40. Jubiläum des größten internationalen Bio-Verbands zum Earth Day

40. Jubiläum des größten internationalen Bio-Verbands zum Earth Day

Zum Tag der Erde am 22.04.2022 läutet Naturland sein Jubiläum ein: Der Bio-Verband feiert 40 Jahre ökologischen Landbau, 40 Jahre soziales Engagement, 40 Jahre regionale und internationale Zusammenarbeit. Das Earth-Day-Motto „global denken, lokal handeln“ ist auch das des gemeinnützigen Vereins, der 1982 in Bayern von Bauern, Wissenschaftlern sowie Bürgerinnen und Bürgern gegründet wurde. Mit nachhaltigem Erfolg: 140 000 Bio-Erzeuger in 60 Ländern der Welt arbeiten mittlerweile nach den strengen Naturland-Richtlinien – weitere kommen ständig hinzu.

„Wir sind heute der größte internationale Bio-Verband“, sagt Hubert Heigl, Präsident von Naturland, „und eine starke, demokratische und für den Erhalt des Planeten engagierte Gemeinschaft.“ Die Vision der Gründer: 100 Prozent Bio weltweit, und das in den Sparten Landbau, Fischzucht, Forstwirtschaft, Imkerei, Winzerei und Gartenbau. „Naturland zertifiziert als bisher einziger Bio-Verband auch Öko-Wälder“, so Heigl. „Schon 13 Jahre vor der EU - 1996 - haben wir Richtlinien für Bio-Aquakulturen definiert.“ Seit 2010 zertifiziert Naturland außerdem öko und fair aus einer Hand.

Sein Geburtsjahr will Naturland auf Höfen und Messen feiern. Höhepunkt ist ein Jubiläumskongress am 13. September in Berlin, zu dem bereits Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis 90/ Grüne), Bio-Köchin und Naturland Erzeugerin Sarah Wiener sowie die Artenschutzexpertin Prof. Katrin Böhning-Gaese zugesagt haben. „Mit Pacita Juan aus Makati erwarten wir einen Podiumsgast, der für Zukunft steht: Sie vertreibt seit Kurzem Produkte von philippinischen Naturland Erzeugern vor Ort.“

Angesichts des Kriegs in der Ukraine und den befürchteten Ernteausfällen seien lokale und zugleich nachhaltige Wertschöpfungsketten noch nötiger als bisher, mahnt der Naturland Präsident. „Auf dieses Ziel arbeitet Naturland hin: Dass sich Menschen überall auf der Welt mit regional erzeugten Bio-Lebensmitteln versorgen können“, sagt Heigl. Für den Landwirt steht fest: „Öko ist kein Luxus, sondern eine Frage des Überlebens.“

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Naturland Bauer startet Hilfsaktion für Ukraine

Naturland Bauer startet Hilfsaktion für Ukraine

Als am 24. Februar der Krieg in der Ukraine ausbrach, da wusste Martin Ritter sofort: Jetzt ist schnelles Handeln angesagt. Der Naturland Landwirt ist dem osteuropäischen Land eng verbunden. Neben seinem heimatlichen Familienbetrieb in Ostheim v. d. Rhön hat Ritter seit 2015 in der Westukraine einen zweiten Naturland Betrieb aufgebaut, in der Region Rivne, gut 300 Kilometer westlich von Kiew.

Bereits Tage vor Kriegsausbrauch ist Martin Ritter zuhause in heller Aufregung. Er verfolgt permanent die Nachrichten, in denen die US-Regierung immer dringlicher vor einem zu erwartenden Einmarsch Russlands warnt. Immer wieder telefoniert er mit seinen Leuten auf dem ukrainischen Betrieb, doch dort kann sich niemand vorstellen, dass es wirklich zum Krieg kommen wird. „Die haben mich fast ausgelacht. Die waren sich sicher, dass die Russen nicht kommen“, erzählt er.

