header Rinder AgrarBerlinchen

Erzeuger
Naturland Öko-Milchkühe beim Weidegang

Zum Jahresende 2018 bewirtschaften 1.200 Milchviehbetriebe in Deutschland ihren Betrieb nach den Naturland Richtlinien und produzieren mit annähernd 50.000 Milchkühen knapp 300 Mio. Liter Ökomilch. Dazu kommen noch weitere ca. 250 österreichische Milchlieferanten, die ihre Bio-Milch grenznah an deutsche Molkereien liefern und nach den Naturland Richtlinien zertifiziert sind. In Summe entspricht die Naturland-Milchmenge zum Ende 2018 mind. 30 % der inländischen Ökomilchproduktion, die nach Hochrechnungen der AMI zum Jahresende bei etwas über 1 Mrd. kg liegen wird (siehe dazu auch Milch).

 

Die Betriebsgrößen repräsentieren je nach Bundesland die dortigen strukturellen Verhältnisse. Die kleinsten Betriebe mit unter 10 Kühen liegen im Berchtesgadener Land und im Allgäu - einige wenige Betriebe mit über 300 Kühen befinden sich im Osten Deutschlands. Drei Viertel aller Naturland Milchviehbetriebe halten weniger als 80 Rinder, was einer Kuhzahl von höchstens 40 Kühen entspricht. Damit steht der Großteil der Naturland Milchkühe in vergleichsweise kleinen Betrieben.

 

Die wichtigsten Eckpfeiler der ökologischen Milchproduktion v.a. für Umstellungsbetriebe sind die im Folgenden erläuterten Haltungsbedingungen und das Fütterungsmanagement. Einen besonderen Fokus legen wir auf die Kälberhaltung frei nach der Devise:  gesunde Kälber = gesunde Kühe.

 

Für alle Betriebe interessant sind Themenbereiche wie Tiergesundheit und Betriebswirtschaft. Zu all diesen Themen finden Sie hier immer aktuelle Informationen. Über alle weiteren produktionstechnischen Inhalte, Fragen zur Milchlieferung oder zu Richtlinien informieren Sie gerne und unverbindlich die jeweiligen Fach- und Regionalberater.

 

Zum Jahresende 2018 bewirtschaften 1.200 Milchviehbetriebe in Deutschland ihren Betrieb nach den Naturland Richtlinien und produzieren mit annähernd 50.000 Milchkühen knapp 300 Mio. Liter Ökomilch. Dazu kommen noch weitere ca. 250 österreichische Milchlieferanten, die ihre Bio-Milch grenznah an deutsche Molkereien liefern und nach den Naturland Richtlinien zertifiziert sind. In Summe entspricht die Naturland-Milchmenge zum Ende 2018 mind. 30 % der inländischen Ökomilchproduktion, die nach Hochrechnungen der AMI zum Jahresende bei etwas über 1 Mrd. kg liegen wird (siehe dazu auch Milch).

 

Die Betriebsgrößen repräsentieren je nach Bundesland die dortigen strukturellen Verhältnisse. Die kleinsten Betriebe mit unter 10 Kühen liegen im Berchtesgadener Land und im Allgäu - einige wenige Betriebe mit über 300 Kühen befinden sich im Osten Deutschlands. Drei Viertel aller Naturland Milchviehbetriebe halten weniger als 80 Rinder, was einer Kuhzahl von höchstens 40 Kühen entspricht. Damit steht der Großteil der Naturland Milchkühe in vergleichsweise kleinen Betrieben.

 

Die wichtigsten Eckpfeiler der ökologischen Milchproduktion v.a. für Umstellungsbetriebe sind die im Folgenden erläuterten Haltungsbedingungen und das Fütterungsmanagement. Einen besonderen Fokus legen wir auf die Kälberhaltung frei nach der Devise:  gesunde Kälber = gesunde Kühe.

 

Für alle Betriebe interessant sind Themenbereiche wie Tiergesundheit und Betriebswirtschaft. Zu all diesen Themen finden Sie hier immer aktuelle Informationen. Über alle weiteren produktionstechnischen Inhalte, Fragen zur Milchlieferung oder zu Richtlinien informieren Sie gerne und unverbindlich die jeweiligen Fach- und Regionalberater.

