Naturland e.V.

Delegierte aus vier Erdteilen treffen sich per Videokonferenz

postkarte lieferkettengesetz Bild Delegierte 350Gräfelfing – Da die reguläre Naturland Frühjahrsversammlung in diesem Jahr infolge der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann, haben die Delegierten und der Internationale Beirat des Öko-Verbands sich statt dessen erstmals per Video-Konferenz zu Beratungen zusammengefunden. Delegierte aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa berichteten bei dem auf drei Tage verteilten digitalen Treffen (11.-13. Mai), mit welchen Herausforderungen die Menschen in ihren Heimatländern derzeit zu kämpfen haben.

In Indien etwa konnten die Menschen wegen der drastischen Ausgangssperren nicht mehr zur Arbeit gehen, was vor allem die vielen Tagelöhner hart trifft, berichtete Dr. Hubby Matthew von PDS Organic Spices, einem Naturland Fair Partner im Bundesstaat Kerala. „Viele unserer Kleinbauern können sich zum Glück mit dem Nötigsten selbst versorgen“, betonte der Naturland Delegierte für Indien. Angesichts stark steigender Lebensmittelpreise unterstützt das Unternehmen die Familien zusätzlich mit Essens-Paketen und Schutzmasken, während die Produktion und der Export von Öko-Gewürzen zum Erliegen gekommen ist.

Appell an Bundesregierung: Lieferkettengesetz auf den Weg bringen

„Die derzeitige Krise stellt auch Öko-Landbau und Fairen Handel vor große Herausforderungen. Zugleich macht die Corona-Krise noch einmal unmissverständlich deutlich, warum wir gerade jetzt ein Lieferkettengesetz brauchen, das alle Unternehmen verpflichtet, Menschenrechte und Umweltstandards entlang globaler Lieferketten einzuhalten“, sagte Naturland Vize-Präsident Hans Bartelme, im Naturland Präsidium zuständig für den Bereich International.

Die Naturland Delegierten appellieren deshalb einstimmig an die Bundesregierung, das geplante Lieferkettengesetz gerade jetzt auf den Weg zu bringen, noch in dieser Legislaturperiode. Forderungen aus der Wirtschaft, das Gesetz wegen der Corona-Krise von der politischen Agenda zu streichen, seien der falsche Weg. „Was wir jetzt brauchen, ist Solidarität in der Krise und den Aufbau transparenter, sozial und ökologisch nachhaltiger Lieferketten“, betonte Naturland Vize-Präsident Bartelme.

Die Naturland Delegierten bekräftigten damit die Unterstützung des Verbands für eine Forderung der Initiative Lieferkettengesetz, einem Aktionsbündnis zahlreicher Organisationen aus den Bereichen Umweltschutz, Gewerkschaften und Entwicklungszusammenarbeit. Eine diese Organisationen ist das Forum Fairer Handel (FFH), der Verband der Fairhandels-Akteure in Deutschland, dem Naturland als Öko-Verband mit eigener Fair-Zertifizierung angehört.

Haushalt und Richtlinienänderungen beraten

Darüber hinaus berieten die Delegierten unter anderem den Haushaltsabschluss 2019 sowie Richtlinienänderungen. So wurde der Begriff der Biodiversität genauer gefasst um die Bedeutung des Artenschutzes für Naturland auch im Richtlinientext noch deutlicher hervorzuheben. Die Abstimmung über die Richtlinienänderungen erfolgt aus Satzungsgründen erst im Nachgang zu der Online-Konferenz auf schriftlichem Wege.

Naturland Präsident Hubert Heigl zeigte sich zufrieden mit diesem ersten digitalen Delegiertentreffen. „Wir haben bewiesen, dass Naturland mit seinen demokratischen Gremien auch in einer solchen Krisensituation voll handlungsfähig ist“, betonte Heigl.

 

Über Naturland

Weltweit arbeiten mehr als 70.000 Naturland Bäuerinnen und Bauern in knapp 60 Ländern der Erde nach den öko-sozialen Richtlinien von Naturland. Allein in Deutschland gehören 4.000 Erzeuger dieser Gemeinschaft an. Die Mehrzahl der internationalen Naturland Bauern ist in Kleinbauernkooperativen und Erzeugergemeinschaften organisiert. Damit steht Naturland wie kein anderer Öko-Verband für den harmonischen Zweiklang von Regionalität und Internationalität in einer globalisierten Welt.

Die Naturland Delegiertenversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium des Verbands und tagt normalerweise zwei Mal pro Jahr. Ihr gehören Naturland Bäuerinnen und Bauern aus Deutschland sowie aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa (ohne Deutschland) an. Die Interessen der internationalen Naturland Betriebe werden zusätzlich durch das World Advisory Board vertreten, welches das Naturland Präsidium in Fragen der internationalen Ausrichtung und Entwicklung des Verbands berät.

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