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Experten für hochprozentige Handwerksqualität

Der Knolpershof aus Neuravensburg war lange Jahre ein klassischer Milchviehbetrieb, in dem Gebhard Gauß mithalf. 1984 kaufte er den Betrieb und erwarb das Brennrecht gleich dazu. In weiser Voraussicht: Sein Sohn Rainer Gauß hat Landwirtschaft und Schnapsbrennerei inzwischen zu einem stimmigen Gesamtkonzept verwoben, dessen zahlreiche Erzeugnisse im Hofladen und im 2014 eröffneten „Brennerwirt“ auf begeisterte Kunden und Gäste stoßen.

„Um die Ernte unserer Streuobstwiesen verarbeiten zu können, baute mein Vater 1990 eine eigene Brennerei auf dem Hof“, erzählt Rainer Gauß. „Aber durch das so genannte Abfindungsbrennrecht durfte er nur bis zu 300 Liter pro Jahr herstellen.“ So entstanden zunächst im kleinen Stil die ersten Obstler, Korn- und Kräuterschnäpse. Als Gebhard Gauß 2009 schwer erkrankte und schließlich starb, musste Rainer Gauß sich entscheiden: Sollte er den kleinen Betrieb verkaufen oder weiterbetreiben? Reichlich Mut kostete ihn der Schritt, seine Selbständigkeit als Kfz-Meister aufzugeben und noch einmal ganz von vorne anzufangen. „Der Knolpershof bot mit seinen knapp vier Hektar damals zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. „Eine Fortsetzung konnte also nur funktionieren, wenn wir das Konzept von Grund auf überarbeiteten.“ Darum ließ er sich zur Staatlichen Fachkraft für Brennereiwesen und Landwirtschaft ausbilden und plante, eine hochmoderne Verschlussbrennerei mit Maischebereitung und Schaubetrieb zu errichten. In Anbetracht der hohen behördlichen Auflagen wurde jedoch schnell klar: Wirklich rentabel konnte dieser Weg nur dann werden, wenn gleichzeitig die Landwirtschaft ausgebaut, auf Öko umgestellt und durch Hofverarbeitung und -vermarktung ergänzt würde. Sonst ginge der Löwenanteil wie so oft an den Zwischenhandel und das Projekt wäre wirtschaftlich nicht tragfähig.

Neukonzept statt Nebenerwerb

Herbstweide Brennerei G 2Rinder, Schafe, Ziegen und Hühner werden nach den Naturland Richtlinien gehalten. Quelle: Brennerei GaußEin Glück war es da, dass Daniela Gauß ebenfalls auf einem Allgäuer Bauernhof groß geworden ist und eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert hatte. So kannte sie den landwirtschaftlichen Alltag bereits aus eigener Erfahrung und brachte zugleich das Know-how für den Aufbau eines Hofladens und eigener Gastronomie mit. „Den Brennerwirt, den wir in Kürze auch nach den Naturland Richtlinien zertifizieren lassen, konnten wir 2016 an der Stelle des alten Holzschuppens eröffnen“, erklärt Rainer Gauß. „Aber da der Knolpershof in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, durften wir die Flächen nicht einfach erweitern.“ Im Nachbarort Haslach ergab sich schließlich die Möglichkeit, 6,5 Hektar zu pachten und für die Nutztierhaltung umzugestalten. Inzwischen werden dort 30 Kälber, Mutterkühe, Färsen, Ochsen, Bullen und etwa ebenso viele Schafe und Ziegen nach den Naturland Richtlinien gehalten. Auch ein mobiler Stall wurde für rund 150 Hühner errichtet, deren Eier unter anderem zur Produktion von Nudeln und Spätzle mit dem Naturland Zeichen verwendet werden. Nahezu alle landwirtschaftlichen Produkte, die am Hof vermarktet oder in der Küche benötigt werden, können Rainer und Daniela Gauß auf diese Weise selber herstellen. „Aus meiner Sicht kann man von einem Betrieb wie dem unseren heute nur leben, wenn man Veredelung und Vermarktung selbst in die Hand nimmt“, meint Rainer Gauß. „Denn auf diese Weise bleibt die Wertschöpfung vor Ort und wir haben die Chance, dass sich unsere vielen Investitionen tatsächlich rechnen.“