 

Haltung

350 HaltungDas Ideal in der ökologischen Milchviehhaltung ist ein geräumiger Laufstall mit ganzjährig verfügbaren Ausläufen und direktem Zugang zur hofnahen Weide im Sommer. In einigen Fällen lässt sich dieses Ideal aus unterschiedlichen Gründen aber auch im Ökobetrieb nicht verwirklichen. Alle größeren Naturland-Betriebe verfügen heute über Laufställe, mit eingestreuten Liegeboxen und einem großzügigen Platzangebot von 7 – 11 m² je Kuh.

 

Dort wo ein Zugang zur Weide möglich ist, haben die Kühe und Aufzuchttiere zusätzlich Weidegang. Ca. 80 % aller Naturland-Rinder genießen ein halbes Jahr Sommerweidegang, meistens auf großflächigen Standweiden. Ist dies nicht möglich, müssen die Betriebe den Rindern ganzjährige befestigte Auslaufmöglichkeiten zur Verfügung stellen – mindestens 4,5 m² je Kuh zusätzlich zu den Stallinnenflächen von mind. 6 m²/Kuh (siehe dazu auch Weide – neue Regelungen).

 

75 % aller Naturland-Betriebe haben Laufstallhaltung - bei den gehaltenen Rindern liegt die Zahl deutlich höher bei ca. 90 %. Seit 01.01.2014 gibt es nur noch eine verbliebene Ausnahmegenehmigung im Bereich der Rinderhaltung nach der EG Öko VO. Ab diesem Datum können nur noch kleine Rinderbetriebe im Rahmen der sogenannten "Kleinbetriebsregelung" (je nach Bundesland zwischen 25 und 35 GV nach Art. 95.1) temporäre Anbindehaltung in Verbindung mit Auflagen betreiben.

 

Wie früher schon ist der mindestens halbjährige Weidegang Grundvoraussetzung und in den Wintermonaten muss allen sonst artgemäß angehängten und intensiv betreuten Tieren mindestens 2x pro Woche Auslauf gewährleistet werden. Die Einhaltung dieser Auflagen wird zweimal jährlich von den Kontrollstellen überprüft. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Kombinationshaltung, weil diese Tiere die meiste Zeit des Jahres frei laufen und eben nicht angebunden sind. Dabei haben die Tiere maximale Bewegungsmöglichkeit und können Individualbedürfnisse häufig besser ausleben als in den besten Laufstallsystemen.

 

Zunehmend mehr dieser kleinen Betriebe entscheiden sich aus freien Stücken, die Verhältnisse für ihre Kühe weiter zu verbessern und damit der Forderung nach größtmöglichem Kuhkomfort Rechnung zu tragen. Das können verbesserte Winterausläufe sein, die teilweise auch täglich benutzt werden oder Umbaulösungen unter weitgehender Nutzung der Altgebäude hin zu Laufställen, ohne die hohen Kosten eines Neubaus aufbringen zu müssen. Zu diesem Themenkomplex wurden in den letzten Jahren zahlreiche Artikel in den Naturland Nachrichten veröffentlicht, die auf Anfrage als PDF erhältlich sind.

file ico Merkblatt Winterauslauf (273 KB)

 

Ein besonderer Bereich bei der Rinderhaltung im Milchviehbetrieb ist die Kälberhaltung und -aufzucht. Grundsätzlich gilt überall die Einhaltung der Kälberhaltungs-VO und natürlich die Einhaltung der Naturland Richtlinien. Aufgrund der föderalen Struktur sind leider nicht in allen Bundesländern die Öko-Vorgaben für die Einhaltung der EU-VO gleich. Hierzu geben die regionalen Fachberater aber gerne Auskunft.

 

Neben den herkömmlichen bewährten Verfahren (Iglus in den ersten 1 – 8 Wochen, Gruppenhaltung auf Tiefstreu) beginnt sich aktuell im Ökolandbau eine neue Variante einer „kuhgebundenen Kälberaufzucht“ zu etablieren. Dabei gibt es sehr viele verschiedene Ansätze zwischen Muttergebunden und Aufzucht an der Amme. Pauschale Lösungsvorschläge sind schwierig, weil sehr viel von den individuellen Gegebenheiten (vorhandene Räumlichkeiten und gewünschtes betriebliches Konzept) abhängt. Ein aktueller Vortrag zu diesem Thema gibt aber Einblicke zu Fragestellungen und Lösungsansätzen. 

