wege zum Ziel finden, kann für die Zukunft der Ölmühle Solling nur förderlich sein.


Gelungener Generationswechsel
Sohn und Tochter sind in den Familienbetrieb hineingewachsen, der Generationswechsel ist bestens vorbereitet, und so langsam werden sich die Gründer aus dem operativen Geschäft der Ölmühle Solling „herausschleichen“. Dass sie einmal ein 60 Mitarbeiter starkes und gut aufgestelltes Unternehmen in die Hände ihrer beiden Kinder legen würden, hätten sie sich in den Anfängen nicht träumen lassen – und viele andere, die den Weg damals begleitet haben, vermutlich auch nicht. "Ich war immer optimistisch, selbst als 2007 ein Brand in Büro und Laden ausbrach“, erzählt Gudrun Baensch. „Denn selbst dieses furchtbare Ereignis hat sich im Nachhinein als gute Wendung herausgestellt: Wir waren schließlich gezwungen, mit unserer kleinen Manufaktur noch schneller in größere Räumlichkeiten umzuziehen und hatten endlich unseren langersehnten Durchbruch als qualitätsbewusster Spezialanbieter am Öko-Markt.“

Baensch Biographie

Weitere Informationen unter www.oelmuehle-solling.de