8S3A2046bearb 2 Brennerei G 2Mit Old Black River Dry Gin bedient der Knolpershof einen echten Trend. Quelle: Brennerei Gauß

Mut zur Marktlücke
Besonders geldintensiv war der Auf- und Ausbau der Destillerie. Je nach Saison entstehen dort bis zu 30 verschiedene Edelbrände und Likörsorten. Dazu gehören auch Naturland zertifizierter Bio Dry Gin und Bio Whisky. Als einer der ersten Betriebe in Deutschland ist die Brennerei Gauß in der Lage, selber Ethanol herzustellen. Vom Alkohol zum Essig ist es nur ein kleiner Schritt. Deshalb wurde die Brennerei noch um eine Essigfabrik erweitert. Was dort entsteht, übertrifft jedes Industrieprodukt. Denn der Gauß‘sche Branntwein wird aus reinem Bio-Weizen gemaischt, roh destilliert und anschließend zum Weizenfeindestillat feingebrannt. Die Sortenreinheit der Rohware übertrifft dann in Destillat und fertigem Essig bei weitem die Industrieware, die meist aus einem Cuvée verschiedener Agrarrohstoffe entsteht. „Der Einstieg in die Essigproduktion war ganz schön nervenaufreibend“, erinnert sich Rainer Gauß. „Bis wir feststellten, dass die Bakterienkulturen mangelhaft waren, war es schon kurz vor Liefertermin. Als wir dann aber die richtige Qualität hatten, dauerte es nur acht Tage, bis wir den perfekten Branntweinessig hatten.“ Durch das Knowhow seines Mentors Dr. Hagmann aus der Brennerschule ist er selbst zum Essigexperten geworden und produziert inzwischen Apfelessig aus eigenen und zugekauften Bio-Äpfeln sowie verschiedene Spezialitätenessige. Auch eine neue Salatsoße soll bald verkaufsfertig sein und ist beim „Brennerwirt“ bereits erfolgreich im Einsatz.

Visionen für morgen
Arbeitsreich ist das Leben von Daniela und Rainer Gauß. Während sie sich um Hofladen und Gastronomie kümmert oder sogar den Koch während Urlaub und Krankheit ersetzt, kümmert er sich um die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion. Mit zehn bis zwölf Voll- und Teilzeitkräften stemmen sie den turbulenten Alltag und rechnen damit, dass es noch mindestens fünf bis zehn Jahre mit diesem Pensum weitergeht. Dann aber bietet der Knolpershof auch den drei Kindern und dem auf dem Hof aufgewachsenen Neffen eine Zukunft – sofern sie diese Möglichkeit nutzen wollen. „Durch meinen Vater habe ich früh eine Leidenschaft für Landwirtschaft und Brennerei Familienfoto 1 Brennerei G 2Die nächste Generation lernt Landwirtschaft, Veredelung und Gastronomie von klein auf kennen. Quelle: Brennerei Gaußentwickelt, auch wenn ich zunächst einen anderen Weg eingeschlagen habe“, erzählt Rainer Gauß. „Was man in der Kindheit an Erfahrungen macht, prägt einen für‘s Leben. Aber natürlich kann es auch ganz anders laufen.“ Wobei es gut aussieht mit der Nachfolge auf dem Knolpershof: Der achtjährige Sohn begeistert sich für alles, was rund um den Stall geschieht. Die vierzehnjährige Tochter will nächstes Jahr ihr Praktikum im Gastronomie- oder Hotelleriebereich machen. Und der 14-jährige Neffe arbeitet bereits in der Küche mit und wird sich voraussichtlich zum Koch ausbilden lassen. Einen spannenden Arbeitsplatz hätten sie alle, denn zwischen Stall, Destillerie, „Brennerwirt“, Hofladen, Nudelmanufaktur und Essigfabrik kommt niemals Langeweile auf.



 

Weitere Informationen: www.brennerei-gauss.de

 

 

 

Kontakt

Naturland Betrieb „Spirituosen vom Knolpershof“

Rainer Gauß
Engetsweiler 2
88237 Neuravensburg

Tel.: 0049 7528 927110
Fax: 0049 7528 9517997
E-Mail:
Internet: www.brennerei-gauss.de