 

file ico Alternative Aufzuchtformen (PDF, 2.53 MB)

 

Fütterung

350 FuetterungDie Fütterung der Bio-Rinder muss sowohl wiederkäuer- und leistungsgerecht als auch öko-konform sein. Das Futter muss zu 100% aus Ökokomponenten bestehen und einwandfrei sein. Während des Sommerhalbjahres ist frisches Grünfutter (Wiesengras, Kleegras, etc.) als wesentlicher Rationsbestandteil vorgeschrieben. Idealerweise erhalten die Tiere ihr Grünfutter im Rahmen des Weideganges, der bei Naturland-Betrieben obligatorisch ist. Näheres zum Weidegang siehe unter dem Kapitel „Weide“. Ist die Weidehaltung mit den Kühen nicht möglich, z.B. weil keine betriebseigenen Grünflächen in Stallnähe vorhanden sind, ist die Haltung im Laufstall mit Laufhof und täglichem Grünfutterholen Pflicht. Gutes Frischgras steigert auf natürliche Weise die Milchleistung und verhilft so zur Einsparung von Kraftfutter.

 

Auch im Öko-Betrieb darf Kraftfutter zur Ergänzung, bzw. zum Ausgleich der Grundfutterration eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei, dass die Einzelkomponenten des Kraftfutters (Getreide, Körnerleguminosen, Körnermais, Ölkuchen, etc.) zu 100% aus Öko-Landbau stammen und dass das Verhältnis von Kraftfutter zu Grundfutter ein vernünftiges Maß nicht übersteigt. Das Kraftfutter, bzw. die Einzelkomponenten können eigenerzeugt oder von anderen, Naturland-zertifizierten Betrieben zugekauft werden. Sollte Naturlandware nicht verfügbar sein, so kann der Futterzukauf von anderen Verbänden nach strenger Prüfung der Herkunft durch die Naturland-Qualitätssicherung genehmigt werden. Der Großteil des Futters muss allerdings auf dem eigenen Betrieb erzeugt werden. Betriebe mit Ackerbau sollten hier die Fruchtfolge auf die Ration der Tiere abstimmen und nicht umgekehrt.

 

Immer mehr setzt sich auf den Betrieben die Ansicht durch, dass Einzelkomponenten, welche zur menschlichen Ernährung taugen würden, nicht verfüttert werden sollten („feed no food“). Statt Getreide, Mais und Körnerleguminosen wird hier mehr auf Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion gesetzt (z.B. Biertreber, Sojapülpe, Zuckerrübenschnitzel etc.), die für Menschen als Nahrungsmittel uninteressant sind, in der Viehhaltung jedoch ein hochwertiges und zugleich nachhaltiges Futter darstellen.

 

Die Winterfütterung besteht aus Silagen (Gras, Kleegras, Silomais, GPS) und Heu. Ergänzt wird das Grundfutter meist durch eine, an die Milchleistung angepasste Kraftfuttergabe, etwas Viehsalz und einem bio-tauglichem Mineralfutter (mit Spurenelementen und Vitaminen). Fütterungstechniken mit hohem Kraftfutter-Luxuskonsum (z.B. Voll-TMR) sind im Ökolandbau nicht zielführend. Gut für die Tiergesundheit und den Geldbeutel des Landwirts ist auch das Verschneiden von verschiedenen Grassilagen, welche sich in ihren Werten deutlich unterscheiden. So gleichen sie sich gegenseitig aus und man hat ohne Ausgleichsfutter eine ausgeglichene Ration erstellt.

 

Die Kälber müssen im Öko-Landbau mindestens drei Monate natürliche Milch erhalten. Dies kann durch Eimertränke oder Trinken an der Kuh (entweder Mutter oder Amme) geschehen. Die Milch darf auch mit natürlichen Stoffen (z.B. Bio-Obstessig, Milchsäurebakterien) angesäuert werden. Unbedingt ist den Kälbern rechtzeitig gutes, hochwertiges Grundfutter/Heu und Kraftfutter anzubieten um die Pansenentwicklung zu fördern und die Tiere optimal auf ihr Leben als Wiederkäuer vorzubereiten.

