Verbraucher

Familie Grampp hatte sich vor etwa zwei Jahren für zwei außerordentlich große betrieblichen Veränderungen entschieden: die Umstellung von konventioneller zu ökologischen Wirtschaftsweise und die Umstellung des Betriebsschwerpunktes von Milchvieh- zu Öko-Legehennenhaltung.   

Nach Aufgabe des alten Milchviehbetriebs dient nun ein Stall mit Platz für 9.000 Legehennen als wirtschaftliche Grundlage für die Kulmbacher Familie in Oberfranken.

 

Öko-Eier sind auch hier derzeit „voll im Trend“. „Das war aber nicht der Grund, warum wir den Wechsel vom Rind zum Ei gewagt haben“, so Michael Grampp, der Betriebsleiter. Den konventionellen Betrieb hat Michael Grampp von seinen Eltern übernommen. Der Milchviehstall mit Anbindehaltung liegt mitten im Dorf. „Eine bauliche Herausforderung, wenn man auf ökologische Wirtschaftsweise umstellen möchte“, erinnert sich Grampp. „Wir hatten einige Umbaulösungen bereits in der Tasche. Aber alles war sehr beengt und nach den Ergebnissen der Betriebs- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen war klar, dass wir mit 40 Kühen keine Zukunft haben“, so der Betriebsleiter.

Dann hat die Familie vom Amt für Landwirtschaft den Tipp bekommen, einen Hühnerstall zu bauen. „Nach einer Stallrundfahrt durch Norddeutschland hat es schnell „Klick“ gemacht“, schmunzelt Grampp. Die ganze Familie standgrampp stallDer neu gebaute Legehennenstall bei Ködnitz in Oberfranken auf der grünen Wiese bietet Platz für 9000 Legehennen. Foto: Michael Grampp hinter dem Projekt „Hühnerstallbau“, das auf der grünen Wiese, außerhalb der Ortschaft, verwirklicht wurde. Nachdem der Förderungsbescheid (EIF Bayern) kam, ging es im Oktober 2015 mit dem Bau los. Die Herausforderung lag vor allem darin, mit Grundstücksnachbarn Flächen zu tauschen und einen Brunnen zu bohren, um das Bauvorhaben umsetzen zu können. Außerdem entstanden nicht kalkulierte Kosten: Der Brunnen musste ein zweites Mal und tiefer gebohrt werden, weil das Wasser nach der ersten Bohrung irgendwann versiegt war.
Eingezogen sind die ersten Hühner im Juni 2016. „Und das haben wir zu keinem Zeitpunkt bereut!“ so Michael Grampp. Der Landwirt findet die Arbeit im Hühnerstall leicht und angenehm. Insgesamt dauern alle Arbeiten im Hühnerstall etwa vier Stunden am Tag. „Dieselbe Zeit haben wir damals im Milchviehstall gebraucht, allerdings kamen da noch die Außenarbeiten im Grünland dazu“, berichtet Grampp. Jetzt werden keine Melkgeschirre mehr angelegt, sondern verlegte Eier aufgesammelt, Eier sortiert, Eier verpackt und Hühner beobachtet, die freudig im Gras picken.

grampp faktenNeu waren die plötzlichen Fressfeinde, die den Tieren das Leben schwer machen.  „Das gab es so bei den Kühen natürlich nicht. Jetzt müssen wir aufpassen, dass sich alle Auslaufluken abends gut schließen, dass nirgendwo ein Marder oder Fuchs in den Stall kommt und dass die Tiere im Auslauf genügend Versteckmöglichkeiten haben“, sagt Grampp. Die Öko-Eier werden zwei Mal in der Woche abgeholt und gehen über einen Großhändler in 30er Steigen vom Betrieb. Die Verbandsware geht dann an den Lebensmitteleinzelhandel. Derzeit gibt es 18,2 Cent pro Ei, fast so viel wie für einen Liter konventionelle Milch! Der mutige Schritt vor zwei Jahren hat sich also in mehrfacher Hinsicht bewährt.