REWE Group-Vorstand Büchel: „Wir glauben an Bio“

Podiumsgäste auf der Grünen Woche
Hubert Heigl, Dr. Ophelia Nick, Moderator Christian Thorun und Dr. Daniela Büchel diskutieren auf der Grünen Woche (Foto: Christoph Assmann)
Januar 25, 2023

Hochkarätiges Politik-Handel-Erzeuger-Podium auf der Grünen Woche.

Was passiert, wenn Bio das neue Konventionell wird? Die Bundesregierung will mit dem Ziel eines 30-Prozent-Öko-Anteils in der Landwirtschaft die Agrarwende deutlich vorantreiben. Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin fand heute ein Podiumsgespräch dazu statt mit Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Daniela Büchel, Vorstand HR und Nachhaltigkeit der REWE Group, sowie Naturland-Präsident Hubert Heigl. Titel: „Wird Bio spießig? Öko als Standard auf Feldern und in Regalen.“

Tatsächlich liegen Bio-Lebensmittel – trotz Inflation und Energiekrise – mit einem für 2022 erwarteten Umsatz von 15 Milliarden Euro immer noch 2,7 Milliarden Euro über dem Vor-Corona-Niveau in 2019. „Bio-Produkte sind seit über 30 Jahren eine wichtige Säule unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, so REWE Group-Vorstand Büchel. „Wir sehen bei REWE und PENNY, dass die Kundinnen und Kunden zwar preissensibler, aber nach wie vor gerne ökologisch einkaufen. Das 30-Prozent-Ziel der Bundesregierung ist ambitioniert, und ambitioniert ist gut, auch als Signal an Verbraucherinnen und Verbraucher.“

REWE Group-Vorstand Büchel: Verbraucher:innen halten Bio die Treue

Die Treue der umweltbewussten Kundschaft sei nicht selbstverständlich. „In der Verbindung ökologischer und regionaler Produkte liegt aus unserer Sicht eine wesentliche Erfolgschance für die Kundenakzeptanz“, so Büchel. „Die REWE Group legt schon durch ihre genossenschaftliche regionale Organisationsstruktur einen klaren Fokus auf lokale Beziehungen. Wir gehen partnerschaftliche Beziehungen auf Augenhöhe mit Landwirten ein und engagieren uns auch in der Bio-Branche.“

Bis zum 30-Prozent-Ziel ist es weit, derzeit liegt der Bio-Anteil bei 10,9 Prozent. „Damit der Ökolandbau in die Breite kommt, muss Bio zum Bauern kommen und nicht umgekehrt. Die derzeitige EU-Öko-Verordnung denkt nicht vom Landwirt aus, sondern vom Verbraucher“, sagte Naturland-Präsident Heigl. Gerade ökologischer Landbau, der ohne die Hilfe von Chemie und synthetischem Dünger auskommt, müsse sich etwa an lokale klimatische Bedingungen anpassen können. „Wir brauchen Flexibilität und keine starren Vorgaben auf dem Papier, um Tierwohl zu generieren. Gleichzeitig brauchen Verbraucherinnen und Verbraucher Transparenz. Wir setzen auf die geplante staatliche Kennzeichnung, die Bio in der Tierhaltung ausweist.“

Staatssekretärin Nick: Bio ist unser Leitbild für die Landwirtschaft

Staatssekretärin Nick sagte zu den Herausforderungen: „Öko-Landbau ist unser Leitbild für nachhaltige Landwirtschaft. Uns ist klar, dass wir dafür noch einige Hürden aus dem Weg räumen müssen. Klar ist auch, die ganze Wertschöpfungskette gehört angepackt. Deshalb entwickeln wir die Zukunftsstrategie ökologischer Landbau zu einer Strategie der gesamten Bundesregierung weiter.“
Ein äußerst starker Hebel sei dabei die Außer-Haus-Verpflegung. „An dieser Schraube wollen wir drehen, um die Bio-Nachfrage zu erhöhen und gleichzeitig eine gesunde Ernährung für alle zu ermöglichen. Schließlich essen Tag für Tag sechs Millionen Menschen in Deutschland in Kantinen, Mensen oder Restaurants.“ Auch Öko-Forschung sei wichtig. „Wir richten sowohl unsere Ressortforschung als auch unsere Forschungsförderprogramme auf das 30-Prozent-Ziel aus“, so Nick.
Bio muss aber nicht nur zum Landwirt, sondern auch zur Verbraucherin und zum Verbraucher kommen. Je niedriger der Preisabstand von ökologisch erzeugter zu konventioneller Ware, da waren sich die Diskutanten einig, desto höher der Kauf-Anreiz für Bio. Uneinig war man sich bei den Wegen dahin.

Naturland-Präsident Heigl: Steuerbefreiung für Bio

Naturland-Präsident Heigl plädierte für eine Befreiung von Bio-Produkten von der Mehrwertsteuer. Begründung: Der Ökolandbau spare dem Steuerzahler pro Hektar mindestens 750 Euro an Umwelt- und Klima-Folgekosten, pro Jahr gut 1,5 Milliarden Euro. Die Parlamentarische Staatssekretärin sieht die größte finanzielle Stellschraube in der EU-Agrarförderung (GAP). „Ökolandbau muss sich lohnen“, so Nick. „Für die neue GAP ab 2027 wollen wir die Direktzahlungen durch ein System ersetzen, das gesellschaftliche Leistungen für Umwelt, Klima und Biodiversität honoriert.“
REWE Group-Vorstand Büchel bekräftigte: „Wir glauben an Bio in all seinen Ausprägungen – und bauen unsere Sortimente kontinuierlich aus. Mit insgesamt 6000 Bio-Produkten und über 800 Bio-Eigenmarkenartikeln allein bei REWE in Deutschland ist unser Anspruch klar: Wir wollen die Nummer 1 für Bio im Supermarktbereich sein.“ Bieder werde Bio nicht, wenn das Angebot die breite Masse der Bevölkerung erreiche. Naturland-Präsident Heigl: „Bio kann schon deshalb nie spießig werden, weil Ökolandbau so bunt und vielfältig ist wie die Natur.“

Naturland e.V. – 40 Jahre für Mensch und Umwelt

Naturland wurde um den Jahreswechsel 1982/83 von zehn Pionieren gegründet und ist heute der größte internationale Öko-Verband. Rund 140.000 Bäuerinnen und Bauern in 60 Ländern der Erde zeigen, dass ein ökologisches, soziales und faires Wirtschaften ein Erfolgsprojekt ist. Allein in Deutschland gehören über 4.500 Öko-Betriebe dieser Gemeinschaft an. Weltweit ist die Mehrzahl der Naturland Bauern in kleinbäuerlichen Kooperativen und Erzeugergemeinschaften organisiert.

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