Tierwohl

350 TierwohlDass trotz bester Tierhaltung und Fütterung auch Rinder krank werden können ist keine neue Erkenntnis, die auch für den Ökolandbau gilt. Die entscheidende Frage ist die Art der Behandlung. Routinemäßige und prophylaktische Behandlungen sind im Ökolandbau verboten. Im Krankheitsfall sollten Naturheilverfahren so weit wie möglich eingesetzt werden. Stoßen diese an ihre Grenzen können natürlich auch die normalen tierärztlichen Methoden angewendet werden. Im Sinne des Tierschutzes ist dies manchmal unabdinglich.

 

Ausschlaggebend ist aber immer die Diagnose des Tierarztes und die Verabreichung durch diesen. Im Ökolandbau müssen immer die doppelten Wartezeiten eingehalten werden. Der Einsatz chemisch-synthetischer allopathischer Tierarzneimittel oder Antibiotika ist für Rinder im Ökolandbau auf max. zwei Behandlungsgänge innerhalb von 12 Monaten beschränkt. Bei einer dritten Behandlung verliert das Einzeltier seine Zertifizierung und muss die Umstellungszeit erneut durchlaufen (z.B. 6 Monate für Milch). Impfungen, Parasitenbehandlungen sowie staatlich angeordnete Maßnahmen sind hiervon ausgenommen.

 

Zur Frage der Tiergesundheit gehören auch die systematisch verbotenen Eingriffe an Tieren. Für den Bereich der Rinder ist hier v.a. die sach- und richtliniengemäße Verödung der Honansätze zu nennen (Sedierung, lokale Betäubung, Schmerzmittel). Aus Tierschutz- aber auch aus Arbeitsschutzgründen ist diese auch bei Naturland zulässig. In den jeweiligen Bundesländern wird jedoch die Beantragung (einmalig betrieblich, Tierbezogen) unterschiedlich gehandhabt. Kein Landwirt tut dies gern und Verbraucher sehen das sehr kritisch. Um dem Dilemma zu entkommen setzt sich Naturland sehr stark für die Zucht auf genetische Hornlosigkeit ein. Erste Erfolge sind vielversprechend. Der Weg dahin erfordert aber viel Geduld und Zeit.

 

Eine weitere mit der Tiergesundheit in Zusammenhang stehende Zuchtfrage ist die der Milchleistungsgenetik. Auch hier arbeitet Naturland für einen verstärkten Einsatz von Bullen die Nutzungsdauer und Lebensleistung statt Hochleistung vererben. Kühe mit geringerem Milchleistungspotential sind leichter zu füttern, brauchen nicht so viel Kraftfutter und werden i.d.R. älter als die Durchschnittskuh in den deutschen Betrieben.

 

Alle sprechen von Tierwohl. Naturland tut etwas dafür. Seit 01.01.2014 wird jeder Naturlandbetrieb mit Rinderhaltung jährlich mit einer Checkliste auf die Einhaltung der Tierwohlparameter überprüft. Die unten abgebildete Checkliste wird laufend weiter entwickelt und wo nötig werden die Betriebe auf 100 % Einhaltung aller Parameter in Zusammenarbeit mit der Fachberatung verpflichtet.

 

Ein durch den Fokus auf Weidegang besonderes Problem der ökologischen Rinderhaltung ist die Parasitenbelastung der Tiere. Weideparasiten findet man überall dort, wo Weide praktiziert wird. Sie gehören zum System. Durch geeignete Managementmaßnahmen kann man diese aber auch ohne die „chemische Keule“ auf einem geringen Befallsgrad halten und man muss die spezifischen Parasitenkreisläufe kennen. Magen-Darm-Würmer, Leberegel und Lungenwürmer verhalten sich sehr unterschiedlich und sind bei starkem Befall auch unterschiedlich zu behandeln. Während Rinder gegenüber Magen-Darm-Würmern Immunitäten aufbauen können ist dies bei Leberegeln und Lungenwürmer nicht möglich. Im Notfall muss herkömmlich behandelt werden um dem Tierschutz nach zu kommen. Eine spezifische Behandlung ist dem Einsatz von Breitbandpräparaten immer vor zu ziehen. Lesen Sie mehr darüber im angefügten Parasitenmerkblatt.

