Naturland e.V.

Stellungnahme zur Öko-Test-Bewertung Naturland Wildfisch zertifizierter Fischstäbchen

fish fingers 4498838 640 350In der aktuellen Ausgabe des Magazins Öko-Test werden Naturland Wildfisch zertifizierte Fischstäbchen der Marke Alnatura mit „mangelhaft“ bewertet. Dabei wird der falsche Eindruck erweckt, dass der darin verarbeitete Seelachs mit Methoden gefischt worden sei, die den Meeresboden im Fanggebiet aufwühlen und zerstören. Außerdem behauptet Öko-Test, der befischte Bestand in der Nordsee und im Skagerrak sei bedroht und stehe „auf Rot“. Das ist nachweislich falsch!

Relevant für die Beurteilung von Fischbeständen in Nord- und Ostsee sowie im Nordatlantik ist der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES). Die jeweis aktuellen Empfehlungen für die unterschiedlichen Arten je nach Fanggebiet werden im Internet veröffentlicht. Die aktuelle Beurteilung (2019) der Seelachs-Bestände (Pollachius virens) im Fanggebiet Nordsee (4, 3.a), wo der Naturland zertifizierte Seelachs gefangen wird, ist eindeutig: „Der Bestand liegt weiterhin vollständig im grünen Bereich.“ (https://www.fischbestaende-online.de/fischarten/seelachs/seelachs-nordsee-skagerrakkattegat-westl-schottlands)

Keine „Verwüstung des Meeresbodens“
Darüber hinaus kritisiert Öko-Test die Fangmethode mit Grundschleppnetzen, was zu einer „Verwüstung des Meeresbodens“ führe. Diese grundsätzliche Kritik an der Grundschleppnetzfischerei hat mit dem infrage stehenden Naturland Wildfischprojekt in der Nordsee allerdings wenig zu tun.

Tatsächlich verwenden die Seelachs-Fischer in der Nordsee so genannte „semipelagische Schleppnetze“ mit nur geringer Grundberührung. Diese sehr viel leichteren Netze setzen nur in größeren Abständen kurz auf dem Meeresboden auf, ein „Durchpflügen“ des Meeresbodens findet nicht statt.

Die spezifischen Bewirtschaftungsauflagen für das Projekt wurden in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut, der staatlichen Fischereiaufsicht und verschiedenen Umweltschutzorganisationen erarbeitet. Gerd Kraus, Leiter des staatlichen Thünen Instituts für Seefischerei, bestätigt, dass die Gebietsauflagen der Fischerei eingehalten werden und besonders sensible Lebensräume ausgespart werden: „Berichte unser Fangbeprobungen zeigen keine Auffälligkeiten bezüglich Beifang von Bodenorganismen, was auf eine geringe Bodenberührung schließen lässt.“

Die spezifischen Bewirtschaftungsauflagen für das Projekt legen überdies fest, dass Netze mit besonders großen Maschen sowie Fluchtmöglichkeiten verwendet werden, um unerwünschten Beifang so niedrig wie möglich zu halten.

Kaum Beifang – Regionale, handwerkliche Fischerei
Dass dies auch in hervorragender Weise gelingt, bestätigen wissenschaftliche Untersuchungen der Fänge. Insbesondere werden so gut wie keine der für die Bestandserneuerung wichtigen Jungfische (0,06 %) sowie keinerlei Bodenlebewesen gefangen. Die gesamte Beifangmenge beträgt 5,79 Prozent – ein Wert, der die hohe ökologische Veträglichkeit der des Naturland Wildfisch Projekts in der Nordsee belegt.

Abschließend ist noch hinzuzufügen, dass es sich bei den im Test besser bewerteten Produkten aus Hochseefischerei mit pelagischen Schleppnetzen durchweg nicht um den früher als „Köhler“ bekannten Seelachs (Pollachius virens) handelt, sondern um andere Fischarten, die nur unter dem im Handel verwendeten Sammelbegriff „Alaska Seelachs“ vermarktet werden. Bodenkontakt des Netzes ist im Übrigen auch dabei nicht auszuschließen.

Ob diese sehr viel größeren Trawler, die zum Teil bis zum Polarkreis hinauf fahren um auf dem Weg riesige Mengen an Fisch zu fangen, wirklich ökologischer sein können, als eine vergleichsweise regionale und handwerkliche Fischerei wie das Naturland Wildfisch Projekt in der Nordsee, wäre eine interessante Frage gewesen. Doch um sie zu beantworten, hätte Öko-Test sich die konkreten Fischereien wirklich anschauen müssen. Diese Chance wurde leider vertan.

Weitere, detaillierte Informationen zur Naturland Wildfisch zertifizierten Fischerei in der Nordsee finden Sie hier.

Die Stellungnahme zum Download.