Verbraucher

Die Landwirtschaftsbetriebe der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal – nördlich von Berlin in der Nähe von Bernau in Brandenburg – sind ein Betriebszusammenschluss von großer Strahlkraft.

Neben einer Landwirtschaft mit 200 Milchkühen sowie Nachzucht an zwei Standorten und landwirtschaftlichen Flächen von 644 Hektar auf vier Standorten in Brandenburg wird in der stiftungseigenen „Lobetaler Bio Molkerei“ Milch zu Joghurt, Ayran und Weichkäse verarbeitet.

Landwirtschaft und Molkerei sind seit 2010 Naturland und seit Sommer 2014 Naturland fair zertifiziert. Zur Stiftung gehören des Weiteren eine Naturland Gärtnerei, 290 Hektar Wald sowie eine kleine Naturland Baumschule mit alten Streuobstsorten. Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ist Mitglied im Diakonischen Werk und eine der von Bodelschwinghschen Stiftungen.

 

Gegründet wurde der Verein Hoffnungstal als Vorgänger der Hoffnungstaler Stiftung im Jahr 1906 als Kolonie für Obdachlose aus der Großstadt Berlin von Pastor Friedrich von Bodelschwingh in Lobetal. Mit dem Grundsatz „Arbeit statt Almosen“ gliederte er Menschen vom Rand der Gesellschaft in Arbeitsprozesse ein und gab ihnen ein Zuhause. Dies war auch Motor und Motivation für die Umstellung auf Öko-Landbau im Jahr 2008. Die in der Landwirtschaft vorhandenen Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap sollten weiterhin dem Anspruch nach einer sinnvollen Beschäftigung gerecht werden und auch einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Ackerflächen und einer artgerechten Milchviehhaltung entsprechen. In der neu gebauten Molkerei entstanden weitere Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap.

 

lobetal 350Seit 2010 sind Landwirtschaft und Molkerei zertifizierte Naturland Betriebe. Herr Dr. Hartmann, Leiter der Landwirtschaft der Stiftung und Ortsvorsteher von Lobetal, stand zunächst einer Umstellung skeptisch gegenüber. Vor allem die Bekämpfung der Beikräuter auf mechanischem Wege war herausfordernd und auf jeden Fall komplizierter, als die Benutzung der Giftspritze. Heute ist Herr Dr. Hartmann überzeugt, dass dies die richtige Entscheidung war: Sowohl für die Stiftung aus ökonomischer Sicht, als auch für Boden, Tiere und Menschen, die sich mit ihrer Arbeit auf dem Feld, im Stall oder in der Molkerei identifizieren. Grade die Kombination von Erzeugung und Verarbeitung in einem geschlossenen Kreislauf vom Futteranbau bis hin zum veredelten Milchprodukt war der Schlüssel zum Erfolg.

In den vier Landwirtschaftsbetrieben sind elf Mitarbeiter und acht Menschen mit Behinderungen damit beschäftigt, auf 644 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche das Futter für die Rinder anzubauen. 200 Kühe und 150 weibliche Jungrinder werden in Lobetal und Dreibrück (OPR/Ost Prignitz Ruppin) in Ställen mit der Möglichkeit zu Weidegang gehalten. Die Milch wird alle zwei Tage durch einen Milchsammelwagen abgeholt und zur stiftungseigenen Lobetaler Bio Molkerei gefahren. Pro Kuh und Jahr liegt die Milchleistung bei rund 7300 Litern (7070 L/Jahr 2015, 7775 L/Jahr 2014).

 

Auf den Ackerflächen werden fast ausschließlich Kulturen zur Versorgung der Tierbestände angebaut. Die Standorte reichen mit 18-30 Bodenpunkten von sehr sandig in Lobetal bis anmoorig im Havelland. Die durchschnittliche Bodenwertzahl beträgt 28 Bodenpunkte bei Niederschlägen von rund 550 mm/Jahr. Es werden Klee- und Luzernegras, Winterroggen mit Wintererbsen im Gemengeanbau, Getreide (Roggen, Tritikale, Hafer), blaue Süßlupine und Silomais angebaut. Die größte Herausforderung des Betriebes ist es, die Futtergrundlage zu sichern. Aufgrund der sich verschärfenden Bodenmarktpolitik und steigender Preise sind aktuell keine neuen Ackerflächen mehr hinzuzubekommen. Positiv ist, dass der organische Dünger in Form von Mist auf dem Naturland Betrieb einen neuen Stellenwert als hochwertiger Nährstofflieferant im Betriebskreislauf erhalten hat. Rund 70 Prozent der Ackerflächen können jährlich mit Mist (circa 40 to/ha) und Gülle (30-50 m³/ha) versorgt werden. Schwierig sind abgelegenen Standorte, die aufgrund der Entfernung keine organische Düngung erhalten können. Für diese Standorte ist perspektivisch ein externer Nährstoffzukauf, zum Beispiel von Kompost, angedacht.


lobetal joghurt 350Fünf Facharbeiter steuern den Produktionsablauf in der Lobetaler Bio-Molkerei, unterstützt von 24 Menschen mit Handicap. Pro Woche verarbeiten sie etwa 30.000 kg Milch, das entspricht 1,6 Millionen kg/Jahr, zu Joghurt, Sahne, Ayran und Weichkäse. Die Produkte werden überwiegend im Naturkostfachhandel, bei Edeka, den Reichelt-Märkten und REWE in Berlin/Brandenburg vertrieben. Neben einem sozialen Betriebskonzept wird Wert auf kurze Lieferwege in die Region, ein ökologisches Verpackungssystem, das auf Kreidebasis beruht und besonderen Genuss gelegt. Alle heimischen Früchte für den Joghurt werden aus der Region Nordost bezogen. Das Mangopüree wird als Naturland fair Produkt aus Indien für den beliebten Mango-Vanille-Joghurt zugekauft.


Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal mit Landwirtschaft und Molkerei will vor allem in Brandenburg und dort, wo Rohstoffe eingekauft werden, ökologische und soziale Verantwortung übernehmen. Deshalb hat sie im Sommer 2014 beschlossen, sich als fair handelnder Naturland Betrieb zertifizieren zu lassen. Sie ist zudem Partner des Naturparks Barnim und unterstützt über verschiedene Aktionen Naturschutzprojekte im Naturpark.