Betriebswirtschaft

Gewinn im MittelBei allem Engagement und Idealismus für den ökologischen Landbau muss auch der Öko-Milchviehbauer darauf achten, dass er ökonomisch so über die Runden kommt, dass er nicht von der Substanz lebt und nach Abzug aller Kosten auch noch einen ausreichenden Unternehmergewinn erzielt.

 

Bayerische Untersuchungsergebnisse geben trotz auch „magerer“ Jahre Umstellern im Ökomilchland Bayern recht. Eine langjährige Betrachtung der LfL kam im Herbst 2014 zu dem Ergebnis, dass im Fünfjahreszeitraum von 2007-2012 die Buch führenden Öko-Betriebe in Bayern im Jahresschnitt und über alle Größenklassen hinweg zwischen 6.000 und 11.000 Euro höhere Gewinne verbucht haben als ihre konventionellen Kollegen, obwohl sie circa 800-1.000 Liter Milch je Kuh weniger gemolken hatten. Der Öko-Zuschlag schwankte in dieser Zeit zwischen 6 und 11,5 Cent netto. Es waren aus heutiger Sicht Phasen mit sehr hohem Öko-Zuschlag dabei, aber auch solche mit „zu niedrigem“. Im Mittel, und das gilt es bei derartigen Betrachtungen immer heran zu ziehen, lag der Öko-Zuschlag seinerzeit bei akzeptablen 8,54 Cent (Quelle Schmidtlein, Haushahn LfL).

 

Noch aktuellere Zahlen dazu zeigt die folgende Übersicht, die den Zeitraum der letzten 8 Wirtschaftsjahre für einen typischen bayerischen Milchviehbetrieb im Haupterwerb mit 40 - 60 Milchkühen abbildet. Durch die stabilen Öko-Milchpreise der letzten vier Jahre bei gleichzeitig volatilem konventionellem Milchpreis (siehe Milchpreise) hat sich der ökonomische Vorteil der ökologisch wirtschaftenden Milchbauern von der ersten Betrachtungsperiode 2010-2013 (ca. 8.000 €) auf weit über 20.000 € (2014-2018) mehr als verdoppelt. Der sich rechnerisch ergebende Ökozuschlag der verglichenen Buchführungsbetriebe lag in den letzten 4 Jahren bei 12,84 Cent. Die Abbildung zeigt eindrucksvoll, dass nicht alle Jahre gleich verlaufen. In zwei von acht Jahren lag der ökonomische Vorteil der Ökobetriebe bei +/-. Aber es waren eben auch Jahre dabei, in denen durch sehr hohe errechnete Ökozuschläge der Jahresmehrgewinn bei mehreren 10.000 € lag. Was zählt ist am Ende aber die langjährige Betrachtung und da schneiden die Ökobetriebe mit über 15.000 € / Jahr Mehrgewinn doch deutlich besser ab. Außerdem zeigen die Zahlen auch, dass es nicht nur vom Milchpreis bzw. den Ökozuschlägen abhängt. So lag der errechnete Ökozuschlag im Jahr 2017/18 bei 10,7 Cent, der Mehrgewinn im Betrieb war aber ganz leicht negativ. In früheren Jahren wie z.B. 2014/15 lag dieser bei 11 Cent bei einem deutlichen Mehrgewinn von über 20.000 € (Quelle Schmidtlein, Wolf LfL).


 Grafik Mehrgewinn im Betrieb

Eigene Darstellung nach Zahlen der LfL Buchführungsergebnisse

 

Für den Rest von Deutschland liegen derartig differenzierte Zahlen leider nicht vor.

Eine Untersuchung von Otto Volling aus dem Jahr 2014 gibt auf der Basis von Betriebszweigauswertungen Auskunft über die Entwicklung in Ökobetrieben in Niedersachsen und Ostdeutschland der letzten 10 Jahre. Die Zahlen zeigen eine differenziertere Entwicklung als in Bayern. Unterm Strich schneiden die Ökobetriebe nicht so deutlich positiver als ihre konventionellen Kollegen ab. V.a. in den Jahren nach 2010 hat sich aufgrund teil- und zeitweise geringer Ökozuschläge und niedriger Prämiensätze die ökonomische Situation in den Öko-Milchviehbetrieben nicht so entwickelt, wie man das für eine nachhaltige Entwicklung bräuchte. Die jüngeren Rahmenbedingungen mit überall angehobenen Prämiensätzen und Ökozuschlägen zwischen 13 und 17 cent machten Hoffnung, dass sich der notwendige ökonomische Vorteil für Ökobetriebe wieder ein stellt.

