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Von der Bäuerin zur Bäckerin

Die Entscheidung war hart, aber dennoch richtig: Vor zwei Jahren hat Regina Fichtner ihren Milchviehbetrieb im oberbayerischen Greiling verpachtet und widmet sich seither ganz und gar „Regina´s Back Heisl“, das sie auf dem Hofgelände errichtet hat. Die Arbeit im Stall vermisst sie immer noch, aber die Freude an der Verwirklichung ihres Berufstraums überwiegt.

Der Aberger Hof in Greiling war schon ein Nebenerwerbsbetrieb, als er noch Josef und Marianne Fichtner bewirtschaftet wurde. So war von Anfang an klar, dass jedes der vier Kinder einen eigenen Beruf erlernen muss, auch wenn es einmal die Nachfolge antritt. Die jüngere Tochter hatte ein Ziel, das sich damals kaum verwirklichen ließ: Das Bäckerhandwerk war in den 90er Jahren einfach kein Frauenberuf, weil das „zu schwer sei für ein Mädchen“. Regina Fichtner begann notgedrungen eine Ausbildung zur Konditoreifachverkäuferin im Tölzer Café Volkland – nicht ohne in den Pausen immer wieder einen Abstecher in die Backstube zu machen. „Tatsächlich war der Familienbetrieb für mich optimal, weil ich hier in allen Bereichen Erfahrung sammeln konnte“, erzählt sie. „Die Chefin war fast wie eine Mutter für mich.“ Zehn Jahre verbrachte sie dort, wechselte dann in den Verkauf einer Großbäckerei und stellte fest, dass dieser Weg für sie nicht der richtige ist. Nach einem längeren Auslandsaufenthalt besann sie sich schließlich auf das, was sie von klein auf gelernt hatte, und wurde Betriebshelferin im Maschinenring, einem Zusammenschluss von Landwirten aus dem Raum Bad Tölz und Wolfsratshausen. Eine ihrer schönsten Erinnerungen an diese Zeit ist – wen wundert es – die Mitarbeit auf einem Hof, auf dem Brot gebacken und im Hofladen verkauft wurde.

Spagat zwischen Stall und Backofen

Als sich Josef und Marianne Fichtner 2005 aus dem Berufsleben zurückziehen wollten und die Übernahme des Naturland Hofes anstand, stellte sich Regina Fichter dieser Herausforderung. Doch die Idee, eine eigene Backstube zu betreiben, hat sie nicht mehr losgelassen. Erneut drückte sie die Schulbank als landwirtschaftliche Hauswirtschafterin und machte die Meisterprüfung vor der Handelskammer, um 2010 schließlich ihren Traum zu verwirklichen: „Regina´s Back Heisl“ wurde eröffnet, und damit begann eine anstrengende Zeit, in der die Jungunternehmerin ständig zwischen ihren Rollen als Bäuerin und Bäckerin hin- und herwechseln musste. „Irgendwann wurde klar, dass auch mein Tag nur 24 Stunden hat und ich so nicht länger weitermachen kann“, erzählt sie. „Darum habe ich mich schweren Herzens dazu entschlossen, den Milchviehbetrieb zu verpachten“. Die Wahl fiel auf Markus Pirchmoser, der die Familie schon mehrmals tatkräftig unterstützt hatte, als die Eltern aus gesundheitlichen Gründen ausfielen. An die neue Arbeitsteilung musste sich Regina Fichtner erst einmal langsam gewöhnen, doch bereut hat sie die Entscheidung nicht. Denn heute kann sie sich ganz auf ihre Leidenschaft und ihre besondere Begabung fürs Backen konzentrieren.

Alte Familienrezepte und viele Ideen

Aus dem Backservice, den sie ursprünglich geplant hatte, wurde eine richtige Bäckerei mit drei Steinbacköfen, Verkaufsraum und gemütlichem Café. Dort bekommen die Kunden von Donnerstag bis Samstag nicht nur außergewöhnliche Brotspezialitäten wie Waldstauden-, Joghurt-, Heu-, Wildkräuter- oder Bierbrot. Auch Semmeln, Kuchen und Gebäckstücke gibt es in „Regina´s Back Heisl“ in einer handwerklichen Qualität, die man sonst nur selten findet. Viele Rezepturen entspringen der Fantasie der Chefin und ihrer Freundin Claudia Forster, die ihr regelmäßig beim Backen hilft. „Neulich zum Beispiel war ein Igel im Garten, da sind wir auf die Idee gekommen, Brezen-Igel zu machen“, erzählt sie. Auch für Brotzeitfleckerl oder herzhafte Strudel lässt sich Regina Fichtner gerne von dem inspirieren, was gerade zur Jahreszeit passt. Bei anderen Backwaren wie ihrem beliebten Käsekuchen oder Apfelstrudel greift sie auf alte Familienrezepte zurück. Mehle, die sie für ihr Sortiment in größeren Mengen braucht, werden von der Landshuter Meyermühle geliefert. Alte Getreidesorten wie Kamut, Emmer oder Waldstaudenkorn oder frisches Gemüse bekommt sie in der Umgebung, und andere Zutaten zum Teil auch aus dem eigenen Garten. Nur ein Obstbauer fehlt noch, der den Bedarf an Äpfeln, Zwetschgen oder Beeren decken kann.

Brot, Kuchen und “no a bissl mehra“

Der Slogan „no a bissl mehra“ bringt treffend auf den Punkt, was „Regina´s Back Heisl“ ausmacht: Hier bekommt man nicht „nur“ Brot, Semmeln oder Kuchen, sondern unverfälschten Öko-Genuss und echte Handwerksqualität. „No a bissl mehra“ bezieht sich aber auch auf die zusätzliche Möglichkeit, neben leckeren Backwaren auch regionale Produkte wie Milch, Butter und Joghurt von den Milchwerken Berchtesgadener Land oder Käse, Wurst und ausgefallene Liköre von Herstellern aus dem Tegernseer und Tölzer Land einzukaufen. Dafür fahren die Kunden gerne nach Greiling, sie kommen aber auch freitags auf den Bauernmarkt am Tölzer Fritzplatz oder samstags auf den Bauernmarkt am Schwabinger Fritz-Hommel-Weg, wo Regina Fichtner seit diesem Sommer präsent ist. In Kürze bekommt sie sogar ein eigenes Verkaufsfahrzeug, um künftig noch mobiler zu sein „Ohne die Mithilfe meiner großartigen Familie würde ich das alles sicher nicht schaffen“, meint sie. „Für diese Unterstützung bin ich ausgesprochen dankbar und kann gar nicht oft genug „Vergelt´s Gott“ sagen.“