Als der Krieg dann doch losbricht, geht alles ganz schnell. Noch am gleichen Abend packen Mitarbeiter auf dem ukrainischen Betrieb ihre Frauen und Kinder ins Auto und machen sich auf den Weg zur polnischen Grenze. Dort wartet auf der anderen Seite, im polnischen Dorohusk, Martin Ritter mit drei Freunden, um die Familien entgegenzunehmen und sicher nach Deutschland zu bringen. Fast drei Tage dauert es wegen des riesigen Ansturms, bis schließlich neun Frauen mit elf Kindern zwischen 2 und 16 Jahren über die Grenze kommen. Die Familienväter müssen sie zurücklassen, weil Männer im wehrfähigen nicht außer Landes dürfen. Entsprechend verzweifelt ist die Stimmung auf der Fahrt nach Deutschland. „Man hat den Menschen angesehen, was sie durchmachen. Das war schon heftig“, berichtet Ritter.

Flucht von Rivne nach Ostheim

„Als ich am 24. Februar aufgewacht bin, sagte mir mein Mann, dass in der Nacht ein Angriff begonnen habe. Das war ein Schock! Nie hätten wir gedacht, dass die russische Armee das wirklich tun würde“, erzählt Oxana Mykhailiuk, die als Dolmetscherin in der Verwaltung des ukrainischen Naturland Betriebs arbeitet. Im Laufe des Tages hätten sie und ihr Mann dann entschieden, dass sie mit ihren beiden dreijährigen Zwillingen das Land verlassen müssen. Mit dem Auto ging es zur Grenze, wo schon 15 Kilometer vor dem Übergang die Schlange begann. 

In Ostheim sind die Familien – 1.500 km von zu Hause entfernt – in einem Ferienheim unterkommen, das die Stadt zur Verfügung stellt. Nach einer zweiten Evakuierungsfahrt Ritters leben dort nun 32 Menschen aus Rivne, 13 Frauen und 19 Kinder. Oxana Mykhailiuk hat aufgrund ihrer Deutschkenntnisse die Rolle als Sprecherin der Gruppe übernommen. Drei Wochen nach der Flucht klingt sie gefasst, beinahe fröhlich, wenn sie spricht. „Wenn ich erzähle, klingt es so, als sei alles OK, aber innerlich bin ich nicht ruhig“, sagt sie.

Ihr Mann Juri ist gemeinsam mit den anderen Männern weiterhin in Rivne. „Sie unterstützen Flüchtlinge innerhalb des Landes, haben Unterkünfte auf dem Betrieb organisiert. Und sie unterstützen unsere Streitkräfte, bringen ihnen Lebensmittel,“ beschreibt Oxana Mykhailiuk die Situation. Nachts gingen die Männer manchmal auch auf Patrouille. Vor allem die Jüngeren seien zum großen Teil von der ukrainischen Armee eingezogen worden. Von zwei Schlepperfahrern des Betriebs, 22 und 24 Jahre alt, fehlt seit den ersten Kriegstagen jedes Lebenszeichen.

#ostheimhilft

Unterdessen beginnt Martin Ritter direkt nach der Rückkehr mit der ersten Flüchtlingsgruppe nach Ostheim, innerhalb weniger Tage eine großangelegte Hilfsaktion auf die Beine zu stellen. Dabei kann der Naturland Landwirt auf die Unterstützung der Stadt und ein großes regionales Netzwerk bauen. Ein Lkw-Hersteller stellt Fahrzeuge für den Konvoi zur Verfügung, Lebensmittelproduzenten liefern palettenweise Grundnahrungsmittel, die in einem Großhandelsbetrieb in Ostheim gepackt und verladen werden. Der Verein Kultur für humanitäre Hilfe e.V. sammelt für #ostheimhilft Spenden.

Über 30 Helfer:innen arbeiten in Ostheim, um neun Lkw mit insgesamt mehr als 450 Paletten Hilfsgütern zu beladen. Von Ostheim geht es dann nach Breslau in Polen, wo umgeladen wird. Ukrainische Lkw bringen die Hilfsgüter anschließend nach Rivne, wo die weitere Verteilung über die Kreisverwaltung organisiert wird. „Wir kontrollieren in allen Phasen den Transport. So stellen wir sicher, dass die Spenden auch ankommen“, betont Martin Ritter.