 

Der angehängte Beitrag von Otto Volling aus dem Jahr 2017 auf der Grundlage von Daten des Thünen Institutes belegt diese Einschätzung nachträglich. Die Gewinnschere zwischen konv. und ökologischen Milchviehbetrieben hat sich ab dem Wirtschaftsjahr 2014/15 deutlich geöffnet. Das gute Futterbaujahr 2016/17 dürfte ähnlich verlaufen sein wie das Jahr 2015/16 wenngleich hier die konv. Milchpreise wieder etwas höher ausgefallen waren. Für 2017/18 liegen noch keine Zahlen vor und 2018 wird mit seinen Dürreauswirkungen wirtschaftlich stark negative Auswirkungen v.a. für die Ökobetriebe gehabt haben. Aber auch außerhalb Bayerns gilt:

Die langjährige Betrachtung weist einen ökonomischen Vorteil für ökologisch wirtschaftende Milchviehbetriebe aus. Ob eine Umstellung sinnvoll ist oder nicht hängt aber sehr stark von Standort und individuellen betrieblichen Bedingungen ab und sollte vor einer Umstellung weitreichend geprüft werden.

 file ico Biomilch - so wird es rentabel (PDF, 1 MB)

Milchpreis

Erzeugerpreise für Kuhmlich mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß  (Jahresmittel Deutschland ab Hof nach Angaben der AMI in ct/kg ohne MwSt)

 konventionell oekologisch

Die Preise für ökologisch erzeugte Milch haben sich nach Angaben der AMI seit dem Jahr 2014 äußerst positiv entwickelt. Während 2012 und 2013 die Preise noch unter der 45 Cent Marke lagen, hat sich das Niveau seit 2014 anhaltend hoch verfestigt. Im Jahr 2017 wurde im Bundesmittel trotz stark gestiegener Inlandsproduktion der Rekordpreis von 49,13 Cent/kg ausbezahlt. Einzelne Molkereien lagen zum wiederholten Male über 50 Cent (siehe Jahresrückblick 2017). Die Ökozuschläge fielen wegen der stark volatilen Preisentwicklung der konventionellen Milch in diesem Zeitraum sehr unterschiedlich aus. Nach zwischenzeitlichen mehr als 20 Cent in 2015 und 16 hatte sich 2017 die Lage wieder normalisiert.

 

Die aktuell ausgewiesenen 13 Cent entsprechen den ökonomisch notwendigen Mehrerlösen der ökologischen Milchviehhaltung. Spannend wurde zuletzt auf die Entwicklung des Jahres 2018 geblickt. Bis Juni zeigen die Preise eine leichte Tendenz nach unten, was v.a. einer negativen Spotmarktentwicklung für Magermilch und Trockenprodukte geschuldet war. Da die Nachfrageentwicklung nach Ökomilchprodukten nach wie vor im zweistelligen Bereich liegt, wurde spätestens ab Herbst 2018 wieder mit dem Preisniveau von 2017 gerechnet. Dies hat sich nicht ganz bestätigt – die Preise haben sich aber im 3. Quartal stabilisiert und der von vielen befürchtete Absturz hat auch nicht stattgefunden.  Lesen sie dazu im Detail den Beitrag aus den Naturland Nachrichten 5.18. Ab 2019 werden die größten Ökomolkereien auch wieder neue Betriebe aufnehmen um mittelfristig mit den konstanten Nachfragesteigerungen Schritt halten zu können.

file ico Aktuelle Situation auf dem Biomilchmarkt - Naturland Nachrichten 5/2018 (584 KB)

 

Öko-Förderung

350 OekofoerderungNeben dem Milchpreis ist ein zweiter wesentlicher Bestandteil einer ökonomisch nachhaltigen ökologischen Bewirtschaftung die Flächenförderung für die Umwelt bezogenen Leistungen, die Ökobetriebe erbringen. Diese erfolgt Bundesland spezifisch über die jeweiligen „AgrarUmweltMaßnahmen“ und wird von der EU über die „2. Säule“ kofinanziert. Die Übersicht über die verschiedenen Programme der Bundesländer finden Sie hier.

 

 

 

Weide

350 WeidehaltungDie Weide sollte als Fütterungs- und Haltungssystem im Ökolandbau maximal genutzt werden. Allerdings sind die Voraussetzungen dazu auf jedem Betrieb und v.a. in den verschiedenen Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich.

 

In den Anhängen finden Sie Vorträge und Empfehlungen zu Weidemanagement, Zaunbau, Parasitenmanagement und Weidegrünland. Weidesysteme und mögliche Weidedauer pro Tag sind immer sehr stark von Standort und der jeweiligen betrieblichen Situation abhängig und damit individuell zu betrachten. Trotzdem gilt die allgemeine Empfehlung das sehr intensive und nährstoffbedürftige System Kurzrasenweide im Ökolandbau immer wieder neu zu hinterfragen sind und zu überlegen ob nicht Koppelweiden oder zumindest Mischsysteme die bessere Wahl sind. Das gilt umso mehr, wenn die Niederschläge unter 800 mm sinken und längere Sommertrockenperioden die Regel sind. Die meisten unserer Betriebe haben keine Bedingungen für Vollweide im Kurzrasensystem, sondern sind froh, wenn sie die angestrebten 1000 m²/Kuh erreichen. Damit sind die neuen Naturland-Richtlinien erfüllt, die ab 1.1.18 für Milchvieh und Mutterkühe gelten. Weidegang ist soweit örtlich realisierbar während der Vegetationsperiode möglichst allen Rindern an zu bieten. Neben den Naturland-Richtlinien sind aber auch Molkereivorgaben zu beachten und in einigen Bundesländern auch die mittlerweile geltenden gesetzlichen Vorgaben.

 

Bzgl. der Systeme und Strategien sind die im Anhang erläuterten Aspekte v.a. für den süddeutschen Raum bzw. bei Niederschlagsmengen über 800 mm/Jahr relevant.  Für Regionen mit weniger Niederschlag und ausgeprägten Sommertrockenphasen (Nordosten und Nordbayern) gelten etwas abgeänderte Empfehlungen (siehe Dokument Trockenstandorte).

 

Die aktuelle Tendenz auch in Biobetrieben auf automatische Melksysteme um zu stellen wirft hinsichtlich des Weidegangs viele Fragen auf. Weidegang und AMS ist möglich, aber es gilt einige Punkte zu beachten. Die kritischsten Punkte hierbei sind die Herdengröße und der direkte Weidezugang am Stall. Vollweide und AMS ist nur in Einzelfällen realisierbar. Lesen Sie mehr in der Broschüre

file ico AMS und Weidegang (PDF, 3 MB)

file ico Weidevortrag Trockenstandorte (PDF, 2 MB)

Kuh gebundene Kälberaufzucht

 
350 web Muttergebundene Kl
 

Hofverarbeitung und Vermarktung

350 Hofverarbeitung u Vermarktung

Die eigene Milchverarbeitung und Vermarktung kann in Einzelfällen eine interessante Alternative zur Andienung an eine Molkerei sein. Für eine ökonomische Verbesserung der Milcherzeugung müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehören neben möglichst geringen Investitionskosten in die Verarbeitung auch langfristige Vermarktungsoptionen mit geringem Aufwand und zu möglichst hohen Preisen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Personalaufwand für diese Form der Diversifizierung. Gute Grundkenntnisse in der Verarbeitung sind selbstverständlich notwendige Voraussetzung. In einigen Regionen Deutschlands kann für kleine Verarbeitungsmengen und für einen kostengünstigen Einstieg auf die Lohnverarbeitung durch mobile Käsereien zurückgegriffen werden.

 

Für alle Situationen ist immer eine gute Planung und Beratung durch Fachleute hilfreich. Bitte wenden Sie sich bei entsprechenden Vorhaben an unseren Milchexperten Stephan Scholz, der selbst eine mobile Käserei betreibt. Dort wo seine Kompetenzen enden, hält er weiter führende Kontakte und Hinweise für Sie bereit.