Dass Ritter überhaupt so eng mit der Ukraine verbunden ist, hängt letztlich auch mit seinem Heimatort Ostheim zusammen – genauer gesagt: mit dem örtlichen Unternehmen Bionade, für dessen Limos der Naturland Landwirt unter anderem Holunder anbaut. „Zunächst ging es eigentlich nur um Bio-Rübenzucker, der damals in Deutschland noch sehr knapp war. Und von dann an, hat sich das immer weiterentwickelt“, erzählt er. Inzwischen baut Ritter in der Ukraine vor allem Soja, Sonnenblumen, Hafer und Mais an, außerdem Sonderkulturen wie Himbeeren und Erdbeeren.

Ob es 2022 allerdings etwas zu ernten geben wird, ist mehr als unsicher. „Ich weiß nicht, was wir erwarten. Wir planen von Tag zu Tag“, sagt Ritter. Es ist Mitte März, die LKWs mit den Hilfsgütern sind erfolgreich auf den Weg gebracht und Ritter hat endlich Zeit, sich um seinen Betrieb in der Rhön zu kümmern. Aber auch für den Anbau in der Ukraine will er die Hoffnung nicht aufgeben. Die ukrainische Regierung habe die landwirtschaftlichen Betriebe im Land angewiesen, Sommerweizen, Sommergerste und Hafer anzusäen, damit die Ernährungslage im Land mittelfristig gesichert wird. Also fahren Ritters ukrainische Mitarbeiter nun aus auf Felder, in die erst kürzlich zwei Raketen eingeschlagen sind. Die unsichere Zukunft bedrückt alle – in Rivne und auch in Ostheim. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt Oxana Mykhailiuk und fügt direkt an: „Aber wir wollen wieder nach Hause.“

Wer die Hilfsaktion von Martin Ritter und der Initiative #ostheimhilft unterstützen will, kann dies mit einer Spende tun:

  • Kontoinhaber: Verein für Kultur und humanitäre Hilfe e.V.
  • IBAN : DE39 7935 3090 0000 5579 34

Tierhaltung langfristig umbauen

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die internationalen Agrarmärkte zeigen das Scheitern des Systems der industriellen Landwirtschaft und Tierhaltung. „Wir brauchen jetzt nicht nur mehr Tempo bei der Energiewende, sondern müssen auch die Agrar- und Ernährungswende vorantreiben“, sagte Naturland Präsident Hubert Heigl am Montag in Gräfelfing. Zugleich warnte der Naturland Präsident vor vermeintlich einfachen Lösungen.

Heigl wendet sich damit einerseits gegen Forderungen, wegen des Kriegs den Green Deal der EU-Kommission auszusetzen. Zugleich kritisiert er auch aber die Idee eines EU-Sofortprogramms zur kurzfristigen Abstockung der Tierbestände.

Ein solches Programm wäre laut Heigl weder eine einfache noch eine wirksame Lösung zur Sicherung der Lebensmittelversorgung: „Tierhaltung hängt ab von den Lebenszyklen der Tiere. Ein Ferkel, das jetzt geboren wird, lebt und frisst zehn Monate, bevor es geschlachtet wird. Eine Kuh muss mehr als zwei Jahre alt werden, bevor sie zum ersten Mal Milch gibt. Wie soll da ein einjähriges Sofortprogramm Wirkung entfalten?“ fragt Heigl.

Notwendig sei stattdessen eine flächengebundene Tierhaltung, die eingebettet ist in regionale ökologische Kreisläufe und damit unabhängiger wird von Dünger- und Futtermittelimporten. „Der Öko-Landbau ernährt seine Tiere vorwiegend von den eigenen Flächen. Das führt automatisch zu geringeren Tierzahlen“, betont Heigl. Um auch konventionellen Betrieben eine Anpassung der Tierzahlen zu ermöglichen, brauche es aber einen geordneten Umbau.

„Weniger Tiere darf nicht bedeuten weniger Höfe“, sagte Heigl. Eine kurzfristige Prämie zur Abstockung würden nämlich vermutlich vor allem kleinere Betriebe mit steuerlich bereits abgeschriebenen Ställen nutzen, um ganz aufzuhören. „Eine Stalltür, die einmal zu ist, öffnet sich nicht mehr. Damit schädigen wir genau die regionalen Wertschöpfungsketten, die wir für einen nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft brauchen“, warnte der Naturland Präsident.

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Naturland e. V.

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82166 Graefelfing
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